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       # taz.de -- Steuerhinterziehung in Deutschland: Regierung will härter gegen Finanzkriminalität vorgehen
       
       > Beim Zoll soll ein neues Zentrum gegen Finanzkriminalität entstehen. Bei
       > der Vorstellung verspricht der Finanzminister Großes.
       
   IMG Bild: Lars Klingbeil und Stefanie Hubig am Donnerstag nach der Vorstellung ihrer Pläne in Berlin
       
       Steuerhinterziehung kostet die Gemeinwesen mindestens Dutzende,
       [1][wahrscheinlich mehr als Hundert Milliarden Euro jährlich]. Geld, das
       fehle, um zum Beispiel „Kitas und Schulen“ zu bezahlen, sagte
       Bundesjustizministerin Stefanie Hubig am Donnerstag in der
       Bundespressekonferenz in Berlin. Gemeinsam mit Finanzminister Lars
       Klingbeil (beide SPD) präsentierte sie den Plan für ein neues Zentrum gegen
       Steuer- und Finanzkriminalität beim Zoll.
       
       „Regeln müssen für alle gelten“, erklärte die Justizministerin. Es gehe um
       Vertrauen in die Wirksamkeit staatlichen Handels auch gegenüber denen, die
       viel Geld besäßen. Oft fiel in der Pressekonferenz der Begriff
       „Gerechtigkeit“. Daneben spielt aber auch eine Rolle, dass der
       Finanzminister Mühe hat, den Bundeshaushalt für das kommende Jahr
       auszugleichen. So sollen die Maßnahmen 2027 eine Milliarde Euro
       zusätzlicher Einnahmen erbringen.
       
       Die konkrete Gesetzgebung werde im August starten, sagte Klingbeil. Die
       grundsätzliche Zielrichtung basiert auf dem Koalitionsvertrag mit der
       Union. Bei einzelnen Punkten kann es aber zum Dissens kommen.
       
       Die neue Einheit beim Zoll soll die Zusammenarbeit von Fachleuten und
       Behörden ermöglichen, die bisher oft aneinander vorbeiarbeiten. Dazu
       gehören Fahnder:innen der Länder und des Bundes, Institutionen wie das
       Bundeskriminalamt und das Bundeszentralamt für Steuern. Ein neues
       Datenanalyse-Zentrum mit einer zentralen Plattform wird „komplexe
       Firmengeflechte besser analysieren“. Es geht um Geldwäsche,
       Steuerhinterziehung, aber auch „aggressive Steuergestaltung“.
       
       ## Härtere Strafen
       
       Mehrfach nannten Klingbeil und Hubig den Cum-Ex-Skandal als Beispiel für
       Machenschaften, die es künftig zu verhindern gelte. Über Jahrzehnte hatten
       sich dabei Banken, Berater und Investoren einmal gezahlte Steuern auf
       Aktiengeschäfte mehrfach von Finanzämtern zurückerstatten lassen.
       
       „Wir begrüßen, dass die Bekämpfung von Steuerkriminalität an politischer
       Priorität gewinnt“, erklärte Anne Brorhilker. Als Staatsanwältin in Köln
       hatte sie die Cum-Ex-Ermittlungen maßgeblich vorangetrieben, später
       wechselte sie zur gemeinnützigen Organisation „Finanzwende“. In deren Namen
       sagte sie nun: „Insbesondere die Schaffung eines Gemeinsamen Zentrums
       Steuer- und Finanzkriminalität beim Zoll unter Einbindung von Polizei und
       Steuerfahndung erachten wir für sehr sinnvoll.“
       
       In den Cum-Ex-Komplex gehört auch, dass die Aufbewahrungsfrist für
       Transaktionsunterlagen nochmals auf 15 Jahre verlängert wird. Denn
       Ermittlungen und Prozesse dauerten oft länger als angenommen, begründete
       der Finanzminister.
       
       Klingbeils und Hubigs „Aktionsplan“ umfasst 26 Punkte. Darin enthalten sind
       Strafverschärfungen, etwa die Wiedereinführung eines Verbrechenstatbestands
       für schwere Steuerhinterziehung. So können Ermittlungsverfahren in solchen
       Fällen nicht mehr gegen Geldauflagen eingestellt werden. Die Aussicht auf
       Straffreiheit habe bisher einen „falschen Anreiz“ gesetzt, begründete die
       Justizministerin. Außerdem solle die Höchststrafe für organisierte
       Steuerkriminalität von 10 auf 15 Jahre Gefängnis steigen, sagte Hubig.
       
       Ein weiterer Punkt: die Vermögensabschöpfung. Damit der Staat illegal
       erlangtes Kapital zurückerhalte, „bauen wir die Instrumente zur Ermittlung
       und Sicherstellung von Vermögen von verdächtiger, unbekannter Herkunft
       konsequent aus“. Heißt in Klingbeils Worten konkret: „Der Porsche und die
       Rolex sind dann erstmal weg.“
       
       ## Klingbeil muss eine Werbetour absolvieren
       
       Ebenfalls auf der Liste steht ein „elektronisches Meldesystem für die
       Umsatzsteuer, bei dem die Unternehmen ihre Umsätze zeitnah und einzeln
       melden“ – ein Mittel gegen den verbreiteten Umsatzsteuerbetrug. Damit
       einher geht die Pflicht, elektronische Registrierkassen zu verwenden.
       Papierbons sind nicht nötig, aber „digitale Belege“ werden verpflichtend
       eingeführt. Allerdings sollen kleine Firmen mit weniger als 100.000 Euro
       Jahresumsatz verschont bleiben. Diesen Kompromiss mit der Union hätte
       Klingbeil gerne vermieden, aus Koalitionsdisziplin trägt er ihn aber mit.
       
       [2][Auch auf Geschäfte mit Kryptowährungen] will Klingbeil den Blick
       lenken. Zunächst werde die Analysesoftware der Zentralstelle für
       Finanztransaktionsuntersuchungen beim Zoll aufgerüstet, dann wolle man mit
       Wissenschaftler:innen diskutieren, was steuerlich zu unternehmen sei.
       Der Finanzminister sagte, Erlöse aus Kryptogeschäften sollten genauso
       versteuert werden wie andere Gewinne. Demnach müsste man für sie künftig
       auch Einkommens- oder Kapitalertragsteuer zahlen. Heute dagegen werden
       Kryptoverkaufserlöse nur im ersten Jahr nach dem Kauf besteuert, danach
       nicht mehr. Mal sehen, ob die Union einen Wechsel an dieser Stelle
       mitmacht.
       
       16 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Hannes Koch
       
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