# taz.de -- Finanzaffäre in Brüssel: Die EVP macht gemeinsame Sache mit den rechten Patrioten
> Die Konservativen sorgen im EU-Parlament dafür, dass die Zweckentfremdung
> von EU-Geldern keine Konsequenzen hat. Sanktionen wird es nicht geben.
IMG Bild: Immer wieder stimmen die Konservativen von CDU/CSU und EVP im Europaparlament gemeinsam mit der AfD und anderen rechten Parteien ab
Bei vielen EU-Gesetzen haben die Konservativen von CDU/CSU und EVP im
Europaparlament gemeinsam mit der AfD und anderen rechten Parteien
gestimmt. Nun haben sie auch noch dafür gesorgt, dass die rechtsradikalen
Patrioten für Europa (PfE) in einer Finanzaffäre ungeschoren davonkommen.
Von Grünen und Sozialdemokraten kam scharfe Kritik – Konsequenzen dürfte
der Fall jedoch keine haben.
Bei der Affäre geht es um [1][EU-Gelder in Höhe von 277.000 Euro, die die
Patrioten – prominentestes Mitglied: Frankreichs Nationalistenführerin
Marine Le Pen – zweckentfremdet haben sollen]. Die rechte PfE-Fraktion
verstieß laut einem internen Bericht der Parlamentsverwaltung in der
zweiten Hälfte des Jahres 2024 gegen die EU-Vorschriften zu Spenden und
Vergabeverfahren.
Nach Angaben der Verwaltung soll die PfE in ihrem Haushalt für 2025
Vorsorge getroffen haben, um den umstrittenen Betrag zurückzahlen zu
können. Finanziell zeichnet sich also eine Lösung ab. Doch neben der
Rückzahlung der illegal verwendeten Gelder standen auch noch Sanktionen im
Raum. Diese haben Konservative und Rechtsradikale jedoch gemeinsam
abgeblockt.
Im Haushaltskontrollausschuss des Parlaments setzten EVP-Mitglieder
zusammen mit Abgeordneten rechter Fraktionen eine Stellungnahme durch, die
lediglich eine Rückzahlung fordert. Sanktionen oder strafrechtliche
Ermittlungen sind darin nicht vorgesehen. Sozialdemokraten, Liberale, Grüne
und Linke hatten weitergehende Konsequenzen gefordert, sind in der
Abstimmung jedoch knapp unterlegen.
## Kritik von den Grünen und der SPD
Der Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses, Andreas Schwab (CDU),
verteidigte die umstrittene Stellungnahme. Es gehe nicht um eine
„politische Entlastung“ der PfE, sondern um ein Verfahren zur
Rückerstattung der EU-Mittel.
Der grüne Europaabgeordnete Daniel Freund kritisierte den Kurs der EVP.
„Gemeinsam mit den rechten Fraktionen haben die Konservativen die Patrioten
vor ernsthaften Konsequenzen geschützt“, sagte er. Kritik kommt auch aus
der SPD. „Wer Steuergelder missbraucht, darf nicht auf politische
Rücksichtnahme hoffen“, sagte der SPD-Politiker Jens Geier. Der Fall weise
Parallelen zum Verhalten der früheren Fraktion Identität und Demokratie
(ID) auf.
„Als der Ausschuss im vergangenen September unter EVP-Führung den
Millionenbetrug der Vorgängerfraktion ID aufarbeitete, wurde völlig zu
Recht mit maximaler Härte vorgegangen“, so Geier. Dass jetzt plötzlich
„politische Rücksichtnahme genommen wird“, entbehre jeder sachlichen
Grundlage. Die EVP sende damit das fatale Signal, „dass der Missbrauch
europäischer Steuergelder folgenlos bleibt, wenn es den politischen
Opportunitäten nützt“.
## Austritt als Tabu
[2][Konsequenzen dürfte die Kungelei der konservativen und rechten Parteien
jedoch nicht haben]. Die Sozialdemokraten könnten zwar aus der informellen
Koalition mit der EVP und den Liberalen austreten. Dies ist jedoch mit
Rücksicht auf die große Koalition in Berlin tabu.
Statt mit ernsten Konsequenzen zu drohen, erwägen die Sozialdemokraten
sogar, die Zusammenarbeit mit der EVP noch zu vertiefen – in der vagen
Hoffnung, dass diese sich dann nicht mehr so oft mit den Rechten einlassen.
15 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Eric Bonse
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