# taz.de -- Osloer Mahnmal für Attentat-Opfer: Das Grauen unter der Oberfläche
> In Oslo ist eine Mosaikwand enthüllt worden, die der Opfer des
> rechtsextremen Attentats von 2011 gedenkt. Es ist der Versuch einer
> Wiederaneignung.
IMG Bild: Menschen versammelten sich vor dem Denkmal am 19. Juli 2026
Es ist eine große, auch physisch monströse Geste, mit der Norwegen jetzt
der Opfer der Attentate von 2011 gedenkt. Einige finden das zwölf Meter
hohe Mahnmal in Oslos Innenstadt zu pathetisch. Doch seine Dimension
entspricht der Monstrosität des Verbrechens, das der Rechtsextreme
[1][Anders Breivik] vor 15 Jahren, am 22.6.2011, beging: Auf einen
Autobomben-Anschlag in Oslos Regierungsviertel folgte ein Massaker in einem
Jugendcamp der sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf der nahen Insel
Utøya. 77 Menschen starben.
Das Motiv des inzwischen zu Höchststrafe und Sicherungsverwahrung
verurteilten Täters, der keine Reue zeigt: Islamophobie, befeuert durch die
Einwanderungspolitik der damaligen rot-grünen Regierung sowie eine
rechtsextreme Ideologie.
Monströs war auch die [2][Selbstinszenierung Breiviks], der sich stellte
und den Prozess nutzte, um seine Ideologie – inklusive rechtsextremer
Gesten – in die Öffentlichkeit zu bringen. Und auch seriöse Medien,
befangen in einem zu diskutierenden Verständnis von „Berichtpflicht“,
erwähnten und zeigten all dies – ein Effekt, den Breivik einkalkuliert
hatte.
Aus dem Blick geriet darüber, dass Breivik offenbarte, dass auch in der
demokratischen norwegischen Wohlstandsgesellschaft radikaler
Rechtsextremismus wachsen konnte. Und mit genau diesem Phänomen – dem
archaischen Grauen unter der Oberfläche einer moralisch integren
Gesellschaft – spielt das Mahnmal des Künstlers Matias Faldbakken. Eine
zwölf Meter hohe Wand aus Mosaiksteinen ist es geworden. Gehalten wird sie
von einem Stahlgerüst, das ein Wandgemälde aus einem Gebäude barg, das nach
dem Bombenanschlag abgerissen werden musste.
„Wiederaufrichtung“ hat Faldbakken, bekannter als Autor von
kulturkritischen und Horror-Romanen, es genannt. Die Vorderseite zeigt,
fein gezeichnet, zwei auf Utøya heimische Wasservögel. Sie wirken so
ikonisch wie dokumentarisch – eine Art Heimholung kann es sein, die
Wieder-Aneignung einer Region, die Zeuge eines Verbrechens wurde, das die
Landschaft atmosphärisch schwer schädigte.
Auf der Rückseite steht das nicht zu Verdrängende: die Namen der 77
Todesopfer. Ein Gedenk- und Mahnort solle es werden, hat der Künstler
gesagt. Ein Ort, der nicht nur für noch mehr Offenheit stehen könne, als
Gegenpol zur Gewalt. Sondern auch für die zu stark unterdrückte Wut der
Angehörigen: Darüber, dass die Polizei das Massaker nicht früher stoppen
konnte. Weil man für so etwas – auch qua Selbstverständnis – nicht
gewappnet war.
20 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Petra Schellen
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