# taz.de -- Sport als Propagandawerkzeug: MAGA unter den Ringen
> Nach der WM steht mit den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles das
> nächste Großevent in den USA an. Die PR-Maschine läuft widerspruchslos
> weiter.
IMG Bild: Die nächste bitte! Nach Gianni Infantino hat nun IOC-Chefin Kirsty Coventry ein Superevent in den USA zu organisieren
Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses, war begeistert. „Das
Dekret von Präsident Donald Trump zum Schutz von Frauensport hat gewirkt!“,
schrieb sie. Gerade hatte das IOC verkündet, dass bei den kommenden Spielen
in Los Angeles keine trans Frauen zugelassen sein werden. Zuvor hatte Trump
das Komitee massiv unter Druck gesetzt: Er werde nicht zulassen, dass trans
Frauen an Olympia 2028 teilnehmen und keine Einreisegenehmigung erteilen.
In den USA dürfen seit 2025 trans Frauen von Wettkämpfen an Schulen und
Hochschulen ausgeschlossen werden. Das olympische und paralympische Komitee
der USA schließen sie nun ebenfalls aus. Das IOC hatte gespurt. Das war
schon sachlich völlig absurd, denn 2024 nahm keine einzige trans Frau an
Olympia teil, auch diesmal hätte es keine gegeben. Es geht um eine
Machtdemonstration.
Nein, die nächste Großveranstaltung in den USA wird wohl nicht besser als
diese. 2028 sind mit Olympia in Los Angeles die nächsten
US-Propagandaspiele dran. 2031 folgt wohl mit der ersten Mammut-WM der
Frauen mit 48 Teams ein weiteres Großturnier. Die Co-Gastgeber Mexiko,
Costa Rica und Jamaika dürften ähnlich unterwürfiges Geleit geben wie
diesmal Kanada und Mexiko.
Mit einer Großoffensive platzieren die USA sich ganz vorn als Gastgeber im
Weltsport. Dabei geht es derzeit um eine Doppelstrategie: Die Vereinigten
Staaten, die global vor allem durch die Trump-Regierung, ICE und den
mutmaßlichen Völkermord in Gaza massiv an Ansehen verloren haben, wollen
erstens ihr Image polieren und sich als Kulturzentrum der Welt inszenieren.
Auch die Dauer-Einblendung von Influencern und Hollywoodstars auf den
Tribünen sendete die Botschaft: Alles wie immer, liebe Welt. Die USA sind
nicht grausam und erst recht nicht am Ende – sie sind cool. Und zweitens
sind die Turniere eben Bühne für (nicht nur) Trumps Machtpolitik.
[1][IOC-Präsidentin Kirsty Coventry] steht dabei unter Druck, einerseits
einen guten Draht zu Trump zu wahren, aber andererseits keinen so glühenden
Draht wie Infantino, [2][der über die Balogun-Affäre nun gar stürzen
könnte]. Die Frau aus Simbabwe ist weit weniger von den USA abhängig als
ihr Fifa-Gegenpart Infantino. Der war ja erst ins Amt gespült worden,
nachdem die US-Justiz mit ihren Korruptionsermittlungen die alte
Fifa-Spitze zu Fall gebracht hatte.
Pikanterweise hat jetzt die Menschenrechtsorganisation FairSquare gegen
Infantino auch beim IOC Beschwerde eingelegt. Eine unangenehme Situation
für das olympische Komitee, zumal vor Olympia in LA. Coventry hat
Infantinos Trump-Nähe zuvor öffentlich verteidigt. Und zu den diversen
US-Verbrechen und Annexionsdrohungen nur zu sagen gewusst, dass politische
Konflikte „nicht in den Zuständigkeitsbereich“ des IOC fallen.
Es dürfte 2028 also erneut keinen Gegenwind geben gegen die erwartbaren
US-Einreiseverbote oder mögliche Wettbewerbsverzerrung bei Ländern, die
nach US-Interesse lieber nichts gewinnen sollen, wie diesmal Iran. Eine
umstrittene Personalie gibt es noch dazu, denn Organisationschef Casey
Wasserman tauchte in den Epstein-Akten auf, wenngleich kein Mitwissen
nachgewiesen ist.
Er blieb im Amt. Von Sportverbänden ist bei alledem wenig zu erwarten. Die
öffentliche Debatte in Deutschland konzentriert sehr viel Aufmerksamkeit
auf Personalfragen wie Infantino, doch im Kapitalismus sind diese „Warum
ist er bloß so unethisch?“-Diskurse auch eine Ersatzdebatte. Denn somit
muss man über Strukturen nicht sprechen. Dabei ist klar: Spitzensport will
Geld. Geld gibt es vor allem für unethisches Verhalten. Und das passende
Personal dafür findet sich immer.
Die Sanktionen gegen Russland hat das IOC derweil pünktlich zu Olympia
aufgehoben, die letzte Entscheidung obliegt den Verbänden. Es war die
absehbare Wahl: Statt USA und Israel ebenfalls für Angriffskrieg und
völkerrechtswidrige Besatzung zu sanktionieren, sanktioniert man keinen
mehr. Sachlich lässt sich das durchaus gut begründen: Nationale
Sportsanktionen wirken in Zeiten globaler Ausbeutungssysteme oft überholt,
decken nur eine recht willkürliche Auswahl staatlicher
Menschenrechtsverbrechen ab und hatten kaum je Effekt. Aber um die Sache
geht’s natürlich nicht.
Für ein moralfreies Olympia hat die WM eine eindrückliche Vorlage
geliefert. Dass Gastgeber USA Krieg gegen Teilnehmer Iran führte, empörte
fast niemanden. Die deutsche Debatte drehte sich darum, wie Irans Spieler
verantworten, für dieses Regime anzutreten – und nicht auch, wie eigentlich
US-Spieler verantworten, für diesen Staat anzutreten. Die
Einwanderungsbehörde ICE führte derweil während des Turniers beispiellose
Razzien durch, einmal wurden innerhalb von fünf Tagen bis zu 10.000
Menschen festgenommen. NGOs blieben mit ihren Protesten weitgehend allein.
Und in Gaza und im Westjordanland ging während des Turniers die tägliche
Ermordung und Vertreibung von Zivilist:innen weiter, finanziert
maßgeblich von den USA. [3][Ein Report der Unabhängigen Internationalen
Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten
palästinensischen Gebiete (einschließlich Ost-Jerusalems) und Israel] für
die UN stellte noch während der WM fest, dass Israels Tötung
palästinensischer Kinder seit dem Waffenstillstand systematisch und Beleg
für fortlaufenden Genozid sei. [4][Das UN-Kinderhilfswerk Unicef] spricht
von 265 getöteten Kindern in den acht Monaten seit dem
Waffenstillstandsabkommen. [5][Die WM-Soli-Proteste verhallten].
Die Botschaft all dessen lautet: Ja, es geht fast alles. Solange Donald
Trump nicht bei Coventry anruft, um ein Ergebnis annullieren zu lassen.
Oder zumindest nicht darüber spricht. Denn sauber muss der Sport wirken.
Auch daraus wird das IOC lernen.
19 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Komitee-der-Olympische-Spiele/!6054463
DIR [2] /Fifa-Spitze-bedroht-den-Fussball/!6191084
DIR [3] https://www.ohchr.org/sites/default/files/documents/hrbodies/hrcouncil/sessions-regular/session62/a-hrc-62-crp-2.pdf
DIR [4] https://news.un.org/en/story/2026/06/1167760
DIR [5] /Fussball-bewegt-Palaestina-Frage/!6196548
## AUTOREN
DIR Alina Schwermer
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