# taz.de -- Deutsch-französische Beziehungen: Darum geht es bei dem Treffen zwischen Merz und Macron
> Deutschlands Kanzler und Frankreichs Präsident treffen sich zu
> Regierungsgesprächen in der Nähe von Köln. Ein großes Thema ist die
> Zusammenarbeit bei der atomaren Aufrüstung.
IMG Bild: Zunächst tagt der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat unter Leitung von Merz und Macron
dpa | [1][Gemeinsame nukleare Abschreckung], engere Kooperation bei
Künstlicher Intelligenz, Satelliten und in der Handelspolitik: Deutschland
und Frankreich wollen heute mit ihren Regierungsgesprächen in der Nähe von
Köln neuen Schwung in ihre zuletzt schwierigen Beziehungen bringen.
Die Zusammenarbeit beider Länder müsse weiter ausgebaut und der
strategische Aufbruch Europas beschleunigt werden, sagte der französische
Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend nach seiner Ankunft in
Deutschland. Auf Schloss Bensberg kam er mit Bundeskanzler Friedrich Merz
zusammen, um das Regierungstreffen vorzubereiten.
## Vom Militärflugplatz ins Schloss
Heute Morgen tagt zunächst der deutsch-französische Verteidigungs- und
Sicherheitsrat unter Leitung von Merz und Macron auf dem Fliegerhorst
Nörvenich. Anschließend kommt der sogenannte Ministerrat auf Schloss
Augustusburg in Brühl zusammen. An den Beratungen nehmen auf beiden Seiten
Minister und Staatssekretäre aus zehn Ressorts teil.
Das Rokokoschloss aus dem 18. Jahrhundert ist ein historisch bedeutender
Ort für die deutsch-französischen Beziehungen. Dort schlug 1962 der
damalige französische Präsident Charles de Gaulle dem Kanzler Konrad
Adenauer einen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag vor, der 1963 im
Pariser Élysée-Palast unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag sei bis heute
„die Basis für unsere Arbeit“, sagte Merz bei der Ankunft Macrons.
## FCAS-Pleite war Rückschlag für strategische Zusammenarbeit
Zuletzt holperte es allerdings in den deutsch-französischen Beziehungen –
vor allem wegen des weitgehenden [2][Scheiterns des milliardenschweren
Kampfjet-Projekts FCAS]. Heute soll geklärt werden, was davon noch zu
retten ist. Die Entwicklung einer sogenannten Combat Cloud, eines Systems
zur Vernetzung von Waffensystemen, soll fortgeführt werden.
Daneben wollen beide Länder ein weiteres wichtiges Verteidigungsprojekt
vorantreiben: Die Partnerschaft bei der nuklearen Abschreckung auf
Grundlage des französischen Atomwaffenarsenals, die Merz und Macron im März
vereinbart hatten. Eine erste gemeinsame Luftwaffenübung von französischen
Rafale- und deutschen Eurofighter-Kampfjets zur Betankung in der Luft fand
bereits am Donnerstag statt. Die Rafale-Jets sind darauf ausgelegt,
[3][Atomwaffen] einzusetzen. Auf dem Flugplatz Nörvenich werden sich Macron
und Merz die Jets gemeinsamen anschauen.
## Was kommt nach Macron?
Für Macron ist es wohl der letzte deutsch-französische Ministerrat. Im
nächsten Frühjahr findet in Frankreich die Präsidentschaftswahl statt, bei
der er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antritt. Was danach kommt, ist
völlig offen.
Umfragen sehen die Rechtspopulistin [4][Marine Le Pen] in der ersten Runde
seit Langem vorne. Und nach der jüngsten Umfrage des Instituts Ifop, die
nach der Ankündigung von Le Pens Kandidatur trotz einer Verurteilung vor
Gericht erhoben wurde, kann Le Pen auch die zweite Runde gewinnen und
Präsidentin werden, ganz egal welche Kandidaten die übrigen politischen
Lager am Ende ins Rennen schicken.
Sollte das tatsächlich so kommen, würde der innerhalb der EU wichtige
deutsch-französische Motor sicher an Fahrt verlieren. Statt auf eine enge
Integration in Europa setzt Le Pen auf nationale Souveränität und steht der
EU zumindest skeptisch gegenüber. Wichtige deutsch-französische
Rüstungsvorhaben könnten ausgebremst werden und Meinungsverschiedenheiten
zunehmen.
## Macron sieht Festigung der Beziehungen
Auch deswegen wollen Merz und Macron in den letzten Monaten noch möglichst
viel gemeinsam zustande bringen. Er freue sich, mit dem französischen
Kabinett in Deutschland zu Gast zu sein, sagte Macron bei seiner Ankunft
auf Schloss Bensberg. „In dieser Zeit, die von einem strategischen Aufbruch
Europas geprägt ist, aber auch die Festigung dieses deutsch-französischen
Zusammenwirkens bedeutet.“
17 Jul 2026
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