# taz.de -- Restitution von NS-Raubkunst: Kehrtwende in Bayern
> Die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim erhalten nun doch
> die Bronzebüste „Fernande/Beatrice“ von Picasso zurück. Ein Anfang?
IMG Bild: Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) in der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München in der Alten Pinakothek
Jahrelang blockierte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) die Rückgabe
einer Bronzebüste aus der Hand Pablo Picassos an die Erben des jüdischen
Kunsthändlers Alfred Flechtheim. Selbst eine Empfehlung seines eigenen
Museumsdirektors der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen konnte Blume nicht
umstimmen. Jetzt vollführt der Minister eine 180-Grad-Wende.
Die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim erhalten die
Bronzebüste „Fernande/Beatrice“ von Picasso zurück, kündigte Blume am
Dienstag in München an. Noch 2024 sei ein Restitutionsgesuch abgelehnt
worden. Nun gebe es aber die [1][Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut], die
seit 1. Dezember angerufen werden kann. Deren neuer Bewertungsrahmen habe
die Rückgabe ermöglicht, erklärte Blume.
Allerdings war ein Schiedsgericht in der Angelegenheit gar nicht
involviert, der Bewertungsrahmen ist seit einem halben Jahr in Kraft. Über
die Gründe der überraschenden Wende Blumes darf also spekuliert werden.
Der Anwalt Markus Stötzel, der den betagten Flechtheim-Erben Michael Hulton
vertritt, begrüßte den Schritt. „Es ist längst überfällige Gerechtigkeit
für das jüdische Nazi-Opfer Alfred Flechtheim“, sagte er. Es könne jedoch
nur ein Anfang sein, denn weitere Kunstwerke Flechtheims warten auf eine
Restitution. Dabei geht es um zwei Gemälde von Paul Klee.
## Künftig soll Kommission entscheiden
Die bayerische Restitutionspraxis von Kunstwerken, die Juden von den Nazis
gestohlen worden waren, galt über Jahre als besonders restriktiv. So
verweigerte der Freistaat gegenüber den Erben des [2][Picasso-Gemäldes
„Madame Soler“] eine Rückgabe und war auch nicht bereit, einer Entscheidung
durch ein unabhängiges staatliches Gremium zuzustimmen. Bis heute ist der
Fall nicht entschieden.
Die Rückgabe der Picasso-Büste ist offenbar nur ein erster Schritt in einer
Wende zum Besseren. Künftig soll eine Kommission über die Frage der
Rückgabe verdächtiger Werke im Besitz des Freistaats entscheiden, die vom
Präsidenten des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Raphael Gross,
geleitet wird. Das letzte Wort bei einer Restitution bleibt zwar beim
Minister, aber dieser wird sich kaum gegen eine Empfehlung dieses
hochkarätig besetzten Expertengremiums stellen können, das er selbst
einberufen hat.
Zur Erforschung der Herkunft von Kunstwerken wird ein mit sechs
Wissenschaftlern ausgestattetes „Zentrum für Provenienzforschung und
Restitutionsfragen“ geschaffen, das, anders als bisher, über ausreichende
Ressourcen verfügt, um Verdachtsfällen gründlich nachzugehen. Die
Einrichtung soll beim renommierten Münchner Institut für Zeitgeschichte
angesiedelt werden.
15 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Klaus Hillenbrand
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