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       # taz.de -- Afghanistan unter den Taliban: Widerstand unter Adlerschwingen
       
       > Erstmals entreißen bewaffnete Gegner der Taliban ihnen die Kontrolle über
       > einen Distrikt – doch das hält nur kurzzeitig. Wer sind die Angreifer?
       
   IMG Bild: Fasihuddin Fitrat, Stabschef der Streitkräfte der Taliban-Regierung, am 19. August 2025 in Kabul, Afghanistan
       
       Bewaffnete Regime-Gegner haben erstmals seit der erneuten
       Taliban-Machtübernahme in Afghanistan im August 2021 einen Distrikt
       eingenommen, wenn auch nur kurzzeitig. Am Freitag vor Morgengrauen rückten
       sie in Jaftal in der Nordostprovinz Badachschan ein, entwaffneten die
       dortigen Taliban-Kämpfer, hissten, wie Videos zeigen, ihre Flagge –
       himmelblau mit einer Adlerschwinge – über Gebäuden der Lokalverwaltung und
       zogen sich nach zwei Stunden wieder zurück.
       
       Die Kämpfer bezeichnen sich als Angehörige der Gruppe Sepahian-e Maihan
       (Soldaten der Heimat), die nach eigenen Angaben aus Kämpfern aus
       Badachschan besteht, die nach einem Angriff in der Zivilbevölkerung
       untertauchen können. Lokale Augenzeugen berichteten von etwa 25 Angreifern.
       
       In einer in den sozialen Medien verbreiteten Erklärung behaupteten die
       Sepahian, sie hätten auch in zwei weiteren Distrikten Badachschans
       angegriffen. Dafür gibt es bisher aber keine Bestätigung.
       
       Die Taliban bestätigten den Angriff und schickten ihren Armeestabschef
       Fasihuddin Fitrat nach Jaftal. Der erklärte, sie hätten dort ihre Kontrolle
       wieder hergestellt und bei einer Verfolgungsjagd, bei der auch Hubschrauber
       eingesetzt wurden, mehrere Angreifer gefangen genommen. Darunter sei auch
       der Sepahian-Anführer, Abdul Kajum Malang, ein früherer Kommandeur in den
       Spezialkräften der von der Taliban gestürzten, westlich gestützten
       Regierung. Die Sepahian dementierten seine Festnahme.
       
       ## Streitpunkt Gold
       
       Lokale Quellen berichten, die Taliban hätten inzwischen Verstärkung nach
       Jaftal sowie andere Distrikte, auch in der Nachbarprovinz Tachar,
       geschickt. Jaftal ist von Bedeutung, als es nahe der Provinzhauptstadt von
       Badachschan, Faisabad, liegt und damit in Reichweite regimefeindlicher
       Gruppen kommt. In Badachschan war es schon zuvor zu Spannungen wegen des in
       jüngster Zeit erheblichen ausgeweiteten Goldabbaus gekommen. Um die
       Kontrolle über das Gold rivalisieren lokale Taliban-Gruppen, die
       Taliban-Führung und örtliche Gemeinschaften.
       
       Auch wenn der Angriff auf Jaftal nur kurz und von geringem militärischen
       Effekt war, ist er von symbolischer Bedeutung: Er zeigt, [1][dass es weiter
       einen – auch bewaffneten – Widerstand gegen das Taliban-Regime gibt.]
       
       Allerdings deutet das Auftauchen einer neuen Gruppe auch auf Probleme in
       der afghanischen Opposition hin. Malang war 2023 in einem Video noch als
       Kommandeur der bisher bekanntesten bewaffneten Anti-Taliban-Gruppe, der
       Nationalen Widerstandsfront (NWF), aufgetaucht. Dass er nun unter dem Label
       „Sepahian“ agiert, könnte auf eine Abspaltung oder zumindest auf eine
       Lokalisierung der bewaffneten Taliban-Gegner hindeuten.
       
       NWF-Chef Ahmad Massud versucht sich als Führungsfigur der gesamten –
       bewaffneten wie zivilen – Opposition zu profilieren. Einige Gruppen bieten
       sich immer wieder den USA als Partner an, offenbar in der Hoffnung,
       [2][Präsident Trump werde sein wiederholt geäußertes Interesse an einer
       Wiedergewinnung des geostrategisch bedeutsamen afghanischen Stützpunkts
       Bagram] in einen Militärschlag gegen die Taliban-Spitze umsetzen, in deren
       Windschatten sie wieder an die Macht gelangen können.
       
       ## Allein die Frauen noch effektiv und aktiv im Widerstand
       
       Bahar Mehr, ein exilafghanischer Analyst, bezeichnet die
       Anti-Taliban-Kräfte als „zersplittert, desorganisiert und weitgehend
       unfähig, eine kohärente nationale Bewegung zu bilden“. Der Einfluss
       „korrupter Überreste der (Vor-Taliban-)Republik und der machtgierigen
       Dschihadisten“ aus der Ära des Kampfes gegen die sowjetische Besetzung
       versperrten den Weg zu einer Neuorganisation.
       
       Die einzige wirklich „aktive Gruppierung seit dem Fall von Kabul“, so Mehr,
       sei „[3][die Protestbewegung der Frauen.]“ Sima Samar, frühere
       Frauenministerin und Vorsitzende der unabhängigen Menschenrechtskommission
       ihres Landes, forderte vor wenigen Tagen auf einer Afghanistan-Konferenz an
       der Pädagogischen Hochschule Freiburg die „junge Generation“ auf, eine neue
       politische Bewegung gegen die Taliban auf die Beine zu stellen.
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR [2] /Erbeutete-US-Waffen/!6074081
   DIR [3] /Taliban-Gewalt-und-Widerstand/!6185389
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Thomas Ruttig
       
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