# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Massiver russischer Raketenangriff auf Kyjiw
> Russland greift die ukrainische Hauptstadt erneut mit ballistischen
> Raketen an. Selenskyj verspricht Entscheidung über Armeeführung.
IMG Bild: Kyjiw: Eine Autobesitzerin betrachtet ihr beschädigtes Auto nach einem russischen Raketenangriff
## Explosionen in Kyjiw
Russland hat in seinem Krieg gegen die Ukraine einen der bisher massivsten
[1][Angriffe mit ballistischen Raketen] auf die Hauptstadt Kyjiw
ausgeführt. Dutzende Explosionen, teils von Flugabwehrraketen, waren in der
Nacht im Zentrum der Dreimillionenstadt zu hören, wie ein Reporter vor Ort
berichtete. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „der massivsten
ballistischen Angriffe auf Kyjiw“ sowie von einem Toten und 16 Verletzten.
„Der Feind hat über 40 Raketen verschiedener Typen abgefeuert, von denen
die meisten auf die Hauptstadt gerichtet waren, sowie 120 Angriffsdrohnen“,
teilte Selenskyj bei Telegram mit. Mehrere Häuser und auch Autos seien
zerstört worden, berichteten die Behörden.
Bürgermeister Vitali Klitschko informierte über Einschläge und Schäden in
mehreren Stadtteilen. Es sei zu Bränden gekommen. Nach Angaben der
ukrainischen Flugabwehr wurden 23 Einschläge von Raketen und 10 von Drohnen
registriert. Demnach wurde ein großer Teil der Flugobjekte zerstört. (dpa)
## Selenskyj: Raketenabwehr hat Priorität
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische
Invasion. Mit westlicher Hilfe, besonders aus Deutschland, wurde die
Flugabwehr modernisiert. Zuletzt klagte Kyjiw jedoch über einen Mangel an
Lenkkörpern für das Flugabwehrsystem Patriot zur [2][Abwehr ballistischer
Raketen].
„Der Schutz vor ballistischen Raketen ist derzeit eine ständige und oberste
Priorität“, sagte Selenskyj. „Abfangraketen werden jeden Tag benötigt.“ Er
rief die Verbündeten des Landes auf, die zugesagten Raketenabwehrsysteme zu
liefern. „Diese Lieferungen bedeuten derzeit buchstäblich gerettete
Menschenleben bei jedem massiven russischen Angriff.“ Insgesamt habe
Russland in dieser Woche etwa 1.450 Drohnen, mehr als 1.640 Gleitbomben und
99 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt. (dpa)
## Russland meldet Angriffe auf Logistikzentren
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in Kyjiw seien ein
großes Logistikzentrum der Post für die Lagerung von Bauteilen für Waffen
sowie mehrere Betriebe für die Produktion von Raketenkomponenten Ziele der
Angriffe gewesen. Im Kyjiwer Gebiet sei ein Zentrum zur Aufbewahrung und
Verteilung von Elementen für die Produktion von weitreichenden Drohnen
getroffen worden. Unabhängig überprüfbar waren diese Angaben nicht.
Auch die Hafeninfrastruktur im Süden am Schwarzen Meer sei erneut
angegriffen worden, teilte das Ministerium in Moskau weiter mit. So seien
im Raum Odessa Anlagen für die Lagerung militärischer Güter sowie von den
Streitkräften genutzte Treibstoffdepots beschossen worden. Die Ukraine
veröffentlicht – wie Russland – keine Informationen zu Schäden an
militärisch genutzten Objekten. (dpa)
## Ukraine: Russische Öltanker im Schwarzen Meer attackiert
Die ukrainischen Streitkräfte haben in der Nacht zum Sonntag nach eigenen
Angaben zwei russische Öltanker im Schwarzen Meer angegriffen. Zudem sei
ein Schwimmkran im Asowschen Meer getroffen worden, teilt der ukrainische
Generalstab mit. Alle drei Ziele seien zur Unterstützung der russischen
Kriegsanstrengungen in der Ukraine genutzt worden, heißt es in der
Erklärung weiter. Die Ukraine hat bei ihren Angriffen auf die russische
Öl-Infrastruktur neben Raffinerien zuletzt auch verstärkt Tanker im
Schwarzen Meer ins Visier genommen. (rtr)
## Tote und Verletzte nach Raketenangriffen auf Odessa
Infolge von russischen Raketenangriffen sind [3][in der südukrainischen
Hafenstadt Odessa] mindestens zwei Menschen getötet worden. Weitere vier
seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur der Region Odessa, Oleh
Kiper, bei Telegram mit. Eine Rakete sei in einem Vergnügungspark
eingeschlagen. Unter den Trümmern von Fischerhäusern könnten noch weitere
Opfer sein. Sechs Autos seien beschädigt worden. Einen weiteren Verletzten
gab es demnach in einem anderen nicht genannten Ort des Gebiets. Dabei
seien auch ein Wohnhaus und zwei Autos beschädigt worden. (dpa)
## Selenskyj verspricht Entscheidungen zur Armee
Vor dem Hintergrund von anhaltenden Protesten gegen die Entlassung von
Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj Gespräche mit Militärs geführt. „Natürlich höre ich,
was die Leute sagen“, versicherte der Staatschef in einer Videoansprache.
Dabei habe er auch „lange“ mit Fedorow und ebenso mit Armeechef Olexander
Syrskyj gesprochen. „Entscheidungen bezüglich der Armee werden
ausgearbeitet“, versprach Selenskyj, ohne Details zu nennen.
Parallel dazu demonstrierten in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw und
anderen Städten den dritten Tag in Folge wieder mehrere Tausend vor allem
junge Menschen gegen Fedorows Entlassung. Die Demonstranten forderten seine
Wiedereinsetzung. Die Hauptforderung war dabei aber inzwischen eine
Ablösung von Armeechef Syrskyj. Ein Konflikt zwischen Syrskyj und Fedorow
gilt als Hintergrund für den von Selenskyj vorgenommenen Wechsel an der
Spitze des Verteidigungsministeriums.
Fedorows Posten hat am Freitag geschäftsführend der Geheimdienstler
Jewhenij Chmara übernommen. Selenskyj muss Chmaras Kandidatur jedoch noch
im Parlament einreichen und ihn von den Abgeordneten bestätigen lassen. Die
Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion.
Syrskyj ist seit Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen
Streitkräfte. Der aus Russland stammende 60-jährige Berufsmilitär hat sich
vor allem bei der Verteidigung von Kyjiw und der erfolgreichen
Gegenoffensive im Raum Charkiw 2022 verdient gemacht. Fedorow leitete das
Verteidigungsministerium seit Januar. Davor stand der 35-Jährige an der
Spitze des 2019 geschaffenen Digitalisierungsministeriums. (dpa)
19 Jul 2026
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