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       # taz.de -- Kliniken im Klimawandel: Es krankt am Hitzeschutz
       
       > Die Kliniken sind auf Rekordtemperaturen nicht vorbereitet. Überall fehlt
       > es an Klimaanlagen und Hitzeschutzkonzepten – und natürlich fehlt auch
       > das Geld.
       
   IMG Bild: Große Fensterflächen, keine Klimaanlage: Krankenhäuser in Deutschland sind schlecht gerüstet gegen Extremhitze
       
       Die jüngste Hitzewelle im Juni, mit tagelangen Rekordtemperaturen von über
       40 Grad und [1][tausenden hitzebedingten Todesfällen], hat offenbar werden
       lassen: Gerade der Gesundheitssektor ist den Herausforderungen des
       Klimawandels nicht gewachsen. Viele Notaufnahmen und auch der
       Rettungsdienst waren extrem belastet. Krankenhäuser kämpften mit extrem
       aufgeheizten Behandlungsräumen und Stationen, [2][weil Klimaanlagen eher
       die Ausnahme als der Standard] sind.
       
       Dass jetzt fast ausschließlich über flächendeckende Innenraumkühlung
       gesprochen werde, sei aber kurzsichtig und eine reine Krisenreaktion, sagt
       Andrea Narkoinz von Verein Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. In
       jedem Fall, so Narkoinz, sei es kein schlüssiges Konzept – auch, weil eine
       derartige Klimatisierung nicht von heute auf morgen implementierbar wäre.
       „Das sind Investitionen, die Milliarden kosten werden und bis zur Umsetzung
       viele Jahre dauern.“ Gleichzeitig würden „Gesetze beschlossen, die die
       ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung einschränken. Das ist auch
       kommunikativ schlecht: Natürlich versteht das kein Mensch.“
       
       Joachim Odenbach, Pressesprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft,
       spricht von einem erheblichen baulichen Nachholbedarf. „Allein für den
       Klimaschutz wären 31 Milliarden Euro dringend erforderlich, der allgemeine
       Investitionsbedarf liegt insgesamt bei etwa 8 Milliarden Euro jährlich.
       Davon wird aktuell etwa die Hälfte abgedeckt. Das bedeutet, es gibt einen
       jährlichen Investitionsstau von 4 Milliarden Euro.“
       
       Was die Zukunft anbelangt, ist Odenbach nicht sehr zuversichtlich. Zwar
       stehe Geld aus dem Transformationsfonds und dem Sondervermögen Klimaschutz
       zur Verfügung, „aber es ist in der aktuellen politischen Lage gar nicht
       klar, welche Krankenhäuser überhaupt überleben werden“. Die Unsicherheiten
       der im März beschlossenen [3][umstrittenen Klinikreform], die einen Abbau
       von kleineren Häusern zum Kernziel hat, wirkten sich negativ auf die
       Investitionsbereitschaft aus.
       
       ## Hitzeschutz spielte in den 80er Jahren keine Rolle
       
       Dass es den erheblichen Investitionsbedarf gibt, liegt auch daran, dass
       über Jahrzehnte beim Entwurf neuer Häuser der Hitzeschutz überhaupt keine
       Rolle spielte. Die Bestandskrankenhäuser aus den 80er Jahren sind kaum
       hitzeresistent, und der Trend, ab den 90er Jahren mit großflächigen
       Verglasungen zu arbeiten, erweist sich jetzt als Hypothek. Obendrein steht
       ein erheblicher Teil der Gebäude unter Denkmalschutz, auch das eine Hürde.
       
       Und all diese Herausforderungen treffen auf Kliniken, die ohnehin in einer
       wirtschaftlich schwierigen Lage sind: „Neben den fehlenden
       Investitionskosten haben wir ja auch große Kürzungen bei der Finanzierung
       der Betriebskosten“, sagt Odenbach – also jenen Kosten, die durch
       Behandlungen entstehen. Besonders dramatisch sei die Lage bei den
       kommunalen und freigemeinnützigen Häusern, die ein Drittel aller deutschen
       Kliniken ausmachen.
       
       Allein in kommunalen Kliniken, also einem Drittel aller Krankenhäuser, habe
       sich in den vergangenen Jahren ein Defizit von 4 bis 5 Milliarden Euro
       angehäuft. „Wir haben insgesamt die heikle Situation, dass sich Bund und
       Länder die Verantwortung bei der Finanzierung hin- und herschieben“, sagt
       Odenbach.
       
       ## Begrünung, Verschattung, Dämmung
       
       Diese ganzen Unsicherheiten führen dazu, dass komplexe Investitionen wie
       Hitzeschutz häufiger unter den Tisch fielen. Denn: „Da geht es nicht allein
       um Klimatisierung, sondern auch um Begrünung, Verschattung und Dämmung zum
       Beispiel“, erklärt Odenbach. Und Klimawandelanpassung betreffe auch nicht
       allein die Krankenhäuser. Die seien vielmehr „das letzte Glied in der
       Kette. Gesundheitsschutz muss schon in der Stadtentwicklung beginnen,
       mindestens aber in den Pflegeheimen“.
       
       Das sieht auch Narkoinz so. „Das Problem ist: Wir denken noch zu oft in
       Silos. Wir trennen Katastrophenschutz, Gesundheitsschutz und
       Stadtentwicklung, aber diese Bereiche gehören zusammen.“
       
       Hitzeschutzpläne allein könnten die Notlage nicht ausgleichen, denn sie
       seien vor allem für zwei Dinge da: um Krisen zu verzögern und um
       Katastrophen zu verhindern. Für die Krankenhäuser heißt das: „Wir müssen
       den Hitzeschutz als Prozess denken und nicht als Notfallmaßnahme“, sagt
       Narkoinz. „Wir müssen langfristig und nachhaltig dazulernen und das
       bedeutet, das in den Häusern Hitzeschutz strategisch verankert werden
       muss.“ Konkret brauche es mehr Stellen, die für das Thema zuständig seien
       und Weisungsbefugnis haben. „Es gibt nicht die eine passgenaue Lösung, aber
       anpassungsfähige Systeme. Da müssen wir hin.“
       
       Von der – weitgehend ausgebliebenen – Reaktion auf die Hitzewelle seitens
       der Bundespolitik zeigt sich Narkoinz enttäuscht. „Ich hätte nicht
       erwartet, dass die Bundesregierung einfach so tut, als wäre nichts.“ In
       seiner [4][Regierungserklärung eine Woche nach der Hitzewelle] ging
       Bundeskanzler Friedrich Merz über Wirtschaft, die Rentenreform und den
       Krieg in der Ukraine – den Kimawandel erwähnte er nicht.
       
       17 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Tausende-Tote-nach-Hitzewelle-Ende-Juni/!6196492
   DIR [2] https://www1.wdr.de/nrw/aachen-eifel/staedteregion-aachen/hitzewelle-kliniken-eschweiler-tote-100.html
   DIR [3] /Bundestag-verabschiedet-Klinikreform/!6160528
   DIR [4] /Regierungserklaerung-von-Merz/!6194714
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Frédéric Valin
       
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