# taz.de -- Danger Dan und Igor Levit: Das hier kannst du tun
> „Keine Angst“ von Danger Dan klingt wie eine niedrigschwellige
> Gebrauchsanleitung gegen den erstarkenden Faschismus. Geht das zu weit?
> Muss nicht sein.
IMG Bild: Rapper Danger Dan: Mit der Absage hat das ZDF seinem Lied „Keine Angst“ unfreiwillig zu großer Popularität verholfen
„Was keiner sagen will“, titelte die Wochenzeitung Die Zeit Anfang Juli.
Darunter ein Foto von Alice Weidel und Tino Chrupalla, mit
Deutschlandfähnchen beim AfD-Parteitag in Erfurt. Während „die etablierten
Parteien“ ihr keine Aufmerksamkeit verschaffen wollten, bereite die AfD
schon ihre Machtübernahme vor, hieß es darunter. Das kann Angst machen.
Hilflos. Lähmen.
Jetzt hat jemand etwas gesagt. Gesungen vielmehr. Und das sehr klar, sehr
deutlich. „Keine Angst“ heißt das Lied, mit dem der Sänger Danger Dan alias
Daniel Pongratz [1][gerade von einem ZDF-Auftritt ausgeschlossen wurde,
gemeinsam mit dem bekannten Pianisten Igor Levit].
Das Lied klingt wie eine niedrigschwellige Gebrauchsanleitung für genau
das: Was kann ich als Einzelne/r gegen den erstarkenden Faschismus tun?
Keine leeren Phrasen von der Demokratie, für die wir uns alle „starkmachen“
müssen oder die es abstrakt „zu verteidigen“ gilt, kommen darin vor.
Stattdessen eine ganz klare Botschaft: Das hier kannst du tun!
In den 70er Jahren hätte man so etwas „Mut-Mach-Lied“ genannt. Du musst
nicht warten, bis andere etwas tun. Es braucht auch gar keine Parteien oder
Strukturen. Werde selbst aktiv. Fang einfach ganz klein an.
„Wie weit würde ich selber gehen?“, fragt man sich vielleicht beim Zuhören.
Sich mit zwei Freunden zusammentun, reden, eine kleine Party gegen rechts
organisieren, in der Kiezkneipe etwa? Ein bisschen Geld dabei sammeln,
Aufkleber und Flyer drucken lassen? „Eine Handvoll Leute reichen meistens
aus, eigene lokale Antifastrukturen aufzubau’n“ heißt es in dem Stück.
## Ab wann geht es zu weit?
Dafür wird man natürlich noch nicht vom ZDF ausgeladen. Doch dann geht es
weiter: Rechte bei ihren Treffen fotografieren, die Nachbarschaft darüber
informieren, wer Nazi ist. Sticker kleben, Parolen an Häuserwände sprühen.
Auch ein Gruß an „Lina, Gucci, Maja und Nanuk“ ist drin. Hier verlässt man
irgendwann den Boden der Legalität. Aber man muss ja gar nicht. Vielleicht
tut man ganz andere Dinge.
[2][Bei den „Omas gegen Rechts“ mitmachen], etwa. Oder einfach nur Onkel
Helmuts rassistischen Parolen auf der Familienfeier Paroli bieten. Wichtig
ist nur, überhaupt etwas zu tun. Und sich nicht davor zu fürchten.
Mit der Absage hat das ZDF dem Lied jetzt unfreiwillig zu großer
Popularität verholfen. Und etwas Besseres hätte man ihm gar nicht wünschen
können. Denn „Keine Angst“ trägt dazu bei, sich ein klein bisschen weniger
ohnmächtig zu fühlen. Es ist das richtige Lied zur richtigen Zeit.
17 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Gaby Coldewey
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