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       # taz.de -- Demokratie in Lateinamerika: Nicaraguas Präsident will nie wieder wählen lassen
       
       > Als Guerillakämpfer gegen die Diktatur war Daniel Ortega einst
       > Hoffnungsträger linker Solidarität. Inzwischen ist er selbst zum Diktator
       > verkommen.
       
   IMG Bild: Nicaraguas Autokrat Daniel Ortega 2024 in Venezuela
       
       Dass Nicaraguas Präsident Daniel Ortega unter Verfolgungswahn leidet, das
       ist kein Geheimnis. „Sie schmieden ständig Komplotte, suchen nach Wegen,
       Parteien zu gründen, damit diese bei einer möglichen Wahl dann gewinnen
       können“, sagte der 80-Jährige am Sonntag vor Tausenden Anhängern anlässlich
       des 47. Jahrestags der sandinistischen Revolution. Schließlich kündigte er
       das Ende freier Wahlen an: „Sie können es vergessen, hier in Nicaragua wird
       es keine Wahlen mehr geben, bei denen sie versuchen könnten, die Regierung
       zu übernehmen und die Macht an sich zu reißen“, so Ortega.
       
       Am 19. Juli 1979 hatte die sandinistische Befreiungsfront FSLN den
       langjährigen Diktator Anastasio Somoza gestürzt und die Macht in Nicaragua
       übernommen. [1][Die linke internationale Solidarität feierte damals den
       Einzug in Managua]. Ortega war das Oberhaupt einer fünfköpfigen Junta, die
       die Regierung übernahm. Die politische Bandbreite der Führungsriege reichte
       anfangs von den sandinistischen Revolutionären bis hin zur Christdemokratin
       Violetta Chamorro. Das Adjektiv ‚sandinistisch‘ geht auf den Guerillaführer
       Augusto Sandino (1895-1934) zurück, der [2][für die Befreiung Nicaraguas
       und gegen die Besatzungsmacht USA] kämpfte.
       
       Daniel Ortega wurde am 11. November 1945 im nicaraguanischen Ort La
       Libertad in eine Familie der Mittelschicht geboren. Schon seine Eltern
       waren Gegner des Somoza-Regimes. 1963 begann er ein Jurastudium an der
       Universidad Centroamericana in Managua, schloss sich jedoch noch im selben
       Jahr der FSLN an, brach sein Studium ab und beteiligte sich an Aktionen
       gegen die Somoza-Diktatur.
       
       ## Bei Wahlen unterlag er der Christdemokratin
       
       Am 18. November 1967 wurde er nach einem Banküberfall verhaftet und danach
       zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach sieben Jahren im
       Gefängnis wurde er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen,
       nachdem die FSLN mehrere hochrangige Regierungsvertreter als Geiseln
       genommen hatte, und ging anschließend nach Kuba. 1976 kehrte er nach
       Nicaragua zurück und wurde einer der Comandantes der FSLN.
       
       Im November 1984 wurde er zum Präsidenten gewählt und trat sein Amt am 10.
       Januar 1985 an. Während die USA seinen Wahlsieg offiziell nicht
       anerkannten, unterstützten sie ziemlich unverhohlen die paramilitärische
       Contra-Bewegung und drängten damit die sandinistische Regierung zunehmend
       an die Seite der Sowjetunion. Bei der Präsidentschaftswahl 1990 dann der
       Schock: Daniel Ortega scheiterte, es gewann die Christdemokratin Violetta
       Chamorro.
       
       Es folgten Jahre in der Opposition und zwei erfolglose
       Präsidentschaftskandidaturen. Im Mai 1998 beschuldigte Daniel Ortegas
       Stieftochter Zoilamérica Narváez ihn, sie seit 1978 wiederholt sexuell
       missbraucht und vergewaltigt zu haben. Wegen seiner parlamentarischen
       Immunität wurde das Strafverfahren zunächst ausgesetzt. Nach dem Verzicht
       auf die Immunität im Jahr 2000 kam es wegen Verjährung der mutmaßlichen
       Taten dennoch nicht zu einer gerichtlichen Klärung.
       
       ## Comeback mit Taschenspielertricks
       
       Bei der Präsidentschaftswahl 2006 gelang ihm schließlich doch das Comeback.
       Seit 2007 ist er wieder im Amt, [3][seither lässt er sich mit allerlei
       Taschenspielerticks und Rechtsbeugungen wiederwählen]. Seit einer
       Verfassungsreform im vergangenen Jahr [4][teilt er auch offiziell die
       Staatsführung mit seiner Ehefrau Rosario Murillo], die das Amt der
       Ko-Präsidentin innehat.
       
       Schon seit Jahren regiert das Ehepaar das kleine mittelamerikanische Land
       [5][diktatorisch und repressiv]. Der einstige Guerillakämpfer gegen einen
       Diktator ist längst selbst zu einem Diktator verkommen.
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Dokufilm-The-Gospel-of-Revolution/!6167387
   DIR [2] /Dokufilm-Ein-Traum-von-Revolution/!6000721
   DIR [3] /Zweifelhafter-Wahlsieg-in-Nicaragua/!5810663
   DIR [4] /Diktatorische-Herrschaft-in-Nicaragua/!6048484
   DIR [5] /Menschenrechte-in-Nicaragua/!5893941
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jürgen Vogt
       
       ## TAGS
       
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