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       # taz.de -- Studie zu Meerestieren: Klimawandel lässt Gehirne schrumpfen
       
       > Wissenschaftler haben die Folgen der Ozeanversauerung auf Kopffüßer
       > untersucht. Das Ergebnis: Saure Meere wirken sich dramatisch aufs
       > Hirnvolumen aus.
       
   IMG Bild: Die Augen sind riesig: Entscheidend ist, dass der Kalmar damit auch sehen kann
       
       Eine wesentliche Nebenwirkung des menschengemachten Klimawandels ist die
       Ozeanversauerung: Die Weltmeere nehmen einen erheblichen Teil des vom
       Menschen freigesetzten Kohlendioxids auf. Das bleibt nicht ohne Folgen: Das
       im Wasser gelöste Gas reagiert im Meer zu Kohlensäure und je mehr
       Kohlensäure im Wasser ist, desto saurer wird es. Der pH-Wert sinkt, an der
       Oberfläche von früher 8,2 auf mittlerweile rund 8,1. Geht der Klimawandel
       so weiter, wird Ende des Jahrhunderts ein Wert von 7,8 erreicht sein.
       
       Dass dies ein Problem für Kalkbildner ist, [1][gilt seit Langem als
       erwiesen]: Muscheln, Hummer, Krebse oder Korallen können in einer saureren
       Umgebung nicht mehr genügend Kalk aus dem Meerwasser extrahieren, um ihre
       Schalen aufzubauen.
       
       Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, was die
       [2][Ozeanversauerung] für Kopffüßer bedeutet. Konkret experimentierten sie
       mit Großflossen-Riffkalmaren: In einem Becken ließen sie Jungtiere in einer
       Umgebung mit einem pH-Wert von 8,2 aufwachsen, in einem anderen mit einem
       pH-Wert von 7,8.
       
       Kopffüßer sind eine Gruppe hoch entwickelter Weichtiere, zu der neben
       Kalmaren auch Tintenfische und Oktopusse gehören. Sie besitzen ein für
       Wirbellose außergewöhnlich leistungsfähiges Gehirn, die Anzahl ihrer
       Nervenzellen ist mit der von Hunden vergleichbar.
       
       ## Sehzentrum besonders betroffen
       
       Auch Kopffüßer können lernen, ihr Gehirn verarbeitet gleichzeitig visuelle
       Informationen, jene des Tastsinns und steuert dabei acht oder mehr Arme
       sowie eine hoch entwickelte Hautmuskulatur. Das funktioniert aber nicht
       mehr in einer Umgebung mit pH-Wert 7,8, so die Forscher. Nach 90 Tagen
       Aufzucht hatte sich das Hirnvolumen der Gruppe um rund die Hälfte kleiner
       entwickelt als im Meerwasser mit pH-Wert 8,2.
       
       Im Sehzentrum schrumpfte das Volumen sogar um mehr als 60 Prozent. Das ist
       dramatisch, da die Fähigkeit zu sehen entscheidend für das Überleben der
       Großflossen-Riffkalmare ist: Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen
       Fischen, Garnelen und anderen Krebstieren, und die Jäger entscheiden
       visuell, wie sie ihre Beute mit einem plötzlichen Vorstoß der Fangtentakel
       ergreifen. Riffkalmare selbst dienen größeren Fischen, Meeressäugern und
       Seevögeln als wichtige Nahrung.
       
       16 Jul 2026
       
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