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       # taz.de -- WM-Niederlage gegen Argentinien: Der englische Sündenbock
       
       > Dank Trainer Thomas Tuchel stand England kurz vor dem größten Erfolg seit
       > 60 Jahren. Seine Wechsel gegen Argentinien lösen einen Sturm der Kritik
       > aus.
       
   IMG Bild: Besorgt: Tuchel sieht in der englischen Abwehr zu große Lücken
       
       Was für eine Geschichte hätte das sein können! Fast zu kitschig, um wahr zu
       sein. 60 Jahre nach dem Wembley-Finale. 60 Jahre nach diesem legendären
       Spiel, diesem legendären Tor. Nach 60 Jahren „of hurt“ stehen die Three
       Lions wieder im WM-Finale. Und ausgerechnet ein Deutscher führt sie
       dorthin: [1][Thomas Tuchel]. Für viele englische Fans wäre wohl nur ein
       Schotte als Nationaltrainer schlimmer gewesen. Aber in der Not frisst der
       Teufel Fliegen. Über allem schwebte zumindest vor dieser WM noch Gary
       Linekers berühmter Satz: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen
       90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“
       
       Und dann war da noch Pelé, der einst sagte: „Die Engländer haben den
       Fußball erfunden, aber sie haben vergessen, wie man gewinnt.“ Genau deshalb
       hätte es perfekt gepasst: Ausgerechnet ein Deutscher bringt den Engländern
       das Gewinnen bei. Führt sie zurück ins WM-Finale und tritt in die
       Fußstapfen des legendären Sir Alf Ramsey. Und lange sah es so aus.
       [2][Genauer gesagt bis zur 85. Spielminute.] Bis Enzo Fernández den Ball
       aus 20 Metern zum 1:1-Ausgleich in die Maschen hämmerte. Fünf Minuten
       später war es vorbei: Flanke Messi, Kopfball Lautaro Martínez – England
       raus. Oh dear.
       
       Plötzlich war alles klar: Pelé hatte recht. Tuchel hat vergessen, wie man
       gewinnt. Lineker scherzte nach der Partie: „Ich frage mich, ob Thomas
       Tuchel ein deutscher Spion ist – ob wir von Deutschland unterwandert
       wurden.“ Tuchel hatte sich vercoacht. Nach dem 1:0-Führungstreffer stellte
       England das Fußballspielen ein, und Tuchel brachte drei Verteidiger. Die
       Mission: die knappe Führung über die Zeit retten. Das Ergebnis: England ist
       draußen. Und Tuchel? Vom gefeierten Hoffnungsträger wird er zum Sündenbock.
       
       Eben noch schien er das Team ins Finale zu dirigieren, nach dem die
       englischen Fans sich seit Jahrzehnten sehnen. Minuten später sind alle
       Hoffnungen zerstört. Tuchel ist nicht mehr der Erlöser, sondern der
       Feigling der Nation. Es wird in den Medien sogar diskutiert, ob man ihn vor
       der Heim-EM 2028 entlassen sollte.
       
       Was als kitschige Fußballgeschichte hätte enden können, wurde zum
       Horrordrama. Es sei denn, Tuchel bringt den Fußball bei der Heim-EM 2028
       doch noch nach Hause. Aber mal ehrlich: Wer außer Tuchel glaubt da noch
       dran?
       
       16 Jul 2026
       
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   DIR Rico Setz
       
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