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       # taz.de -- Wegner, Spahn, Merz: Die alte Choreo aufgewärmt
       
       > Regierender Bürgermeister Kai Wegner zeigt sich von seiner altbekannten
       > Seite und auf der Seite von Jens Spahn waren es dieses Mal zu wenig
       > Unterstützer.
       
   IMG Bild: Kai Wegner geht und bleibt zugleich
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: WM fertig.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: WM fertig.
       
       taz: Jens Spahn wird Vater per Leihmutterschaft – obwohl er das Konstrukt
       eigentlich ablehnt. Wie blicken Sie auf diesen Doppelstandard? 
       
       Küppersbusch: „Die zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen
       Auseinandersetzung hat mich sehr nachdenklich gemacht“, schreibt Danger
       Spahn in den Lyrics, und denkt dabei sicher an Frauke Brosius-Gersdorf.
       Immerhin schließt er jetzt zu seinem Idol Peter Thiel auf – zwei Töchter
       aus „Leihmutterschaft“- wofür der just den „Axel Springer Award 2026“
       bekommt. Oder ein Mutterkreuz. Bei allem Respekt vor schwulem Kinderwunsch
       – die US-Millionärs-Version ist mit bloßem Auge von Zuchtversuchen auf
       Kosten von Mutter und Kind nicht mehr zu unterscheiden.
       
       Spahn wedelt wehleidig mit Family Values, was er glauben mag oder schon mal
       als gefühlige Märtyrer-Erzählung für ein späteres Comeback anlegt. Er passt
       zum Programm der Union wie Alice Weidel zu dem der AfD. Heißt auch: Die
       Union hat noch Haltung – die AfD Erfolg.
       
       taz: Vor Spahns Abgang waren nur 14 Prozent der Bevölkerung mit seinem Chef
       Merz zufrieden. Wo soll das noch hingehen?
       
       Küppersbusch: Nach oben. Merz feuert Spahn – nicht, weil er die
       Kanzlermehrheit vergeigt, eine Verfassungsrichterwahl ruiniert, nutzlose
       Wehrpflicht-Debatten zugelassen hat. Und also als Fraktionschef so munter
       herumdilettierte, dass es schon wieder nach Absicht roch. Sondern, nachdem
       aus Landesverbänden der Union einhellig gefordert wurde, den Spahnwahn zu
       beenden. Seine Wiederwahl als Fraktionschef im Mai mit noch respektablen
       86,5 % wurde als Höchststrafe für Merz gelesen und als Indiz, dass der
       nicht mehr genug Macht habe, einen loyaleren Könner einzuwechseln. Nun
       betont das Merz-Umfeld, er habe Spahn final unter Druck gesetzt, und nun
       kann Merz jemanden einsetzen, der schwarzblauer Neigungen unverdächtig ist.
       Muss er aber auch.
       
       taz: Am Sonntag ist das große Fußball-Finale der Männer. Was bleibt von
       dieser WM in Erinnerung? 
       
       Küppersbusch: Dass ein Team schlechter sein kann als die Summe seiner
       Einzelnen – Deutschland. Dass minus mal minus nicht plus ergibt, sondern
       Trump, Infantino, Rote Karte, doppelt so korrupt. Dass die erhöhte
       Teilnehmerzahl aus eitel Geldgier und Machtkampf entstand und aber leider
       im Ergebnis mehr Außenseiter, Vernachlässigte und Sympathieträger mit sich
       brachte.
       
       Der Sieg des Teamplayers – Messi – über den Egomanen – Ronaldo. Kein
       Turnier mehr ohne nordische Lieblingsfans (Norwegen, Island, sowas, Ho!)
       Thomas Tuchel als erfolgreichster Veganer und Deutscher, wenn das der
       Führer usw. Das Mühle-auf-Mühle-zu-Gefühl, tolle Spiele zu ignorieren oder
       einer Regimeverschönerung kritiklos beizuwohnen. Und schließlich: Vorfreude
       auf ein Turnier ohne das alles in 2030.
       
       taz: [1][Kai Wegner] hat nun bekannt gegeben, nicht mehr für die CDU zu
       kandidieren. Wie blicken Sie auf den kommenden Wahlkampf? 
       
       Küppersbusch: Als Schwarz-Rot im Bund entschied, den Ländern die
       Vergesellschaftung von Miethaien zu verbieten, wurde klar, dass wenigstens
       die schonmal an einen Wahlerfolg der Linken in Berlin glauben. Wegners
       Choreo, die Kandidatur hinzuschmeißen und aber das Amt zu blockieren bis
       zur Wahl – klingt bisschen nach „Stromausfall in der CDU und er spielt
       lieber Tennis“. Nach Umfragen hat Wegners Union in Berlin verloren, was die
       Linke gewonnen hat, und die SPD wieder mal ausprobiert, wie man sich mit
       GroKos ruiniert. Die wahrscheinlichste Mehrheit derzeit ist R2G – und das
       dürfte doch alle motivieren. Sogar die, die dafür sind.
       
       taz: Das ZDF hat Danger Dan und Igor Levitt aus der Jubiläumsfolge der
       Satiresendung „Die Anstalt“ gestrichen. Cancel Culture oder
       verantwortungsbewusst? 
       
       Küppersbusch: Klare Win-win-Situation. [2][Danger Dans Track „Keine Angst“]
       wurde durch die bloße Ausladung schon ein viraler Hit, bevor ihn irgend
       jemand gehört hatte – er veröffentlichte ihn erst danach. Schon beim
       Vorgänger „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ bekannte er vor
       fünf Jahren bei Böhmermann, befreundete Juristinnen hätten bei der
       Textfindung mitgewirkt. Und so klingt das neue Lied auch etwas nach
       Antifa-Rap von Juristen für Juristen. Es ist clever am Gewaltaufruf entlang
       getextet.
       
       Eine siebenminütige Anleitung für etwas, das sich Kampf gegen Faschos
       wähnt. Mit musikalischen Ideen für eher drei Minuten. Bei der Empfehlung,
       auch mal in Nachbars Altpapier nach Nazibeweisen zu wühlen, lappt es
       kafkaesk ins Stasihafte. Ganz offen bezweifelt der Text dagegen das
       Gewaltmonopol des Staates, der nicht genug gegen politische Gegner tue. Und
       spätestens da punktet das ZDF mit der Ausladung, jedenfalls – wenn es damit
       schonmal für ähnliche Liedchen von der AfD übt.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Der Keeper ist der Käpt´n: Torwart Jakob Golz ist neuer
       Mannschaftskapitän. Das läuft völlig meiner Direktive zuwider, konsequent
       geheim zu halten, was für einen Klassen besseren Torwart wir haben. Mist.
       
       Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und sieht Merz jetzt als
       Antifa.
       
       Fragen: Selina Hellfritsch
       
       19 Jul 2026
       
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