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       # taz.de -- Wahlen in Sachsen-Anhalt: Rechter Kulturkampf im Kindergarten
       
       > Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht käme, beträfe das auch die
       > frühkindliche Bildung. Dann kommt es auf die Standhaftigkeit der
       > Kita-Träger an.
       
   IMG Bild: Die AfD in Sachsen-Anhalt könnte sich auch in die frühkindliche Bildung einmischen
       
       Nachdem die AfD für lange Zeit auch auf Länderebene vor allem mit ihren
       bundespolitischen Forderungen hinsichtlich Migration, Klima und
       Außenpolitik aufgetreten ist, hat sie im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt mit
       dem Thema Bildungspolitik einen neuen Schwerpunkt gesetzt.
       
       In der Öffentlichkeit besprochen werden vor allem ihre [1][schulbezogenen
       Forderungen], wie die Abschaffung der Schulpflicht, die Rücknahme des
       „Experiments Inklusion“, die Einführung von „Sonderklassen für
       Flüchtlinge“, der Stopp von Antirassismusprojekten und die
       [2][Überarbeitung der Lehrpläne im Sinne „patriotischer Einstellungen“].
       Ein wenig aus dem Blick gerät dabei, dass die AfD auch den Bereich der
       frühkindlichen Bildung als ein wichtiges Feld ihres Kulturkampfes
       ausgemacht hat.
       
       Von der Einführung „kostenfreier Kitaplätze“ abgesehen, sind auch hier die
       Forderungen vor allem identitäts- und kulturpolitischer Natur. So findet
       sich im [3][„Regierungsprogramm“ der AfD] kein Wort über den schlechten
       Personalschlüssel Sachsen-Anhalts. Und auch die für den Kitabereich
       dramatischen Folgen des derzeitigen demografischen Wandels sind ihr keine
       Erwähnung wert.
       
       Stattdessen wird in hysterischem Ton gefordert, die „staatliche
       Frühsexualisierung von Kleinkindern“ zu verbieten. Gezielt wird dabei
       einerseits auf die sexualpädagogischen Elemente der Schutzkonzepte.
       Andererseits aber auch auf alle Formen von Diversitätssensibilität, von der
       die AfD behauptet, sie würde „Ausprägungen nicht-normaler
       Geschlechtsidentitäten oder abseitiger sexueller Vorlieben“ geradezu
       bewerben.
       
       Darüber hinaus soll die Arbeit mit sogenannten offenen Konzepten, also eine
       Auflockerung fester Gruppenstrukturen in der Kita, untersagt werden. Diese,
       argumentiert die AfD, würden zu „größeren Anpassungsschwierigkeiten“ in der
       Grundschule führen. Und nicht zuletzt will die Partei Erzieher:innen zu
       „strikter politischer Neutralität“ verpflichten. In der Vorstellungswelt
       der AfD bedeutet das, sich „zur normativen Normalität der Gesellschaft zu
       bekennen“.
       
       ## Wenn die AfD regierte
       
       Zunächst einmal ist nicht anzunehmen, dass es einer AfD-Landesregierung
       gelingen würde, ihre Forderungen flächendeckend in die Tat umzusetzen –
       schon gar nicht innerhalb einer Legislaturperiode. Denn um die
       pädagogischen Inhalte verbindlich zu ändern, müsste zunächst das
       Bildungsprogramm des Landes geändert werden. Das ist zwar möglich, doch der
       formale Weg kostet Zeit.
       
       Noch langwieriger wäre es, bis solche Neuerungen in Form konkreter
       Handlungskonzepte wirklich im Kitaalltag umgesetzt würden. Und zwar selbst
       dann, wenn Kitaträger diesen Neuerungen wohlwollend gegenüberstünden.
       
       Die AfD-Pläne stoßen aber zumindest bei den großen Trägern der Kinder- und
       Jugendhilfe auf klare Ablehnung. Die Wohlfahrtsverbände etwa, die immerhin
       44 Prozent der Kitas in Sachsen-Anhalt betreiben, positionieren sich seit
       Langem explizit und öffentlich gegen die AfD. Auch von der Mehrzahl der
       Kita-Leitungen, die über viele Jahre im Geist der bisherigen
       Bildungsprogramme tätig waren, ist wenig Sympathie für die Forderungen der
       AfD zu erwarten.
       
       Natürlich könnte eine AfD-Landesregierung versuchen, politischen Druck auf
       die Wohlfahrtsverbände auszuüben, indem sie ihnen mit der Streichung von
       Fördermitteln droht. Doch da die Landesregierung nicht zuletzt durch
       Bundesgesetze verpflichtet ist, den Kitabetrieb flächendeckend
       aufrechtzuerhalten, ist sie bis auf Weiteres auf die Verbände angewiesen.
       
       Die Träger können die Umsetzung der Neuerungen daher verschleppen, weshalb
       davon auszugehen ist, dass vielerorts sowohl die Konzeption als auch der
       Kitaalltag zunächst weitgehend unverändert bleiben würden.
       
       ## Keine Entwarnung
       
       Dies bedeutet jedoch keineswegs Entwarnung: Etwa die Hälfte aller Kitas in
       Sachsen-Anhalt wird von kleineren kommunalen Trägern geführt. Diese sind
       häufig ressourcenschwacher und verfügen über weniger professionalisierte
       Strukturen. Es lässt sich leicht ausmalen, welchen Anpassungsdruck
       rechtsautoritäre Gemeinderäte oder Bürgermeister:innen mit einer
       AfD-Landesregierung im Rücken hier erzeugen könnten.
       
       Hinzu kommt: Konflikte in der Interaktion mit Eltern sind aufgrund der
       rechten Agitation gegen offene Konzepte, „Frühsexualisierung“, Political
       Correctness und „Cancel Culture“ längst Alltag in den Kitas. Im Falle eines
       Wahlsiegs der AfD würden sie sich deutlich verschärfen.
       
       Doch das Problem wird nicht nur von außen in die Einrichtungen getragen.
       Auch unter Kita-Mitarbeitenden gibt es Einstellungen und Orientierungen,
       die an rechtsautoritäre Narrative anschlussfähig sind: So findet etwa die
       Kritik an offenen Konzepten vielerorts durchaus Zustimmung; es existiert
       ein verbreitetes Unbehagen mit Sexualpädagogik; und das Gefühl, mit immer
       neuen gesellschaftlichen Ansprüchen überladen zu werden, ist
       allgegenwärtig.
       
       Darüber hinaus finden Entwürfe traditioneller Weiblichkeit in Kitas ebenso
       ihren Platz wie die Orientierung am „gesunden Menschenverstand“. All das
       ist nicht prinzipiell rechts, doch steht zu befürchten, dass solche
       Einstellungen und Orientierungen im Falle eines Wahlsiegs der AfD zunehmend
       in deren Sinne handlungsleitend werden können.
       
       Legitimiert durch die Position der Landesregierung, könnten progressive
       Inhalte im Alltag unterlaufen werden. Oder pädagogische Fachkräfte,
       Kita-Leitungen und Eltern könnten sich ermächtigt fühlen, Abläufe und
       Inhalte im Vorgriff auf gesetzliche Regelungen zu verändern.
       
       In einigen Kitas würde sicherlich eine rechtsautoritäre Hegemonie
       entstehen, wodurch sich entsprechende Überzeugungen dort in
       diskriminierendes, gewaltvolles Sprechen und Handeln gegenüber Kindern,
       Eltern und Kolleg:innen übersetzen könnten. Dies träfe besonders
       diejenigen, die in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation ohnehin
       schon unter Druck stehen: queere Menschen, Menschen mit
       Migrationsgeschichte und diejenigen, die antifaschistisch dagegenhalten.
       
       17 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://taz.de/Bildungsvorhaben-der-AfD-im-Osten/!6026899/&ved=2ahUKEwj-5rLH6NaVAxUzcfEDHevVHjoQFnoECCwQAQ&usg=AOvVaw2Xkrx1rM3flPwtVT470YgR
   DIR [2] /Lehrkraefte-in-Thueringen/!6028387
   DIR [3] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://taz.de/AfD-in-Sachsen-Anhalt-Welche-Teile-ihres-Sofortprogramms-waeren-umsetzbar/!6195650/&ved=2ahUKEwjn_o-d6daVAxU5BdsEHfSJKbcQFnoECBcQAQ&usg=AOvVaw07ZYDCy4_K7Izsqp1YMbKx
       
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