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       # taz.de -- Mehr Störche in Deutschland: Der Storch lebt nicht vom Frosch allein
       
       > Mehr als 15.000 Paare brüten in diesem Jahr laut Nabu in Deutschland. Sie
       > finden mehr Nahrung und profitieren von kürzeren Reiserouten.
       
   IMG Bild: Storch fängt Maus auf einem Stoppelfeld in Unlingen im südlichen Baden-Württemberg
       
       Mehr Naturschutz und der Klimawandel machen es möglich: In Deutschland
       brüten in diesem Sommer so viele Weißstörche wie noch nie seit Beginn der
       systematischen Aufzeichnungen. Das teilte der Naturschutzbund Nabu am
       Montag mit. Insgesamt rechnet der Umweltverband in der aktuellen Saison
       [1][mit bundesweit mehr als 15.000 Brutpaaren]. „Selbst vor hundert Jahren
       gab es nicht so viele Störche“, sagt Bernd Petri von der
       Nabu-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch.
       
       Andreas Wennemann, Geschäftsführer des Naturparks Rhein-Taunus, bestätigt
       die Beobachtung. In dem 810 Quadratkilometer großen, von Mittelgebirge
       geprägten Gebiet nahe Wiesbaden nisten inzwischen nicht nur wieder
       zahlreiche Weißstörche. Auch Schwarzstörche und Kolkraben seien nach Hessen
       zurückgekehrt. [2][Sie alle profitierten von der abwechslungsreichen
       Landschaft aus Fluss- und ruhigen Bachtälern, strukturreichen Äckern und
       Wiesen mit insektenfreundlichen Blühstreifen.]
       
       Die Störche profitieren dabei doppelt vom Klimawandel. In den immer
       wärmeren, trockeneren Frühjahren überlebten mehr Küken als früher, als
       Kälte und Nässe dem Nachwuchs zu schaffen machten. Zudem seien Störche
       Futteropportunisten, sagt Wennemann: Sie lebten nicht nur von Fröschen,
       sondern fräßen auch Mäuse, Insekten oder besuchten Müllkippen.
       
       Zum Zweiten haben sich die Flugrouten der Tiere verändert. „Durch
       Deutschland verläuft eine sogenannte Zugscheide“, sagt Storchenexperte
       Petri vom Nabu. „Östlich davon ziehen die Störche im Winter wie eh und je
       über den Balkan und Nahen Osten nach Afrika. Westlich der Zugscheide
       dagegen geht es nur noch bis Spanien. Auf Reisfeldern und Mülldeponien
       finden die Störche reichlich Nahrung, den Flug via Gibraltar nach Nord- und
       Westafrika sparen sie sich.“
       
       ## Hessen hat die größte Storchendichte
       
       Die verkürzte Zugstrecke sei ein großer Vorteil. Die Überlebensrate steige,
       die Westzieher kämen früh und fit zurück. „Vor 30 Jahren waren drei Viertel
       unserer Störche Ostzieher, heute ist das Verhältnis umgekehrt: Drei Viertel
       ziehen nach Westen“, so Petri. „Der Schwerpunkt der Storchenvorkommen habe
       sich von der Elbe an den Rhein verlagert.“
       
       Der Weißstorch brütet in allen 16 Bundesländern. Waren lange die
       nordöstlichen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die
       Regionen mit den meisten Störchen, klappern heute viele Paare in
       Niedersachsen und Baden-Württemberg. Die größte Storchendichte hat dabei
       Hessen. Nach Zählungen der Vogelbeobachter:innen vom Nabu ist zwar
       nach wie vor die Mittlere Elbe eine der Regionen, in der die meisten
       Störche leben. Mittlerweile hat ihr aber der Oberrheingraben zwischen Basel
       und Frankfurt am Main den Rang abgelaufen.
       
       Dabei gelten sechs bis sieben Storchenpaare je 100 Quadratkilometer als
       „gute Dichte“; im südhessischen Kreis Groß-Gerau brüten sogar 90 Paare je
       100 Quadratkilometer. Weitere Storchen-Hotspots liegen in Mittelfranken und
       Oberschwaben. „An Rhein und Main finden sie relativ gute Bedingungen“, sagt
       Wennemann. Sie breiteten sich inzwischen wieder übers Land aus und seien
       wesentlich sichtbarer als früher.
       
       Etwa einen Monat lang lassen sich die großen Vögel noch beobachten. In den
       ersten Augusttagen brechen sie nach Süden auf. Zuerst machen sich die
       Jungen auf den Weg. Die Storcheneltern seien noch von der anstrengenden
       Aufzucht gezeichnet und wögen weniger als ihr Nachwuchs, berichtet der
       Nabu. „Sie futtern sich jetzt erst mal wieder Reserven an und starten
       später nach Süden.“
       
       21 Jul 2026
       
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