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       # taz.de -- Feier der Fußball-Weltmeister in Spanien: Freude über den vereitelten „Raub“
       
       > Zum Empfang des spanischen Fußballteams werden am Montag im Zentrum von
       > Madrid bis zu eine Million Menschen erwartet. Vorher geht es zum König.
       
   IMG Bild: Mit Trophäe aus dem Flugzeug: Rodrigo Hernandez mit WM-Pokal, neben ihm Trainer Luis de la Fuente und Verbandschef Rafael Louzan
       
       „Wir haben gewonnen und ich bin trotzdem total verärgert“, sagt der Wirt in
       einer der Dorfkneipen in einem kleinen Ort in den Bergen bei Madrid.
       Draußen geht ein spontanes Feuerwerk los, aber er kann einfach nicht
       vergessen, was er „versuchten Raub“ nennt. Dreimal stand die Terrasse
       seiner Kneipe – und die der anderen am Platz – Kopf. Zweimal wurde das Tor
       annulliert. Heftige Fouls der Argentinier wurden nicht geahndet. So mancher
       befürchtete 120 Minuten lang, es könnte ausgehen [1][wie beim Viertelfinale
       Argentinien gegen Ägypten], wo ebenfalls Fouls nicht geahndet und ein Tor
       annulliert wurde, was der Elf um Leo Messi schließlich den Weg zu einer
       Aufholjagd ebnete.
       
       Dann endlich der Schlusspfiff, die Erlösung. 1:0. Spanien ist – nach dem
       Sieg der Frauen vor zwei Jahren – [2][jetzt auch Weltmeister bei den
       Männern]. Zum zweiten Mal nach 2010. Ein Freudenschrei wie aus einer Brust.
       Die Menschen strömen auf die Straße und tanzen vor Freude. Eine Stimmung,
       wie sie nicht einmal beim Dorffest im September herrscht. Feuerwerk – trotz
       Waldbrandgefahr –, Fahnen, plötzlich laute Musik aus riesigen Lautsprecher,
       die irgendwer gegenüber aufgestellt hat. „Campeones“ und „Wir sind Spanier“
       rufen die meist jungen Leute und tanzen zu sommerlicher Popmusik.
       
       Dort, wo noch welche vor den Bildschirmen sitzen geblieben sind, buhen sie
       den US-Präsidenten Donald Trump aus, als er zusammen mit dem ebenfalls
       unbeliebten FIFA-Chef Infantino auftaucht. Trump hat sich in den
       vergangenen Monaten [3][immer wieder mit Spanien angelegt], seine Einwohner
       als „unzuverlässige Leute“ beschimpft. Selbst wer nicht die Linkskoalition
       gewählt hat, mag ihn nicht. Die Körpersprache so manchen Spielers beim
       defilieren vor den Autoritäten und dem Empfang der Medaille aus den Händen
       Trumps zeugt auch davon.
       
       ## Eine lange, verrückte Nacht
       
       Es sind Szenen, die sich im Kleinen oder im Großen überall im Land
       wiederholen. In Madrid hatte sich Zehntausende beim Public Viewing
       eingefunden. Selbst dort, wo sie eher von der Unabhängigkeit von Spanien
       träumen, wie etwa in Katalonien, ist [4][La Roja – die Rote – wie die
       Nationalmannschaft hier heißt], beliebt und füllt während und vor allem
       nach dem Spiel die Plätze. Schließlich ist so mancher der jungen Stars
       Katalane, wie etwa Lamine Yamal oder Pau Cubarsi. Und die Basken haben ihre
       Nico Williams, Mikel Oyarzabal, Unai Simón oder Mikel Merino, der sich im
       Laufe des Turniers mehrmals als Joker erwiesen hat.
       
       Es ist eine lange, verrückte Nacht. Autokorsos und Freudenzüge durch die
       Straßen bestimmen das Bild überall im Land. Leider nicht immer ohne Folgen.
       So kam in Ciudad Rodrigo, in der Nähe von Salamanca, in den frühen
       Morgenstunden ein 13-Jähriger ums Leben, als ein Brunnen einstürzte. Ein
       Pfeiler des Brunnens hatte dem Gewicht der unzähligen Fans nicht
       standgehalten. In Alcorcón – einem Vorort von Madrid – brannte das Dach des
       örtlichen Kulturzentrums, vermutlich ausgelöst durch einen
       Feuerwerkskörper.
       
       In einigen Städten kam es zu Konflikten mit der Polizei. In Madrid wurden
       sieben Fans verhaftet. In Barcelona waren es drei. Und in mehreren Orten im
       Baskenland musste die Polizei einschreiten, um Spanienfans vor denen zu
       schützen, die von Public Viewing und Feiern der ihnen als „ausländisch“
       geltenden Nationalelf nichts wissen wollten und zum aktiven Boykott gerufen
       hatten.
       
       ## Am Brunnen der Göttin Cibeles
       
       Viele derer, die in den Dörfern und Vororten rund um Madrid die halbe Nacht
       getanzt und gefeiert hatten, fanden sich am Montagnachmittag dann in der
       Hauptstadt ein, als die „Helden von New Jersey“ auf dem Flughafen
       eintrafen. Am Nachmittag war dann ein Empfang der Roten beim König
       angesetzt. Felipe VI. war, wie Regierungschef Pedro Sánchez, in aller Eile
       aus den USA zurückgereist, um im Regierungspalast Moncloa die spanische
       Mannschaft zu empfangen.
       
       Danach erwartet die Hauptstädter erneut eine lange Nacht. Die Weltmeister
       werden mit einem offenen Bus durch die Stadt fahren, um anschließend mit
       den Fans dort zu feiern, wo sonst Real Madrid seine Siege zelebriert – am
       Brunnen der Göttin Cibeles vor dem Madrider Rathaus. Es wird erwartet, dass
       sich rund eine Million Menschen den Feierlichkeiten anschließen. Nach
       Behördenangaben werden mehr als 2.000 Polizisten sowie 400 Einsatzkräfte
       der Guardia Civil vor Ort sein.
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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