# taz.de -- Treffen von Merz und Macron: Gemeinsame Nuklearübungen mit Frankreich vereinbart
> Erstmals sollen Deutschland und Frankreich bei der nuklearen Abschreckung
> kooperieren. Auch im Umgang mit China will man zusammenarbeiten.
IMG Bild: „Entwicklung eines künftigen Systemverbunds“: Auch das steht in der Abschlusserklärung von Macron und Merz
afp | Deutschland und Frankreich haben bei der Sitzung des gemeinsamen
Sicherheits- und Verteidigungsrats einen historischen Schritt hin zu einer
gemeinsamen nuklearen Abschreckung vereinbart. Die Bundeswehr werde sich
erstmals an einer französischen Nuklearübung beteiligen, hieß es in der
nach der Sitzung am Freitag veröffentlichten Abschlusserklärung.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte zudem an, zentrale Bestandteile
des gescheiterten FCAS-Projekts in einem anderen Rahmen fortzuführen.
Zugleich verständigten sich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
offenbar auf einen schärferen gemeinsamen Kurs gegenüber China.
Zur neuen [1][nuklearen Zusammenarbeit] zwischen Deutschland und Frankreich
sagte Merz nach den Beratungen: „Wir schlagen in der Abschreckung einen
neuen gemeinsamen Weg ein.“ Dazu gehöre, dass sich „die konventionellen
deutschen Kräfte noch in diesem Jahr an einer nuklearen Übung der
französischen Streitkräfte beteiligen“. Die Verlegung französischer
Rafale-Kampfjets nach Nörvenich sei ein „erster operativer Schritt der
strategischen Zusammenarbeit“, heißt es in der Abschlusserklärung.
„In der neu geschaffenen strategischen Steuerungsgruppe durchdenken wir,
mit welchem Mix an Fähigkeiten wir unsere gemeinsame Abschreckung in
Zukunft weiter steigern“, fügte Merz an. Die [2][deutsche Beteiligung an
der Übung] sei „komplementär zu unserer nuklearen Teilhabe und der
Abschreckung in der Nato, an der wir festhalten“. Die Kooperation solle die
Nato-Abschreckung, deren bisheriges Herzstück die Stationierung von
US-Atomsprengköpfen in Europa ist, „ergänzen und nicht ersetzen“.
Macron schloss derweil eine deutsche Beteiligung an den Kosten der
französischen Atomstreitkräfte ausdrücklich aus. Die Zusammenarbeit ziele
„unter keinen Umständen“ auf eine Mitfinanzierung des französischen
Nuklearprogramms, sagte er. „Das französische Atomprogramm wird immer von
Frankreich finanziert.“ Ziel sei vielmehr, die Sicherheit Europas zu
verbessern und bei möglichen Gegnern größere strategische Unsicherheit zu
schaffen.
Merz betonte, über weitere Schritte sei noch nicht entschieden. Eine neu
geschaffene „strategische Steuerungsgruppe“ solle alle strategischen
Optionen erörtern und Vorschläge machen. „Wir gehen hier Schritt für
Schritt vor“, sagte der Kanzler. Die Beratungen könnten in eine neue
Nukleardoktrin münden, es sei aber „viel zu früh“, dies bereits
festzustellen.
Trotz des Aus für den [3][gemeinsam geplanten FCAS-Kampfjet] wollen
Deutschland und Frankreich zudem zentrale Bestandteile des Projekts
weiterführen. „Wir werden zum Beispiel die wichtige Cloud-Lösung aus FCAS
in anderem Rahmen fortführen“, sagte Merz. „FCAS war nie allein ein neues
Kampfflugzeug, sondern war immer ein System.“ Cloud-Umgebung und digitale
Steuerung könnten langfristig sogar wichtiger sein als ein neues Flugzeug.
Die Cloud-Lösung soll eine Plattform zur digitalen Kommunikation unter
anderem zwischen Flugzeugen, Drohnen und anderen Waffensystemen schaffen.
In der Abschlusserklärung des deutsch-französischen Sicherheitsrats ist von
einem „gemeinsamen europäischen Gefechtsstandard“ und der „Entwicklung
eines künftigen Systemverbunds“ die Rede. Dieser soll bemannte
Kampfflugzeuge und unbemannte Fluggeräte, insbesondere Drohnen, miteinander
vernetzen. Ziel sei die „Interoperabilität aller europäischen Luftsysteme“.
Weiter bestätigte Bundeskanzler Merz bei seiner Pressekonferenz mit Macron,
Deutschland werde sich im Herbst an einer französisch initiierten Übung der
sogenannten Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine
beteiligen. „Deutschland wird sich beteiligen. Wir klären gemeinsam, wie
diese Beteiligung dann im Einzelnen aussehen wird“, sagte der Kanzler.
Macron wie Merz gingen zudem auf den Umgang mit China ein. „Ich möchte
keinen neuen Handelskonflikt mit China, aber ich möchte einen offenen
Dialog über diese Ungleichgewichte“, sagte Merz. Hochsubventionierte
Überkapazitäten würden vor allem in den europäischen Markt gedrückt und
gingen „einseitig zu Lasten der Arbeitsplätze in Europa“. Berlin und Paris
fordern deshalb schnellere Schutzmaßnahmen der EU, mehr Produktion und
Technologietransfer in Europa sowie Gespräche über Wechselkurse und den
Zugang zu Chinas Finanzmärkten.
Der französische Präsident sagte, Deutschland und Frankreich seien in
dieser Frage „noch nie so übereinstimmend“ gewesen. Die EU verzeichne
gegenüber China inzwischen ein Handelsdefizit von rund einer Milliarde Euro
pro Tag. Merz bezifferte das jährliche Defizit auf mehr als 300 Milliarden
Dollar und bezeichnete die chinesische Währung als „drastisch
unterbewertet“. Im September sollen Berlin und Paris hierzu demnach eine
gemeinsame Position entwickeln.
Merz erinnerte zudem daran, dass dies für Macron „aller Voraussicht nach“
der letzte deutsch-französische Ministerrat als Präsident gewesen sei. Er
dankte ihm für „das Vertrauen und auch den Elan“, mit dem Macron die
Zusammenarbeit geprägt habe. Für Lobreden sei es jedoch noch zu früh, in
den kommenden Monaten wollten beide das Vereinbarte „mit Schwung umsetzen“.
Mit Blick auf die Kandidatur der Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der
französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr sagte Merz, die
„deutsche Hand“ bleibe unabhängig vom Wahlausgang zur vertieften
Zusammenarbeit ausgestreckt. Macron riet dazu, dem französischen Volk nicht
immer das Schlimmste vorauszusagen und ihm zuzutrauen, „das Beste wollen“
zu können.
17 Jul 2026
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