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       # taz.de -- Queerpolitik in Berlin: Schlagabtausch im Regenbogenring
       
       > In der ersten queeren Wahlarena debattieren die Parteien über ihre
       > Queerpolitik. Am Ende fehlt es an Geld und oft auch an konkreten Plänen.
       
   IMG Bild: Was geht, wenn das Geld nicht reicht? Die Diskutant*innen der queerpolitischen Wahlarena in der Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche
       
       „Natürlich müssen queere Strukturen in Berlin immer verstärkt werden. Und
       ich höre, dass der Senat dafür mitverantwortlich ist“, räumt Finanzsenator
       Stefan Evers (CDU) gleich zu Beginn der „Queeren Wahlarena“ ein. „Doch für
       die nächste Zeit müssen wir Politiker uns intelligente Gedanken machen,
       denn das Geld wird auf keinen Fall mehr.“ Bettina Jarasch (Grüne) schlägt
       zurück: „Intelligent sieht aber ganz anders aus, als das, was ihr seit drei
       Jahren macht.“
       
       Am Donnerstagabend diskutieren vier Parteien, die bei den Wahlen zum
       Abgeordnetenhaus am 20. September antreten, vor rund 300 Zuschauern über
       ihre Queerpolitik. Zur ersten „Queeren Wahlarena“ in der mit einer
       Regenbogenfahne geschmückten Heilig-Kreuz-Kirche haben der Berliner CSD
       e.V., der LSVD-Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg und der
       „Tagesspiegel“ eingeladen.
       
       Rechts im politischen Spektrum, aber links auf der achteckigen Bühne sitzt
       der gerade erst für den – noch – Regierenden Bürgermeister Kai Wegner
       eingesprungene Stefan Evers. In der linken Ecke: Bettina Jarasch, die
       Co-Spitzenkandidatin der Grünen, gegenüber der Landesvorsitzende der
       Linken, Maximilian Schirmer. Dazwischen versucht der SPD-Spitzenkandidat
       Steffen Krach die Haltung seiner Partei in der rot-schwarzen Koalition zu
       verteidigen.
       
       Vor allem im Doppelhaushalt für die Jahre 2026/2027 kam es zu
       [1][drastischen Kürzungen bei queeren Projekten]. Schirmer erkennt darin
       ein Problem bei der Prioritätensetzung. Er kritisierte die Pläne der CDU
       zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum – die einzige Maßnahme, die die
       CDU in ihrem Wahlprogramm an die queere Community richtet.
       
       [2][Die Idee eines Regenbogenhauses] für queere Initiativen und Träger, die
       2023 von der amtierenden Landesregierung ins Leben gerufen wurde,
       unterstützen die beiden Oppositionsvertreter:innen an diesem
       Abend. Ein solches zentrales Angebot solle jedoch neben dezentralen
       Einzelprojekten existieren, so Schirmer. „Und wie soll die Finanzierung
       dafür gehen?“, fragt Evers ihn leicht ironisch. „Lassen wir doch einfach
       [3][die goldene Brücke der Olympier] weg“, pariert Jarasch.
       
       ## Handlungs- und Bildungsbedarf
       
       Schnell wird die Diskussion zu einem Jahresrückblick all dessen, was die
       queere Community in Berlin in der letzten Zeit durchleben musste. Die
       Schließung des legendären Clubs „Schwuz“, die Untätigkeit der
       Bildungssenatorin angesichts der [4][Queerfeindlichkeit gegenüber einem
       Lehrer der Carl-Bolle-Grundschule] und die Zunahme von Übergriffen auf
       queere Menschen. Im Jahr 2025 wurden von der Beratungsstelle Maneo mehr als
       720 queerfeindliche Angriffe erfasst, fast so viele wie der [5][Höchststand
       des Vorjahres] mit 738 Vorfällen.
       
       Lange wird um die Bildung gefeilscht. „Von der Schulleitung meines
       sechsjährigen Sohnes habe ich erfahren, dass es keinerlei Unterrichtspläne
       gibt, in denen von Anfang an über verschiedene Familienmodelle und
       queerfeindliche Diskriminierung gesprochen wird“, sagt Anna, eine
       Zuschauerin, am Publikumsmikrofon. Schon ab der ersten Klasse solle
       vermittelt werden, dass Queerfeindlichkeit keinen Platz hat, entgegnet
       Steffen Krach. Das Thema müsse stärker in die Lehrerausbildung einfließen,
       queere Inhalte müssten im Lehrplan verankert werden, sekundiert Evers.
       
       Dann bringt Evers die Zunahme queerfeindlicher Gewalt mit dem Einfluss des
       islamischen Fundamentalismus unter Minderjährigen in Verbindung. Er fühle
       sich an der Sonnenallee und im Nollendorfkiez immer unsicherer, behauptet
       er. Jarasch unterbricht ihn: „Stefan, [6][warst du schon mal auf der Pride
       in Marzahn] und hast gesehen, wie die Leute einen da angucken?“ Unisono
       heißt es anschließend, dass Queerfeindlichkeit bekämpft werden müsse, egal
       woher sie kommt.
       
       ## „Wir schauen zu viel zu“
       
       Die Diskussionen über die Kürzungen seien manchmal etwas herausfordernd
       gewesen, kommentiert der Vorstand des LSVD-Verbands Queere Vielfalt
       Berlin-Brandenburg, Florian Schwarz-Winkler, im Anschluss an die Debatte
       gegenüber der taz. „Es gab im letzten Jahr zahlreiche Kürzungen, und wir
       mussten hart dafür kämpfen, dass queere Bildung überhaupt erhalten bleibt.“
       Auch bei seinem Verein wurden zwei Projekte gestrichen, das Angebot an
       queerer Bildung konnte sie jedoch noch retten. Wer an diesem Abend am
       besten abgeschnitten hat, möchte er lieber nicht bewerten.
       
       Von der nächsten Regierung erwarte er ein konsequentes Vorgehen gegen
       Queerfeindlichkeit: „Wir schauen viel zu viel zu. Wir können nicht jedes
       Jahr darüber jammern, dass es 800 Straftaten gibt, und einfach so
       weitermachen wie bisher“, so Schwarz-Winkler. Um das zu ändern, brauche es
       eine bessere Ausstattung, mehr Ressourcen und vor allem: mehr Geld.
       
       17 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.siegessaeule.de/magazin/berliner-haushaltskuerzungen-queer-auf-sparflamme/
   DIR [2] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/regenbogenhaus-fur-berlin-schwarz-rot-will-schnell-neues-queeres-zentrum-einrichten-9955392.html
   DIR [3] https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2026/05/berlin-olympia-bewerbung-konzept-eroeffnung-tempelhofer-feld.html
   DIR [4] /Queerfeindlichkeit-in-Schulen/!6118803
   DIR [5] https://www.tagesspiegel.de/berlin/beratungsstelle-maneo-veroffentlicht-report-neuer-hochststand--738-angriffe-auf-queere-menschen-in-berlin-registriert-13638310.html
   DIR [6] /Pride-Parade-in-Marzahn/!6188329
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gabrielle Meton
       
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