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       # taz.de -- Argentinien steht im Finale: Party mit Protestnote
       
       > In Argentinien wird nicht nur der Halbfinalsieg über England gefeiert.
       > Bejubelt werden auch die Spieler, die mit einem Laken eine politische
       > Botschaft senden.
       
   IMG Bild: Territoriale Ansprüche nach einem argentinischen Fußballsieg: die Falklandinseln, so steht es auf dem Laken, seien argentinisch
       
       Argentinien jubelt. Kaum war in Atlanta der Schlusspfiff im Halbfinalspiel
       gegen England ertönt, strömten die Menschen zu Zehntausenden auf die
       Straßen und Plätze in ganz Argentinien. Die größte Menschenmenge
       versammelte sich rund um den Obelisken auf der breiten Avenida 9 de Julio
       im Zentrum von Buenos Aires, auf der bis in die Nacht der Einzug ins Finale
       gefeiert wurde. „Ein Sieg für die Ewigkeit“, titelte die argentinische
       Tageszeitung La Nación.
       
       [1][Argentinien besiegte England im Stadion von Atlanta mit 2:1] und
       verteidigt nun seinen Titel gegen Spanien. In einem hart umkämpften Spiel
       drehte die argentinische Mannschaft in der Schlussphase die Partie und
       sicherte sich innerhalb von sieben Minuten durch ein Traumtor von Enzo
       Fernández und einen Kopfballtreffer von Lautaro Martínez in der
       Nachspielzeit den Sieg. Es war der zweite WM-Erfolg einer argentinischen
       Mannschaft gegen England nach regulärer Spielzeit, nach dem legendären 2:1
       bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko.
       
       Nicht nur das identische Endergebnis wie 1986 ließ bei vielen Fans
       Erinnerungen [2][an Diego Maradona] wach werden. „Als ich erfahren habe,
       dass wir im selben dunkelblauen Trikot wie damals spielen würden, wusste
       ich, dass wir gewinnen“, sagte ein Anhänger. „Damals war es Diego mit
       seinen zwei unvergesslichen Toren, heute war es Messi, der beide Treffer
       vorbereitet hat.“
       
       Neben der Euphorie war vielerorts vor allem Erleichterung zu spüren. Der
       1:0-Rückstand war erst in den letzten Minuten noch gedreht worden. „Sie
       haben sich zurückgezogen, sie haben Angst bekommen, und das hat
       Argentiniens Selbstvertrauen gestärkt“, rief ein älterer Fan in der Menge.
       Ein Herzschlagfinale wie bereits in den K.-o.-Spielen gegen Kap Verde,
       Ägypten und die Schweiz war es trotzdem. „Ich weiß nicht, ob meine Nerven
       auch das Finale am Sonntag aushalten“, fügte er lachend hinzu. Die
       Zittersiege haben sogar den Spitznamen der Mannschaft verändert: Aus der
       „Scaloneta“ ist für viele Fans inzwischen die „Infartoneta“ geworden – die
       „Herzinfarkt-Mannschaft“.
       
       ## Nationaltrainer Scaloni beschwichtigt
       
       „El que no salta es un inglés – Wer nicht hüpft, ist ein Engländer“ war der
       ständig wiederholte Schlachtruf. Bei diesem Ritual denken in Argentinien
       alle an den Krieg um die Falkland-/Malwinen-Inseln im Südatlantik im April
       1982. Auch wenn Nationaltrainer Lionel Scaloni mit den Worten „Es ist nur
       ein Fußballspiel und nicht mehr“ die Richtung vorgeben wollte, war die
       Brisanz der Partie gegen England seit Tagen vor und nach dem Spiel zu
       spüren. So auch bei Cristina Kirchner. Die unter Hausarrest stehende
       Ex-Präsidentin (2007-2015) zeigte sich nach dem Spiel auf dem Balkon vor
       der Silhouette der Malwinen mit dem Schriftzug „Son Argentinas“, die auf
       die Fassade ihres Hauses projiziert wurde.
       
       Dass einige argentinische Spieler nach der Partie auf dem Spielfeld ein
       Laken mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas – Die Malwinen
       gehören Argentinien“ auf dem Spielfeld ausbreiteten, wurde am Río de la
       Plata von nicht wenigen lautstark gefeiert. Die Protestnoten aus London
       dürften nicht lange auf sich warten lassen. Die Fifa hatte vor der Partie
       vor Spruchbändern und Transparenten mit politischen Aussagen gewarnt.
       
       Mit einer kuriosen Erklärung an die „British Embassy’s Community Manager“
       versuchte ebenso die britische Botschaft in Buenos Aires für Entspannung zu
       sorgen. Sollte England gewinnen, lautet die Anweisung: „Elegant feiern und
       Punkt.“ Gewinnt Argentinien, soll der Community Manager „dem Sieger
       gratulieren, ihm viel Glück im Finale wünschen und keine nicht
       existierenden Verschwörungstheorien verbreiten.“ Memes sind erlaubt,
       [3][heißt es im Dokument] „Der Ofen ist noch nicht vorgeheizt.“
       
       Dass ausgerechnet jetzt ein britisches Kriegsschiff in den Gewässern um die
       Inseln unterwegs ist, kommt beiden Seiten ungelegen. Nach Auffassung des
       argentinischen Außenministeriums habe das Schiff gegenseitige Absprachen
       verletzt, weshalb schon am 13. Juli eine diplomatische Protestnote an die
       britische Botschaft übermittelt worden sei. Nach dem Abpfiff in Atlanta
       legte Außenminister Pablo Quirno nach. Argentinien habe seine „schärfste
       Ablehnung“ der „nicht abgesprochenen und illegalen“ Durchfahrt der „HMS
       Medway“ durch argentinische Gewässer ausgedrückt, teilte Quirno mit.
       
       16 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Jürgen Vogt
       
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