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       # taz.de -- Ungarns Präsident billigt Absetzung: Schachstar soll neue Präsidentin werden
       
       > Ungarns Premier Péter Magyar setzt auf ein Schach-Wunderkind: Judit
       > Polgár könnte Staatspräsidentin werden. Wird sie diese Aufgabe annehmen?
       
   IMG Bild: Judit Polgár, Schachspielerin aus Ungarn, auf der Pressekonferenz des Weltschachfestivals 2023
       
       dpa/rtr | Ungarns neuer Ministerpräsident Péter Magyar will das ehemalige
       [1][Schach-Wunderkind Judit Polgár] für das Amt der Staatspräsidentin
       vorschlagen. Wie Magyar bei Facebook schrieb, plant er an diesem Montag ein
       Treffen mit der 49-Jährigen und hofft, dass sie ihm „die große Ehre“
       erweist, diese Nominierung anzunehmen.
       
       Der Posten ist vakant, nachdem Staatspräsident Tamás Sulyok, ein
       politischer Freund des im April abgewählten Rechtspopulisten Viktor Orbán,
       vom Parlament abgesetzt wurde. In Ungarn wird das Staatsoberhaupt vom
       Parlament gewählt. Magyars Partei Tisza verfügt dort über eine
       Zweidrittelmehrheit.
       
       ## Fünffache Olympiasiegerin
       
       Polgár ist [2][mehrfache Olympiasiegerin im Schach]. „Seit Jahrzehnten
       steht der Name Judit Polgár für Talent und Beharrlichkeit. Als
       [3][erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte] führte sie 26 Jahre lang
       ununterbrochen die Weltrangliste der Frauen an und gehörte gleichzeitig zu
       den zehn besten Spielern der Weltrangliste“, schrieb Magyar.
       
       Ihre aktive Karriere beendete Polgár vor mehr als zehn Jahren, blieb aber
       weiterhin in der Schachförderung aktiv. Mit einer Stiftung setzt sie sich
       darüber hinaus auch für Bildung und Chancengleichheit ein. Politische Ämter
       bekleidete sie bisher nicht.
       
       ## Ungarn: Präsident macht Weg zu eigener Absetzung frei
       
       ‌Der ungarische Präsident ‌Tamás Sulyok hat eine Verfassungsänderung
       unterzeichnet, die seine Amtszeit mit sofortiger Wirkung beendet. Das von
       der regierenden Tisza-Partei des neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar
       eingebrachte Gesetz ist Teil eines umfassenden Umbaus der staatlichen
       Institutionen. Ab Montag werde Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer das
       Amt der Übergangspräsidentin ‌übernehmen, kündigte Magyar an.
       
       Sulyok erklärte am Samstag, er habe keine andere Wahl gehabt, als das
       Gesetz zu billigen. Der ehemalige Verfassungsrichter warnte jedoch, die
       Reform füge der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung in Ungarn
       schweren Schaden zu und schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall.
       
       Magyar hatte den langjährigen Regierungschef Viktor Orbán bei der Wahl im
       April abgelöst. Er sieht sich durch das Votum der ‌Wähler für den Abbau von
       Orbáns Machtstrukturen legitimiert. Auf Facebook schrieb er, den Bürgern
       werde nun zurückgegeben, was das Orbán-Regime ⁠ihnen jahrelang habe nehmen
       wollen. Orbán kritisierte die Reformen seinerseits scharf: Die Tyrannei sei
       keine Bedrohung mehr, sondern Realität.
       
       Die Verfassungsänderung, die Magyars Partei dank ‌ihrer Zweidrittelmehrheit
       ‌im Parlament durchsetzen konnte, sieht zudem eine ⁠Amtszeitbegrenzung von
       zwölf Jahren für Abgeordnete vor. Ferner legt das Gesetz eine Altersgrenze
       von 70 Jahren ‌für Verfassungsrichter fest, was ‌den Orbán-Vertrauten und
       Gerichtspräsidenten Péter Polt in den Ruhestand zwingt.
       
       20 Jul 2026
       
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