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       # taz.de -- Machtkampf in der AfD in NRW eskaliert: Hier wird gefilibustert und blockiert
       
       > Der eskalierte Machtkampf in NRW zeigt, wie heftig das Hauen und Stechen
       > in der extrem rechten Partei noch immer ist. Auch Weidel steht in der
       > Kritik.
       
   IMG Bild: Organisierte offenbar Blockaden via Telegram und Saalmikro: Rechtsextremist Matthias Helferich beim AfD-Landesparteitag NRW
       
       Ein Stinkefinger zeigender Bundestagsabgeordneter, gegenseitige
       Bezichtigungen als „Kameradenschweine“, mutmaßliche Handgreiflichkeiten,
       Strafanzeigen und eine komplett blockierte Listenaufstellung für die
       Landtagswahl in [1][Nordrhein-Westfalen] im Jahr 2027: Das ist die
       Kurzbilanz vom ersten Wochenende der Listenaufstellung im chronisch
       zerstrittenen Landesverband der AfD Nordrhein-Westfalen.
       
       Die Listenaufstellung lief zunächst recht geräuschlos an. Der sich für
       AfD-Verhältnisse [2][gemäßigt gebende Landeschef Martin Vincentz] – Typ
       TV-Arzt, aber halt rechtsradikal – wurde als Spitzenkandidat bestätigt.
       Nach ein paar Kampfkandidaturen zeichnete sich ab, dass seine Mehrheit von
       rund 55 Prozent recht stabil war. Sein Lager war gewillt, die eigenen
       Kandidaten konsequent durchzubringen und die [3][vom verfeindeten Lager um
       den völkisch-nationalistischen Matthias Helferich], bekannt als
       „freundliches Gesicht des NS“, allesamt durchfallen zu lassen. Dessen
       Kandidaten kamen zumeist auf lediglich rund 40 Prozent.
       
       Ab Listenplatz 22 setzte das Helferich-Lager schließlich auf eine
       Blockadestrategie, um Verhandlungen über die restlichen aussichtsreichen
       Listenplätze zu erzwingen. Das Helferich-Lager schlug für den Listenplatz
       22 kurzum über 100 Kandidaten vor, häufig junge Nachwuchsradikale, denen
       allesamt 8 Minuten Redezeit zustanden. So konnte am Sonntag nur ein
       einziger Listenplatz gewählt werden. Der Parteitag wird dieses Wochenende
       fortgesetzt, insgesamt will die AfD 80 Kandidaten aufstellen.
       
       Die Blockaden wurden minutiös über eine Chatgruppe koordiniert. Der taz
       liegen Screenshots der internen Telegram-Gruppe des Helferich-Lagers mit
       den Namen „Operation Filibuster“ vor. Mit dem sogenannten „Filibustern“
       (oder auch Ermüdungsreden) zögern Minderheiten im US-Senat politische
       Entscheidungen oder Gesetze durch endloses Reden hinaus.
       
       ## „KI-Reden gibt es bei mir!“
       
       Neben Helferich ist auch der als Vertrauter von Parteichefin Alice Weidel
       geltende Vizeparteichef Sven Tritschler Mitglied der Gruppe. Dieser hatte
       die Chatgruppe für die Blockaden als Admin selbst erstellt. Im Chat trugen
       die Mitglieder Namenslisten für Kandidaturen zusammen, ein
       Landtagsabgeordneter schreibt: „KI-Reden gibt es bei mir!“ Ein Mitarbeiter
       eines Bundestagsabgeordneten: „Es ist wichtig, dass alle Kandidaten die 8
       Minuten Redezeit auch ausschöpfen.“ Ein anderer schreibt: „Bitte langsam
       zur Bühne, langsam reden, Sprechpausen machen.“
       
       Die Gruppenmitglieder haben sichtlich Spaß an ihrer Blockade, machen sich
       in heimlich aufgenommenen Fotos über ihren gestressten Landeschef Vincentz
       lustig, teilen schadenfrohe Memes. Am Ende wird der Parteitag spätabends
       nach nur einem Listenplatz unterbrochen. Am nächsten Tag schreibt der
       Weidel-Vertraute Tritschler in die Gruppe: „Jetzt mobilisieren für Freitag.
       Die Schattenarmee muss stehen, egal was passiert“. Vorab verbreitete er
       schon mal Vorlagen für schriftliche Kandidaturen in Abwesenheit – für noch
       mehr Kandidaten. Am Freitag könnte die Blockade also offenbar weitergehen.
       
       ## Weidel und Chrupalla im Kreuzfeuer
       
       Längst strahlt der Konflikt auch auf die Bundesebene aus. Nach der Blockade
       rief der AfD-Bundesvorstand die Konfliktparteien am Montag zur Mäßigung auf
       und stieß ein Mediationsverfahren an. In einem gemeinsamen Zitat sagten
       Weidel und Chrupalla: „Wir appellieren an alle Teile der Partei, sich
       entsprechend professionell zu verhalten und nicht zu spalten.“
       
       Blöd nur, dass Weidel selbst in den Fokus der Kritik rückte – eben, weil
       sie eng mit Tritschler vernetzt sein soll, der die Blockaden orchestrierte.
       Ebenfalls kursieren Screenshots aus einer Chatgruppe des Vincentz-Lagers,
       in der das Gerücht kolportiert wird, dass Tritschler das Vorgehen mit
       „Alice Merkel“ abgestimmt habe. Auf taz-Anfrage gibt es dazu bislang keine
       Antwort von Weidel.
       
       Klar aber ist: Die vom Bundesvorstand angestrebte Mediation scheiterte
       bereits am Mittwoch kurz nach Beginn. Landeschef Vincentz habe das Gespräch
       mit einem Mediator im Landtag nach nur zehn Minuten abgebrochen – wohl auch
       weil Tritschler dabei und dessen Rolle bei der Blockade bekannt war.
       Vincentz beschimpfte Tritschler anschließend in einem Schreiben an den
       Bundesvorstand als „verzichtbaren Erfüllungsgehilfen“ für die „Destruktion“
       des Helferich-Lagers.
       
       Tritschler wollte sich auf taz-Anfrage nicht zu seiner Rolle in der
       Chatgruppe äußern, warf aber seinerseits Vincentz „katastrophales
       Führungsversagen“ vor.
       
       16 Jul 2026
       
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