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       # taz.de -- Islamische Republik Iran: Krieg von außen, Krieg von innen
       
       > Als das Memorandum zwischen Iran und USA galt, schien auch der interne
       > Machtkampf in Iran vorerst beendet. Nun flammt der Konflikt wieder auf –
       > auch im Inneren?
       
   IMG Bild: Wer wird im internen Machtkampf in Iran die Hoheit behalten? Straßenszene in Teheran am 18. Juli
       
       „Ich bin grundsätzlich gegen diese Verständigung“ – so steht es in einem
       Kommuniqué, das der iranische [1][Oberste Führer Mojtaba Khamenei] am 18.
       Juni in den iranischen Staatsmedien verlesen ließ. Es war der Tag, [2][an
       dem im französischen Versailles US-Präsident Donald Trump die
       Rahmenvereinbarung mit der Islamischen Republik unterschrieb.] Die Welt
       freute sich über die Aussicht auf sinkende Spritpreise. Und in Iran
       präsentierten sich die Verhandler – Parlamentssprecher Mohammed Ghalibaf
       und Präsident Abbas Arragchi – als heldenhafte Soldaten an der „Front der
       Diplomatie“. Und während in abendlichen Demonstrationen manche in der
       Bevölkerung Rache gegen den Westen forderten, blieb das Abkommen erst
       einmal bestehen.
       
       Doch Beobachter sahen in diesem Satz Khameneis immer mehr als das übliche
       Geplänkel und Gestreite zwischen Reformern und Radikalen, das in der
       Islamischen Republik zum Alltag gehört. Seine Aussage sollte als letztes
       Wort verstanden werden. Ob ihn tatsächlich Mojtaba Khamenei diktiert hat,
       bleibt ungewiss. Das saudi-arabische Medium Al-Hadath schrieb jüngst in
       Bezugnahme auf eine israelische Quelle, dass der Oberste Führer „nicht im
       Iran“ sei. Und die Gerüchte um seinen Gesundheitszustand halten sich seit
       Monaten hartnäckig.
       
       In Khameneis Botschaft im Juni kam auch die Meerenge von Hormus vor. Sie
       wurde als iranisches Hoheitsgebiet definiert, das es mit allen Mitteln zu
       verteidigen gelte. Wohl alle, Reformer wie Radikale, sind mit dieser
       Definition einverstanden. Denn die Wasserstraße zwischen Iran, Oman und den
       Vereinigten Arabischen Emiraten ist das wichtigste Druckmittel, mit dem die
       Islamische Republik der Welt ihre Stärke demonstriert. Es aus der Hand zu
       geben, hieße, sich vollkommen entwaffnen zu lassen. [3][Morteza Rezaie],
       erster Kommandant der Revolutionsgarden, sagte einmal: Hormus sei besser
       als zehn Atombomben.
       
       [4][Als vor einigen Tagen Außenminister Araghchi] auf die andere Seite von
       Hormus, nach Oman reiste, kehrte er mit leeren Händen zurück. Eine Einigung
       mit dem Sultanat, zum Umgang mit der Straße von Hormus, konnte nicht
       erzielt werden. Oman vertritt die Haltung: Hormus ist ein internationales
       Gewässer, niemand darf Gebühren kassieren. Unmittelbar darauf begannen die
       Revolutionsgarden mit dem Beschuss von Kuwait, Bahrein und Oman. Es war
       aber dort eher ein symbolischer Angriff. Denn Oman hat noch immer ein gutes
       Verhältnis zu Teheran, will eine längerfristige Einigung zwischen Iran und
       USA herbeiführen.
       
       ## „Sicherheitslücke an höchster Stelle“
       
       Den harten Kern der Macht bilden heute zwei Gruppen, sagt der Teheraner
       Journalist Hamid Assefi. Da ist einmal der „Nationale Sicherheitsrat“ und
       einmal jenes Büro, das in [5][Mojtaba Khameneis] Namen Botschaften
       verfasst. Momentan finde sich niemand, der genug Autorität besitze, um das
       diplomatische Spiel zumindest vorübergehend weiter zu spielen, sagt der
       Journalist.
       
       Außenminister Araghchi, der sich pragmatisch gibt, versucht die Diplomatie
       seiner „Republik“ allerdings mit allen Mitteln zu retten. Und plaudert
       dabei anscheinend auch mal über sensible Staatsgeheimnisse. Vor kurzem trat
       er im Infokanal „War Story“ auf – und ließ inmitten eines langen Gesprächs
       eine regelrechte Bombe platzen. Die Ermordung des ehemaligen Obersten
       Führers Ali Khamenei, sowie die einer Reihe von militärischen und
       politischen Befehlshabern des Landes sei das Ergebnis „einer
       Sicherheitslücke an höchster Stelle“. Und die Treffen der Hochrangigen am
       ersten Kriegstag seien dieser bekannt gewesen.
       
       Diese „Sicherheitslücke“ auf der höchsten Ebene, die alles dem Feind
       übermittelte, bestehe nach wie vor und sei genauso aktiv, sagt er dann.
       Und: „Die Sicherheitslücke an höchster Stelle, die alles verraten hat,
       bestimmt weiter unsere Politik und die Atmosphäre im Land.“ Deshalb seien
       alle Vermittlungsbemühungen bis jetzt vergeblich.
       
       Erst an diesem Montag wies Teheran Berichten zufolge einen Vorschlag des
       Golfstaats Katar bezüglich einer zehntätigen Waffenruhe zurück. Von den USA
       werde dieser laut Medienberichten befürwortet.
       
       ## Versorgung wird prekärer
       
       Dabei greifen allabendlich US-amerikanische Bomber iranische Ziele an,
       hauptsächlich entlang der Küstenstädte am Persischen Golf. Neben
       militärischen Einrichtungen ist dabei auch Infrastruktur betroffen: Die
       Metropole ‌Bandar Abbas mit ihren fast einer Million Einwohnern ist
       Berichten zufolge seit dem Bombardement vor einigen Tagen nur über die Luft
       erreichbar. Straßen, Brücken und Tunnel, die diesen größten Handelshafen
       des Landes mit dem Binnenland verbinden, sind zerstört.
       
       Bandar Abbas ist in normalen Zeiten das Herzstück der internationalen
       Handels- und Energieversorgung des Irans. Auf dem Wasser hat die US-Marine
       die totale Blockade der iranischen Häfen nun wieder eingeführt. Mit der
       Zerstörung der nördlichen, östlichen und westlichen Verbindungsstraßen nach
       Bandar Abbas wird auch die Versorgung im Landesinneren prekärer. Mehr als
       70 Prozent des Warentransit ins Land verläuft über den riesigen
       Containerhafen der Stadt. Sie beherbergt auch wichtige Industriezweige –
       darunter Ölraffinerien, Kraftwerke, große Stahl- und Aluminiumwerke sowie
       Werften.
       
       Und Teheran greift selbst regelmäßig mit Raketen und Drohnen in
       Regionalstaaten wie Bahrain, Kuwait und [6][Jordanien] an. Die Mehrzahl
       wird von deren Luftabwehr abgefangen. Interessant ist aber, wen die Garden
       nicht angreifen. Pakistan hat wiederholt erklärt, jeder Angriff auf
       Saudi-Arabien sei eine rote Linie, deren Übertretung man sofort bestrafen
       würde. Rijadh steht seit vergangenem September durch ein Beistandsabkommen
       unter dem Atomschirm Pakistans. Kuwait will nachziehen, derzeit finden dazu
       Gespräche statt.
       
       Auch Angriffe auf Israel blieben bislang aus. Das Land hatte gewarnt, man
       werde mit „voller Kraft“ zurückschlagen. Viele Analysten meinen aber:
       Jerusalem warte nur auf eine Eskalation seitens Iran.
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Oberster-Fuehrer-Modschtaba-Chamenei/!6175442
   DIR [2] /Trump-in-Versailles-Ein-Grund-zum-Aufatmen/!6188806
   DIR [3] https://www.iranwatch.org/iranian-entities/morteza-rezaie
   DIR [4] https://www.iranintl.com/en/202607102019
   DIR [5] /Irans-neuer-Oberster-Fuehrer/!6160912
   DIR [6] /Jordanien-im-Kreuzfeuer/!6158778
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ali Sadrzadeh
       
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