# taz.de -- 20 Jahre Villa Liebermann: Ein leichter Windhauch in den Birken
> Die Villa Liebermann am Wannsee feiert ihr zwanzigjähriges Bestehen als
> Museum und Gartendenkmal. Die Sonderausstellung streicht wie ein
> Windhauch durchs Haus.
IMG Bild: Max Liebermann, „Blick auf den Eingang des Landhauses mit Blumenstauden am Gärtnerhaus“ um 1930, Nachlass Gretchen Whitman
Alfred Lichtwark, ein Kunsthistoriker aus Hamburg und ein Freund von Max
Liebermann, hatte den Maler bei der Gestaltung seines Staudengartens am
neuen Sommerhaus am Wannsee beraten. Mit seinen vielen Gemälden von
blumenumrankten Blicken auf das Haus wurde die Villa Liebermann und ihr
Künstlergarten bald bekannt. Am 26. Juli 1910 war der 63-jährige Liebermann
mit seiner Frau Martha und Tochter Käthe eingezogen. „Sehen Sie, diese zehn
Finger haben alles in zwei Jahren ermalt, Grundstück, Haus, Gartenanlage
und Einrichtung“, so notierte [1][Lichtwark] den Stolz des Künstlers auf
sein neues Haus nach seinem ersten Besuch. Sich das selbst erarbeitet zu
haben, war dem Maler wichtig.
Stolz ist auch die Max-Liebermann-Gesellschaft e. V. (MLG), das Museum
Villa Liebermann mit bürgerschaftlichem Engagement gegründet zu haben. Am
25. Juli laden sie zum Sommerfest ein, um ihr 20-jähriges Bestehen zu
feiern. Dass die Villa 2006 zum Museum werden konnte, verdankte sich der
Initiative, dem Enthusiasmus und der Hartnäckigkeit der MLG, 1995 von 15
Privatleuten gegründet. Die Villa war zu der Zeit vom Bezirk Zehlendorf an
einen Tauchclub vermietet. Die MLG wollte mit dem Haus nicht nur an [2][den
Künstler Max Liebermann] erinnern, sondern auch an die Geschichte des
Hauses, die von nationalsozialistischer Perfidie und späterer Verdrängung
der Erinnerung gekennzeichnet ist.
Max Liebermanns Witwe Martha war 1940 durch die Nationalsozialisten zum
Verkauf an die Reichspost gezwungen worden, ohne den Kaufpreis je zu
erhalten. Wirtschaftlich ruiniert, brachte sie sich vor ihrer Deportation
um. Die Nazis nutzten das Haus für ihre Propaganda, bis es als Lazarett und
schließlich nach Kriegsende als Krankenhaus genutzt wurde. 1951 erhielt die
Erbin, Liebermanns, Tocher Käthe Riezler, die rechtzeitig in die USA
emigriert war, die Villa in einem demütigenden Verfahren der
Wiedergutmachung zurück und verpachtete es an das Krankenhaus, bis sie das
Haus 1957 an das Land Berlin verkaufte. Es wurde unter die Verwaltung des
Bezirks Zehlendorf gestellt, der es an den Tauchclub vermietete und sich
lange gegen das Anliegen der MLG sperrte, hier einen Erinnerungsort für Max
Liebermann zu schaffen.
Seit ihrer Eröffnung im April 2006 aber hat sich die Villa Liebermann zu
einem beliebten Museum entwickelt, 70.000 Besucher kann sie im Jahr zählen.
Die Gärten, mit Gemüse- und Staudenbeeten vor dem Haus, die wie zu
Liebermanns Zeiten in wunderbaren Farben kombiniert sind, und die Wiese zum
See hin, von einem Birkenweg und einem Heckengarten gesäumt, sind ein
Gesamtkunstwerk, fast so, als könne man durch Liebermanns Gartenbilder
selbst laufen. Dank vieler Fotografien des Gartens und der Bilder Max
Liebermanns weiß man viel über seine historische Gestalt.
## Ehrenamtliche Mitarbeitende
Inzwischen kann das Museum mit 16 festen Stellen arbeiten, aber noch immer
findet das bürgerschaftliche Engagement, dem sich die Museumsgründung
verdankt, seine Fortsetzung in der Arbeit von 120 ehrenamtlichen
Mitarbeitenden. Sie verkaufen die Tickets im Gartenhaus und betreuen den
Shop, sie helfen den Gärtnern und machen Führungen.
Das „Herzblut“ und die „Liebe, die sie dem Haus entgegenbringen“, sind in
den Augen von Evelyn Wöldicke, Direktorin seit eineinhalb Jahren, prägend
für die gastliche Atmosphäre des Hauses. Auch finanziell sind die
Ehrenamtlichen ein wichtiger Faktor, ohne den das Haus, das keine
institutionelle Förderung erhält, sondern von Spenden, Stiftungen und
Eintrittsgeldern lebt, wirtschaftlich nicht über die Runden käme.
Die letzte große Spendenaktion galt dem Garten, der mit einem neuen
Bewässerungssystem auf die heißeren Sommer vorbereitet wurde und teils neue
Pflanzen brauchte, resistenter gegen Schädlinge, die sich mit dem
Klimawandel vermehrt haben. So kratzen auch an diesem Paradies die
Bedrohungen der Gegenwart.
## Intime Formate aus Skizzenbüchern
Die aktuelle Sonderausstellung hat etwas von einem leichten Windhauch, der
durch das Haus streicht. Sie gilt den Pastellen Max Liebermanns, intimen
Formaten aus den Skizzenbüchern, manchmal nur postkartengroß. Bewegte
Farbbänder deuten in den Gartenszenen blühende Stauden an, die Luft
flimmert über dem Strand in Holland. In vielen Sonderausstellungen hat das
Museum bisher das gesellschaftliche Umfeld Liebermanns erschlossen, über
das jüdische Leben in Berlin erzählt, über Kunsthandel und Kunstpolitik,
Künstlerbündnisse und Künstlerinnen.
Zum Jubiläum ist eine Publikation erschienen, „Haus. Kunst. Garten“. Sie
erläutert, wie sich in der Architektur Liebermanns Begeisterung für
Hamburger Elbvillen wiederfindet, wie erfolgreich seine Gartenbilder nach
kurzer Zeit am Kunstmarkt und in Ausstellungen waren, aber auch die
Geschichte der Villa, die sie nicht zuletzt zu einem Gedenkort macht für
ein liberales jüdisches Bürgertum.
23 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Ausstellung-in-der-Kunsthalle-Hamburg/!6140566
DIR [2] /Max-Liebermann-in-Potsdam-und-Berlin/!6159088
## AUTOREN
DIR Katrin Bettina Müller
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