URI: 
       # taz.de -- Jahrestag des Hitler-Attentats: Eklat bei Stauffenberg-Gedenken
       
       > Anlässlich einer Gedenkveranstaltung in Berlin wollte die AfD einen Kranz
       > niederlegen. Der Nachkomme eines NS-Widerständlers verhinderte das.
       
   IMG Bild: Tobias Korenke (2.v.r), Großneffe von Dietrich und Klaus Bonhoeffer, zerstört während der Gedenkveranstaltung im Bendlerblock den Kranz der AfD
       
       dpa, taz | Bei einer Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Jahrestag
       des gescheiterten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler ist es am
       Dienstag zu einem Eklat gekommen. Tobias Korenke, ein Großneffe des
       evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer,
       versuchte, ein Gebinde der AfD-Bundestagsfraktion an der Gedenkstätte im
       Bendlerblock in Berlin zu entfernen, wie ein Fotograf der Deutschen
       Presse-Agentur schilderte. Sicherheitsmitarbeiter gingen dazwischen. Bei
       dem Handgemenge wurde der Kranz beschädigt.
       
       Der dpa sagte Korenke: „Viele Nachkommen, und dazu gehöre auch ich,
       empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD hier Kränze
       ablegt. Das werden wir hier nicht akzeptieren.“
       
       Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestätigte, dass diese einen Kranz
       für die Gedenkstunde bereitgestellt hatte. Ob auch Fraktionsmitglieder
       anwesend gewesen seien, könne er nicht abschließend sagen. Der Leiter der
       Arbeitsgemeinschaft Geschichte der AfD-Fraktion, Götz Frömming, sagte, die
       Fraktion werde zu diesen offiziellen Gedenkfeiern als im Bundestag
       vertretene Partei eingeladen.
       
       Die Hauptrede der Gedenkveranstaltung hielt in diesem Jahr
       Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Sie stehe hier auch als
       „Bürgerin und als Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Shoah“, sagte
       sie. Die CDU-Politikerin berichtete davon, dass ihre Urgroßmutter im
       NS-Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde.
       
       ## „Dafür sind wir Demokraten“
       
       „Die Geschichte des Widerstands zeigt uns, Menschen werden nicht als Helden
       geboren, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, lange bevor Freiheit und
       Menschenwürde auf dem Spiel steht“, sagte die CDU-Politikerin. „Die
       Freiheit von morgen entscheidet sich in unserem Handeln heute.“
       
       Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Claus Schenk Graf von
       Stauffenberg vergeblich versucht, Diktator Hitler mit einer Bombe zu töten,
       die nationalsozialistische Herrschaft zu stürzen und den Zweiten Weltkrieg
       zu beenden. Stauffenberg und drei weitere Beteiligte wurden noch am Abend
       im Hof des Bendlerblocks in Berlin-Tiergarten erschossen. Heute hat das
       Bundesverteidigungsministerium seinen zweiten Dienstsitz im Bendlerblock.
       
       Ein Enkel Stauffenbergs, Karl Graf von Stauffenberg, sah Korenkes Aktion
       zwiespältig. Der AfD warf er vor, seinen Großvater für ihre Zwecke zu
       instrumentalisieren, und nannte das „widerlich“. Aber man dürfe „der AfD,
       glaube ich, nicht verwehren, einen Kranz niederzulegen“, sagte er im Sender
       Welt TV. „Dafür sind wir Demokraten, dafür müssen wir schauen, dass wir
       auch andersdenkende Menschen zu Wort kommen lassen.“
       
       21 Jul 2026
       
       ## TAGS
       
   DIR NS-Widerstand
   DIR Schwerpunkt AfD
   DIR NS-Gedenken
   DIR NSDAP
   DIR Konzentrationslager
   DIR Geschichte Berlins
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR NSDAP-Mitgliedskarteien: Echte Aufklärung oder Beruhigungspille?
       
       Halb Deutschland informiert sich gerade, ob Uropa Ernst oder Großtante Erna
       bei den Nazis mitgemacht haben. Warum dahinter mehr als nur Neugier steckt.
       
   DIR Kreisparteitag in Südniedersachsen: AfD will neben KZ-Gedenkstätte tagen
       
       Direkt neben der KZ-Gedenkstätte Moringen will die AfD einen Parteitag
       abhalten. Die Lagergemeinschaft protestiert, eine Demo und ein Fest sind
       angemeldet.
       
   DIR Eine in Vergessenheit geratene Heldin: Schuhe für Riefenstahl, Hilfe für Stauffenberg
       
       Katharina Winter versorgte die NS-Elite mit vornehmem Schuhwerk. Und die
       Verschwörer des 20. Juli 1944 mit logistischer und finanzieller Hilfe.