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       # taz.de -- Nach Rücktritt von Jens Spahn: Fraktionsführung dringend gesucht
       
       > Die Unionsfraktion kommt nächste Woche zu einer Sondersitzung zusammen,
       > um einen Nachfolger für Jens Spahn zu wählen. Mögliche Kandidat:innen
       > gibt es viele.
       
   IMG Bild: Tritt er die Nachfolge Jens Spahns an? Carsten Linnemann würde man den Job zutrauen
       
       Jens Spahn ist am Montagvormittag nicht dabei, als das CDU-Präsidium über
       seine Nachfolge berät. Die Runde im Konrad-Adenauer-Haus ist klein, die
       meisten Mitglieder sind zugeschaltet. Bundeskanzler Friedrich Merz, der
       auch CDU-Vorsitzender ist, will das Thema möglichst schnell abräumen. Schon
       am Mittwoch kommender Woche soll die Unionsfraktion zu einer Sondersitzung
       zusammenkommen, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Spahn hatte am
       Samstag [1][seinen Rücktritt erklärt], der parteiinterne Vorwurf der
       Doppelmoral angesichts seiner Vaterschaft mittels Leihmutter in den USA war
       zu groß geworden.
       
       Unklar ist allerdings weiterhin, wer den Posten bekommen soll. An einem
       gemeinsamen Personalvorschlag von Merz mit CSU-Chef Markus Söder werde noch
       gearbeitet, heißt es. Offen scheint auch weiterhin zu sein, ob es eine
       kleine Lösung geben wird – oder ob der Kanzler gleich auch noch das
       Kabinett umbilden will. Am Sonntag [2][im ZDF-„Sommerinterview“] hatte er
       diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen.
       
       In einer SMS forderten Interimsfraktionschef Alexander Hoffmann (CSU) und
       der Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger (CDU) die insgesamt 208
       Abgeordneten von CDU und CSU auf, für den 29. Juli eine Reise nach Berlin
       zu planen. Der Grund: Die Wahl des Fraktionsvorsitzenden muss geheim
       stattfinden, rechtssicher könne dies nur in Präsenz geschehen. Die
       Sondersitzung wird um 14 Uhr beginnen, wo allerdings, das ist derzeit noch
       offen. Der Sitzungsaal der Fraktion wird gerade renoviert.
       
       Das Vorschlagrecht für den Fraktionsvorsitz liegt bei Chefs von CDU und
       CSU, also Merz und Söder. Gewählt aber wird der oder die
       Fraktionsvorsitzende von der Fraktion. Sollte es zudem zu einer
       Neubesetzung im Kabinett kommen, müssen die neuen Minister:innen im
       Bundestag vereidigt werden. Im Parlament herrscht derzeit Sommerpause, die
       nächste reguläre Sitzung ist am 7. September.
       
       ## Immerhin – eine Frau ist auch dabei
       
       Eine Vereidigung könnte zum Beispiel notwendig sein, wenn entweder Thorsten
       Frei, Alexander Dobrindt oder Nina Warken an die Spitze der Fraktion
       wechseln würden und dann jemand anderes ihren Kabinettsposten übernähme.
       Alle drei werden als mögliche Kandidat:innen für die Spahn-Nachfolge
       gehandelt.
       
       Kanzleramtsminister Thorsten Frei gilt dabei als der Favorit, über einen
       möglichen Wechsel an die Fraktionsspitze wird schon länger spekuliert. Dies
       auch deshalb, weil es auf seinem Posten anfangs gar nicht rund lief.
       
       Als ehemaliger Parlamentarische Geschäftsführer kennt Frei sich in der
       Fraktion aus. Der 52-Jährige, kommt aus Donaueschingen in Baden, er gilt
       als enger Vertrauter des Kanzlers. Böse Zungen sagen, dass er in seinem
       neuen Job die öffentlichen Auftritte vermisst, der Chef des Kanzleramts
       arbeitet eher im Hintergrund. Politik öffentlich verkaufen, aber kann Frei
       gut: Lächelnd und in stets freundlichem Ton schafft er es, auch [3][scharfe
       Forderungen] geschmeidig unters Volk zu bringen.
       
       Im Gespräch ist auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt – sowohl für
       den Fraktionsvorsitz als auch für das Kanzleramt. Von dem 56-jährigen
       Hardliner, der in der Union als erfolgreichstes Kabinettsmitglied gilt,
       heißt es übereinstimmend, er sei im Regierungshandwerk, der Zusammenarbeit
       und auch in der Kommunikation ein Vollprofi. Allerdings ist Dobrindt in der
       CSU – noch nie hat ein CSU-Mann die gemeinsame Fraktion geführt.
       
       Auch der Name von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wird genannt. Der
       48-Jährige aus Paderborn in NRW wäre gern Arbeits- und Sozialminister
       geworden, als der Job an die SPD ging, lehnt er das Wirtschaftsressort ab.
       Zuletzt war es deshalb etwas stiller um den eigentlich stets zackigen
       („Einfach mal machen“) Linnemann geworden.
       
       Öffentlich weniger bekannt ist Fraktionsvize Günter Krings, 56, Chef der
       NRW-Landesgruppe im Bundestag. Wäre es nach Merz gegangen, wäre Krings vor
       einigen Monaten Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung geworden, doch er
       verlor die Abstimmung gegen Annegret Kramp-Karrenbauer. Krings gilt als
       Kandidat für das Kanzleramt, sollte Frei in die Fraktion wechseln.
       
       Immerhin auch eine Frau kommt in den Personalspekulationen vor:
       Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Die 47-Jährige aus
       Baden-Württemberg hat Erfahrung als Parlamentarische Geschäftsführerin,
       allerdings steht in ihrem Ministerium noch die wichtige Pflegereform bevor.
       Merz hatte in seinem ZDF-„Sommerinterview“ die Spekulationen angeheizt, der
       Fraktionsvorsitz könnte an eine Frau gehen. Er tue alles, um den Anteil von
       Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, sagte Merz. Ob das mehr als ein
       Lippenbekenntnis auf die Frage einer Journalistin ist? Seitdem zumindest
       wird der Name Warken in der Gerüchteküche häufiger genannt.
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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