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       # taz.de -- Machtkampf um AfD Nordrhein-Westfalen: Weidel schlägt gegen Aufstand in NRW zurück
       
       > Der AfD-Bundesvorstand will den Landesvorstand in NRW mit einer
       > Kommission durchleuchten. Zuletzt probten dort Teile der AfD den Aufstand
       > gegen Weidel.
       
   IMG Bild: AfD-Landeschef Martin Vincentz peitscht seine Anhänger für den offenen Aufstand ein
       
       Alice Weidel bereitet offenbar die Entmachtung des AfD-Landesvorstands von
       Nordrhein-Westfalen vor. Mehrere Teilnehmer einer Bundesvorstandssitzung am
       Montagvormittag teilten der taz mit, dass die Bundesspitze eine
       „Untersuchungskommission NRW“ einsetzen will. Darin sollen der komplette
       Landesverband durchleuchtet werden: Finanzen, Aufnahmepraxis sowie
       „allgemeine Funktionalität“. Die Kommission solle ein Budget bekommen und
       sich extern mit Wirtschaftsprüfern und Expertise verstärken können.
       Vorsitzen soll der Kommission dem Vernehmen nach der Oberstaatsanwalt im
       Ruhestand und ehemalige AfD-Bundesvorstand Roman Reusch.
       
       Zudem will der Bundesvorstand ein Rundschreiben an alle AfD-Mitglieder zu
       den Vorgängen verfassen. Ordnungsmaßnahmen gegen einzelne Akteure wegen
       Bedrohungen, öffentlichen Äußerungen oder ähnlichem sollen geprüft werden.
       Ebenso soll es eine Datenschutzprüfung „wegen Weitergabe von
       Mitgliederdaten an Dritte“ geben. Zuletzt hatte es aus Kreisen des
       Bundesvorstands im Zusammenhang mit der umkämpften Listenaufstellung für
       die Landtagswahl 2027 schon geheißen, dass auch eine [1][Absetzung des
       Landesvorstands möglich] sei.
       
       Hintergrund der Maßnahmen gegen den mitgliederstärksten Landesverband ist
       der [2][eskalierte Machtkampf in Nordrhein-Westfalen]. Der tobt zwischen
       dem sich gemäßigt gebenden Landeschef Martin Vincentz, der mit einer
       knappen Mehrheit seine Kandidatenliste für die Landtagswahl 2027 weitgehend
       durchgesetzt hat, und dem [3][Rechtsextremisten Matthias Helferich].
       
       Letzterer hat gemeinsam mit Weidel-Vertrauten zeitweise versucht, [4][die
       Listenaufstellung zu blockieren]. Dafür stellten sie knapp hundert Personen
       für einen einzigen Listenplatz auf und ließen viele der Kandidaten
       langatmige Reden halten. Weitere Wahlgänge mussten vorübergehend verschoben
       werden. Zudem gibt es Vorwürfe von Bedrohungen, beim Parteitag zeigte ein
       Bundestagsabgeordneter anderen AfD-Funktionären den Mittelfinger, sogar
       Handgreiflichkeiten wurden angezeigt.
       
       ## „Parteitag der Schande“
       
       Parteichefin Weidel hatte schließlich gefordert, die
       Aufstellungsversammlung abzubrechen, auch wegen angeblicher Bedrohungen,
       von denen das Helferich-Lager berichtet hatte. Der Landesvorsitzende
       Vincentz hatte wiederum Weidel im übertragenen Sinne [5][den Mittelfinger
       gezeigt], indem er seine Anhänger dazu aufrief, die Liste wie geplant
       durchzuwählen, wie es dann auch planmäßig bis Platz 82 geschah. Die Liste
       sei rechtssicher, hieß es von ihm.
       
       Leute aus dem Helferich-Lager sprechen von einem „Parteitag der Schande“.
       Anhänger von Vincentz nennen die Parteichefin mittlerweile „Alice Merkel“.
       Die Begründung: Weidel habe versucht, Wahlergebnisse rückgängig zu machen,
       wie es Merkel bei der Wahl von Thomas Kemmerich 2020 in Thüringen gefordert
       hatte.
       
       Vincentz selbst hatte den Parteitag am Freitag dazu aufgerufen, die Wahl
       gegen alle Widerstände durchzuziehen – selbst wenn ihm das den Kopf kosten
       sollte. Der Parteitag stimmte mit Mehrheit dafür und düpierte damit Weidel
       und den von ihr dominierten Bundesvorstand. Vincentz wollte dazu noch eine
       einstweilige Verfügung gegen den Bundesvorstand beantragen, die den davon
       abhalten sollte, sich in den Parteitag einzumischen. Die allerdings sei
       noch nicht eingegangen, hieß es aus dem Bundesvorstand.
       
       Nun folgte die Retourkutsche aus der Parteispitze: Offensichtlich will
       Weidel mit der höchst ungewöhnlichen Kommission Argumente gegen Vincentz
       zusammentragen lassen. Offiziell wollte Weidel sich der taz gegenüber nicht
       dazu äußern. Auf die umstrittene Aufstellungsliste zielt die Kommission
       zunächst nicht.
       
       Ein Mitglied des Bundesvorstands sagte der taz jedoch anonym: „Die Liste
       kann gerne erst mal so bleiben. Kann man jederzeit zurückziehen und neu
       wählen.“ Wenn sich manche Verdachtsmomente erhärteten, sei eine Absetzung
       des Landesvorstands wahrscheinlich unumgänglich. „Aber das machen wir jetzt
       in aller Ruhe. Schnellschüsse darf gerne die Gegenseite übernehmen“, so der
       Funktionär, „wir drehen in NRW jetzt jeden Stein um.“
       
       Anlass dafür bietet wohl auch eine der taz vorliegende 37-seitige
       Materialsammlung, die wohl aus dem Helferich-Lager stammt. Darin ist von
       möglichen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer Stimmenzählmaschine
       die Rede, aber auch von kolportierten Bedrohungen bei Wahlgängen und
       Kandidaturen im Zusammenhang mit den endlosen Reden, die teilweise durch
       Kandidat*innen auch handschriftlich als Kurzprotokolle festgehalten
       sind.
       
       ## „Meuthen auf Speed“
       
       Von der anderen Seite hatte es aus dem Landesvorstand von
       Nordrhein-Westfalen sogar Rücktrittsforderungen gegenüber den
       Bundesvorständen Sven Tritschler und Maximilian Kneller (beide NRW)
       gegeben. Die hatte sich beide an den Blockaden bei der
       Aufstellungsversammlung beteiligt, wie auch [6][der taz vorliegende Chats
       zeigen]. Vizeparteichef Tritschler war Admin der Gruppe, ebenso waren
       Mitarbeiter von Kneller an der Orchestrierung der Blockaden beteiligt.
       Danach hatte wiederum der Vizelandessprecher aus Nordrhein-Westfalen, Kay
       Gottschalk, deren Rausschmisse von Weidel eingefordert.
       
       Auch in der Bundestagsfraktion gibt es durchaus Fürsprecher für Vincentz.
       Ein Abgeordneter sagte der taz: „Der Bundesvorstand ist gut beraten, sich
       nicht einzumischen.“ Das „gemäßigte Lager“ habe in NRW die klare Mehrheit.
       
       Das offene Hauen und Stechen geht unterdessen unverdrossen weiter. Ein
       Telegram-Kanal des Helferich-Lagers etwa verbreitete am Montag eine
       Chatnachricht eines Landesschiedsrichters, der in einer Chatgruppe wiederum
       ein Parteiausschlussverfahren für Alice Weidel und ihrem Vertrauten
       Bundesvize Tritschler gefordert hatte.
       
       Auf dem Helferich-Kanal heißt es dazu: „Erst wollte er [7][Helferich
       rechtswidrig rauswerfen]. Nun soll unsere Kanzlerkandidatin entfernt werden
       … das Vincentz-Lager zeigt sein wahres Gesicht: Meuthen auf Speed.“
       
       20 Jul 2026
       
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