# taz.de -- Migrant stirbt in Händen der Polizei: Krawalle in Bologna
> Nachdem ein von der Polizei gefesselter Marokkaner gestorben ist, sind
> Menschen in mehreren italienischen Städten auf die Straße gegangen. Teils
> knallt es.
IMG Bild: Nach dem Tod eines Migranten in Bologna: Demonstrierende zeigen, was sie von der Polizei halten
In Italien ist es nach dem Tod eines Migranten aus Marokko bei einem
Polizeieinsatz in mehreren Städten zu Protesten gekommen. In der
Universitätsstadt Bologna, wo der 42-Jährige am Sonntag starb, versammelten
sich mehrere Tausend Menschen in der Innenstadt. Auf Plakaten waren Parolen
wie „Wahrheit und Gerechtigkeit“ zu lesen. Sprecher der Familie forderten
Aufklärung.
Im Anschluss an die zunächst friedliche Kundgebung warfen einige Teilnehmer
nach Augenzeugenberichten Flaschen und Molotow-Cocktails auf die Polizei.
Nach einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wurden auch
die Fenstergitter von gepanzerten Polizeifahrzeugen abgerissen. Die Polizei
habe daraufhin Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt.
Nach Angaben der Rettungsdienste wurden mindestens elf Menschen verletzt,
sowohl Demonstranten als auch Polizisten. Der Anwalt der Familie des
Getöteten verurteilte die Krawalle.
## Fall sorgt in Italien für viele Schlagzeilen
Der Marokkaner war am Sonntag auf einer Straße in Bologna ums Leben
gekommen. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten auf den
Boden gedrückt wird. Seine Hände sind auf dem Rücken mit Handschellen
gefesselt. Mehrfach ruft er: „Hilfe! Genug, genug!“ Die Beamten lassen
jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich bereits nicht
mehr bewegt. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest.
Der Fall sorgt in Italien für viele Schlagzeilen, weil ein Fall von
exzessiver Polizeigewalt vermutet wird. Die rechte Regierung von
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sicherte „völlige Transparenz“ bei der
Aufklärung zu. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion der
Leiche. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten
Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, das von einem
Nachbarn gedreht wurde, ist in deren Besitz.
## Vorermittlungen gegen Beamte
Gegen die zwei Polizisten laufen inzwischen Vorermittlungen wegen
fahrlässiger Tötung, ebenso wie gegen insgesamt vier Sanitäter, die die
Szene dem Video zufolge zunächst nur beobachtet hatten. Für die Beamten
greift eine Regelung aus Italiens neuem Sicherheitsgesetz: Anders als
gewöhnliche Verdächtige werden sie nicht direkt in ein Ermittlungsregister
eingetragen, sondern in ein gesondertes Vorregister.
Dieses Vorregister wurde vor allem für Fälle geschaffen, in denen
Polizisten oder andere Amtsträger bei der Ausübung ihres Dienstes Gewalt
anwenden und auf den ersten Blick ein Rechtfertigungsgrund dafür
vorzuliegen scheint. Erst wenn sich später zeigt, dass dieser
Rechtfertigungsgrund doch nicht greift, wird ein reguläres
Ermittlungsverfahren eingeleitet. (dpa)
21 Jul 2026
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