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       # taz.de -- Leihmutterschaft und der Fall Spahn: Die Frau als Brutkasten
       
       > Eine Leihmutterschaft degradiert eine Frau zur Gebärmutter auf zwei
       > Beinen. Ähnlich wie beim Organhandel beuten Reiche die
       > Unterprivilegierten aus.
       
   IMG Bild: Bei einer Leihmutterschaft wird eine Frau zur Gebärmutter auf zwei Beinen herabgewürdigt
       
       Wir leben im Zeitalter der Regenbogenfamilien. Ein Spitzenpolitiker wie
       [1][Jens Spahn] muss sein Schwulsein nicht mehr verstecken, sondern kann
       ganz selbstverständlich zum Standesamt marschieren. Verheiratete lesbische
       Paare haben die Möglichkeit, mithilfe einer Samenspende legal Eltern zu
       werden. Pflegekinder, Stiefkindadoptionen und Adoptionen im Ausland sind
       möglich, um als nicht-heterosexuelles Paar eine Familie zu gründen. Wäre es
       da nicht folgerichtig, auch die Leihmutterschaft zu erlauben?
       
       Nein, die kommerzielle Leihmutterschaft ist keine akzeptable Alternative
       für schwule oder andere Paare, ein leibliches Kind in die Welt zu setzen,
       sondern Ausdruck einer besonders krassen Ausbeutung des weiblichen Körpers.
       Bei einer Leihmutterschaft wird die Frau zum Brutkasten der Reichen
       herabgewürdigt. [2][Privilegierte Menschen wie Jens Spahn und sein Mann
       „mieten“ sich für 100.000 bis 200.000 Euro eine Gebärmutter, um eben ein
       „eigenes“ Kind zu bekommen], eines, das ihre Gene weiterträgt.
       
       Die Leihmütter sind meistens Frauen aus prekären Verhältnissen, die für
       sich keine andere Möglichkeit sehen, sich eine Zukunft aufzubauen.
       Wohlhabende Menschen „mieten“ sie neun Monate lang, in denen ihr Bauch
       nicht mehr ihr gehört. Im Fall von schwulen Männern kommt zudem fast immer
       noch eine [3][Eizellenspende] hinzu – auch das ist übrigens in Deutschland
       verboten.
       
       ## Eine Gebärmutter auf zwei Beinen
       
       Eine Leihmutterschaft stellt deshalb auf „moderne“ Weise dar, was
       patriarchale Strukturen schon immer für die Rolle der Frauen vorsahen: Eine
       Gebärmutter auf zwei Beinen, die die Fortpflanzung sicherstellt. Sie steht
       moralisch auf einer Ebene mit Organhandel. Sich eine neue Niere zu kaufen
       ist ethisch nicht vertretbar. Möchte dagegen ein Angehöriger oder ein
       anderer nahestehender Mensch eine seiner Nieren spenden, ist nichts dagegen
       einzuwenden.
       
       Dieser Ansatz könnte auch für einen Kinderwunsch wie den von Spahn eine
       Möglichkeit sein: Gemeinsam ein Kind zu zeugen, etwa mit einer Single-Frau
       mit Kinderwunsch, einem befreundeten lesbischen Paar oder mit jemandem aus
       der Familie. All das ist besser als die eigenen Privilegien zu nutzen, um
       weniger Privilegierte zu missbrauchen.
       
       19 Jul 2026
       
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   DIR Silke Mertins
       
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