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       # taz.de -- Stadtplanerin über Hitzeschutz: „Hitzeschutz ist Daseinsvorsorge“
       
       > Woran hakt der Hitzeschutz in den Kommunen? Es mangelt nicht an Willen,
       > sondern an Geld, sagt Lara Möller vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.
       
   IMG Bild: Tropfen auf den heißen Stein: ein öffentlicher Trinkbrunnen
       
       taz: Frau Möller, nach der jüngsten Hitzewelle im Juni mit Tausenden
       hitzebedingten Todesfällen haben viele auf die Kommunen gezeigt und gesagt:
       Warum ist bisher so wenig passiert in Sachen hitzeresilienten Stadtumbaus.
       Zurecht? 
       
       Lara Möller: Viele Kommunen investieren bereits intensiv in Klimaanpassung
       und Hitzeschutz. Gleichzeitig stoßen viele Städte und Gemeinden an ihre
       finanziellen Grenzen. Wir hatten ein [1][Finanzierungsdefizit von 31,9
       Milliarden Euro] im Jahr 2025. Gleichzeitig ist der Investitionsrückstand
       auf den Rekordwert von 231,2 Milliarden Euro angewachsen. Viele notwendige
       Maßnahmen lassen sich so nur schrittweise umsetzen.
       
       taz: Im Herbst hat die Bundesregierung ein 500 Milliarden schweres
       Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität beschlossen, 100
       Milliarden gehen direkt an die Kommunen. 
       
       Möller: Das Sondervermögen eröffnet wichtige Spielräume für Investitionen
       in den Kommunen. Gleichzeitig sehen wir die jüngste Diskussion über
       [2][Kürzungen beim Klima- und Transformationsfonds] mit Sorge. Gerade
       darüber werden viele Maßnahmen finanziert, die Städte und Gemeinden
       umsetzen – von der energetischen Sanierung kommunaler Gebäude über die
       kommunale Wärmeplanung bis hin zu Klimaanpassungsmaßnahmen wie Begrünung
       und Entsiegelung. Deshalb setzen wir uns seit Jahren dafür ein, eine
       Gemeinschaftsaufgabe für Klimaschutz und Klimaanpassung im Grundgesetz zu
       verankern.
       
       taz: Was hieße das genau? 
       
       Möller: Eine Gemeinschaftsaufgabe für Klimaschutz und Klimaanpassung würde
       bedeuten, dass Bund und Länder die Kommunen dauerhaft bei diesen Aufgaben
       unterstützen. Das gibt es auch schon, zum Beispiel mit der
       Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des
       Küstenschutzes“. Dafür wäre allerdings eine Grundgesetzänderung mit einer
       Zweidrittelmehrheit im Bundestag erforderlich.
       
       taz: Das Grundgesetz ändern – selbst, wenn die Union in der Koalition
       mitziehen sollte, haben wir so viel Zeit?
       
       Möller: Dass die Bundesregierung den Prüfauftrag aus dem Koalitionsvertrag
       nun konkret aufgreifen will, ist ein wichtiges Signal.
       
       taz: Mag sein. Aber nochmal: Klimaexpert*innen warnen vor häufigeren
       Hitzewellen mit immer höheren Spitzentemperaturen bei steigenden
       Durchschnittstemperaturen. Wie reagieren die Städte und Kommunen? 
       
       Möller: Viele Kommunen handeln bereits. Sie entsiegeln Flächen, pflanzen
       zusätzliche Bäume, schaffen Trinkbrunnen oder entwickeln Hitzeaktionspläne.
       Natürlich benötigen größere Umbaumaßnahmen Zeit.
       
       taz: Ein grüner Stadtumbau scheitert häufig auch am Widerstand von
       Anwohner*innen und Gewerbetreibenden, die um Parkflächen fürchten. Wie
       schafft man mehr Akzeptanz? 
       
       Möller: Viele Beispiele zeigen, dass klimaangepasste Innenstädte die
       Aufenthaltsqualität erhöhen und auch für den lokalen Einzelhandel attraktiv
       sein können. Aber natürlich gibt es Nutzungskonflikte. Insbesondere der
       Wohnungsbau steht angesichts des angespannten Wohnungsmarktes derzeit im
       Mittelpunkt. Das zeigt etwa das im Baugesetzbuch vorgesehene überragende
       öffentliche Interesse für den Wohnungsbau. Umso wichtiger wird es sein, in
       den kommenden Jahren Ausgleichsflächen zu schaffen. Dafür benötigen die
       Kommunen allerdings eine ausreichende Finanzierung.
       
       taz: Da wären wir wieder beim Thema Gemeinschaftsaufgabe. 
       
       Möller: Ja, genau. Gerade auf kommunaler Ebene erleben die Menschen ganz
       unmittelbar, wie der Staat auf die [3][Folgen des Klimawandels reagiert].
       Hitzeschutz ist deshalb keine abstrakte Zukunftsaufgabe, sondern Teil der
       kommunalen Daseinsvorsorge. Damit die Kommunen diese Aufgabe dauerhaft
       erfüllen können, brauchen sie Planungs- und Finanzierungssicherheit.
       
       20 Jul 2026
       
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