# taz.de -- Afrikas Luftfahrtprogramme: Startbahn für große Träume
> Ugandas Präsident will aus einer Provinzpiste ein globales Drehkreuz
> machen. Experten warnen vor Prestigeprojekten statt sinnvoller
> Infrastruktur.
IMG Bild: Auch Ugandas Präsident hat hochfliegende Pläne für den Flugverkehr seines Landes
„Mbarara Airport“ steht in weißen Lettern auf dem Wellblechdach eines
einstöckigen Hauses, in dem sich die Abfertigungshalle befindet. Davor eine
1,5 Kilometer lange Landebahn ohne Asphalt, die von einem einfachen
Maschendrahtzaun gesichert wird. Das ist es.
Doch wenn es nach den Visionen von [1][Ugandas Präsident Yoweri Museveni]
geht, dann soll dieser Provinzflughafen in der Nähe der Präsidentenfarm im
Westen des Landes bald ein internationales Drehkreuz für den Luftverkehr
zwischen Lateinamerika und Asien werden. Neben einer dann 5,5 Kilometer
langen Landebahn soll dort dann einer der größten Flughäfen weltweit
entstehen, mit einem hochmodernen, gigantischen Terminal.
„Dies alles ist auf den bisher unbekannten Faktor der von Gott geschaffenen
Welt und das neue Phänomen des sich entfaltenden globalen Wohlstands
zurückzuführen“, erläuterte Ugandas Präsident seine Vision in einem Brief
an Premierministerin Robinah Nabbanja im Februar und rechnete vor: Derzeit
würden Waren und Passagiere von Südamerika über den Atlantik nach Europa
und weiter nach Asien fliegen – eine weite Strecke, auf der man viel
umsteigen müsse und bis zu 40 Stunden benötige. Dabei seien es von
Brasilien nach Mbarara nur 9 Stunden und weiter nach China 11 Stunden.
Kurzerhand ordnete Museveni, der seit 40 Jahren an der Macht ist, an, dass
die Premierministerin zusammen mit den relevanten Ministerien das Projekt
bis zum Jahr 2030 schnell vorantreiben soll. Wer Machbarkeitsstudien,
öffentliche Ausschreibungen, Expertenmeinungen erwartet – alles
Fehlanzeige.
## Reine Chefsache
Der 81-jährige Präsident, hat bereits selbst entschieden: Eine ugandische
Firma soll gemeinsam mit chinesischen Beratern das Megaprojekt umsetzen;
finanziert über ein sogenanntes Betreibermodell, bei dem die Firma über
einen festgelegten Zeitraum die Einnahmen aus dem Projekt verwendet, um den
Kredit zurückzuzahlen, bevor der Flughafen letztlich dem Staat gehört.
Mit diesem Megaprojekt reiht sich Uganda nun auch noch ein in den teuren
Wettlauf um den Ort, an dem in der Zukunft in Afrika die meisten Passagiere
abgefertigt werden. Kontinentweit werden derzeit 12 Megafughäfen gebaut
oder ausgebaut. Der größte entsteht in Äthiopien, 40 Kilometer südlich der
Hauptstadt Addis Abeba nahe der Stadt Bishoftu, wo sich der
Luftwaffenstützpunkt der Armee befindet. Ab 2030, so der Plan, sollen dort
von der staatlichen Fluggesellschaft Ethiopian Airways 110 Millionen
Passagiere jährlich abgefertigt werden. Kostenpunkt: über 12 Milliarden
US-Dollar.
In Rwanda gibt es ein ähnliches Vorhaben. Seit 2027 wird in Bugesera, 40
Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali, ein nagelneuer Flughafen
hochgezogen: ursprünglich ein 800 Millionen US-Dollar teures
Public-Private-Partnership-Projekt, finanziert maßgeblich durch Qatar
Airways. Die katarische Fluggesellschaft will dort ihren Afrika-Hub
ausbauen, Rwandas staatliche Fluggesellschaft Rwanda Air ihr Drehkreuz
erweitern. Doch immer wieder verzögert sich der Bau, verteuert sich extrem.
Mittlerweile umfassen die Kosten 2 Milliarden US-Dollar, die Eröffnung
wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf 2028. Der Flughafen soll 14
Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen.
## Der Klima-Impact ist kein Thema
Ein weiterer Konkurrent soll der Jomo Kenyatta Flughafen (JKIA) in Kenias
Hauptstadt Nairobi werden, der für 1,2 Milliarden US-Dollar nun von einer
chinesischen Firma mithilfe von [2][Krediten der afrikanischen
Entwicklungsbank (AfDB)] ausgebaut wird und in Zukunft 25 Millionen
Passagiere abfertigen soll.
„Es gibt einige internationale Eintrittstore, wie Bishoftu, Bugesera und
JKIA, die ausgebaut werden müssen“, so der afrikanische Luftfahrtexperte
Sean Mendis. „Aber einige dieser Flughäfen sind politische Prestigeprojekte
und basieren nicht auf echter Nachfrage.“
Alle 12 aktuellen Vorhaben zusammen würden nach ihrer Fertigstellung
Kapazitäten für rund 150 Millionen Passagiere in Afrika haben. Allerdings
sagte Abderahmane Berthe, Vorsitzender des Afrikanischen
Fluggesellschaft-Verbandes AAA (African Airlines Association) im Mai bei
einem Luftfahrtgipfeltreffen in Rwandas Hauptstadt Kigali: „Nur zehn
Prozent der Afrikaner können es sich leisten, zu fliegen.“ Aber immerhin
gebe dies „genug Raum für Wachstum“. Klimaaspekte spielen bei dieser
Diskussion aktuell keine Rolle.
Laut Angaben von AAA umfasste das Passagieraufkommen in Afrika im Jahr 2025
rund 110 Millionen Menschen, gegenüber 98 Millionen im Jahr 2024, mit einer
jährlichen Wachstumsprognose von rund 6 Prozent bis zum Jahr 2044 aus.
Zwar bestünden weiterhin Herausforderungen, lenkt Berthe ein, doch die
Nachfrage sei hoch: „Mit den richtigen Rahmenbedingungen – verbesserter
Infrastruktur, breiterem Zugang zu Finanzmitteln und der vollständigen
Umsetzung des [3][einheitlichen afrikanischen Luftverkehrsmarktes (SAATM)]
– ist das Wachstumspotenzial enorm.“
## Alternativen ohne und mit Fliegen
Mittlerweile haben laut Angaben der afrikanischen Luftfahrtkommission
(AFCAC) 38 afrikanische Staaten das SAATM-Protokoll unterzeichnet, ein
Baustein im Aufbau einer [4][afrikaweiten Freihandelszone], die 2019 im
Rahmen der Afrikanischen Union ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam wollen
sie den Luftfahrtmarkt auf dem Kontinent liberalisieren, hohe Steuern und
Gebühren abschaffen und Flugreisen damit langfristiger günstiger machen.
Hintergrund ist, dass es kaum funktionierende Eisenbahnlinien gibt. Fahrten
mit dem Bus sind zwar günstig und möglich, sie dauern oftmals die ganze
Nacht und sind aufgrund maroder Straßenverhältnisse unbequem und gar
gefährlich.
Anstatt jetzt große Prestigeflughäfen zu bauen, die internationale
Touristen und Geschäftsleute anlocken, sei der Ausbau kleiner, regionaler
Hubs deutlich vielversprechender, so der Luftfahrtexperte Mendis: „Wachstum
in Afrikas Luftfahrtbranche kommt von unten“, stellt er klar: Es gebe eine
hohe Nachfrage an inländischen und regionalen Flügen – diese müsse man nur
bedienen.
Innerafrikanische Flugtickets sind deutlich teurer als woanders auf der
Welt, selbst Kurzstreckenflüge. Ein Beispiel: Ein einfacher Flug zwischen
den Hauptstädten Rwandas und Ugandas kostet rund 350 Euro, während dieselbe
Strecke von Berlin nach Paris gerade einmal 100 Euro kostet. Wer von
Westafrika nach Ostafrika reisen möchte, fliegt deutlich billiger über
Drehkreuze in Europa, Türkei oder die Emirate statt über die direkte
Flugstrecke – falls diese überhaupt bedient wird. In Anbetracht der
Tatsache, dass [5][über 40 Prozent der Menschen in Subsahara-Afrika laut
Angaben der Weltbank unter der Armutsgrenze] liegen, ist ein Flugticket für
viele ohnehin unerschwinglich. Die meisten können sich nicht einmal ein
Fahrrad leisten.
16 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Wahlergebnis-in-Uganda/!6146313
DIR [2] /EU-Kommissar-ueber-den-Global-Gateway/!6156448
DIR [3] https://www.iata.org/en/about/worldwide/ame/saatm/
DIR [4] /Panafrikanisches-Freihandelsabkommen/!5605318
DIR [5] https://www.worldbank.org/ext/en/topic/poverty
## AUTOREN
DIR Simone Schlindwein
## TAGS
DIR Afrika
DIR Luftverkehr
DIR Uganda
DIR Social-Auswahl
DIR wochentaz
DIR Elektromobilität
DIR Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Mobilitätswende in Uganda: Unter Strom
Elektrische Motorradtaxis, das größte E-Bus Werk Afrikas und Start-ups, die
E-Bikes verkaufen: Uganda will Vorreiter in der Elektromobilität werden.
DIR Verbrenner-Aus in Äthiopien: Strom statt Sprit
In Äthiopien ist der Import von Verbrennern seit 2024 verboten. Das
Potenzial ist riesig dank günstigem Strom aus Wasserkraft. Doch es gibt
Hürden.
DIR Stadtplanung am Bosporus: Die Vision des Präsidenten
Neue Großprojekte werden Istanbul gründlich verändern: eine gewaltige
Bosporusbrücke, ein Megaflughafen, breite Autobahnen.