# taz.de -- Mexiko und die Fußball-WM: Wenig Grund zum Feiern
> Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum beging das Ende der
> Fußball-WM an Donald Trumps Seite. Allein während der WM wurden in ihrem
> Land drei Journalist*innen ermordet.
IMG Bild: Fifa-Präsident Infantino, US-Präsident Trump, Mexikos Präsidentin Sheinbaum und Kanadas Premierminister Carney beim WM-Finale
Was sie wohl dachte, als sie da stand im Stadion von New Jersey neben
Fifa-Chef Gianni Infantino, Melania Trump und deren Ehemann, also dem
Herrn, der für den Tod von mindestens 17 mexikanischen Migrant*innen
mitverantwortlich ist? Sie lächelte, aber richtig glücklich sah Claudia
Sheinbaum nicht aus, als sie am Sonntag dem Endspiel der
Fußballweltmeisterschaft der Männer beiwohnte. Alles wirkte wie ein
Pflichttermin, auch wenn die mexikanische Präsidentin dem spanischen
Kapitän Rodri als bestem Spieler den Goldenen Ball überreichen durfte.
Kurz vor dem WM-Showdown hatte Sheinbaums Regierung angekündigt, wegen der
17 getöteten Migrant*innen in den USA Anzeige gegen Beamt*innen der
berüchtigten Einwanderungs- und Zollbehörde ICE zu erstatten. Das dürfte
bei Präsident Donald Trump ebenso für Ärger gesorgt haben wie Sheinbaums
Weigerung, seiner Forderung nachzukommen und den [1][ehemaligen Gouverneur
Rubén Rocha Moya] an die US-Justiz auszuliefern, weil er für das kriminelle
Sinaloa-Kartell gearbeitet haben soll.
Dann sind da auch noch die regelmäßigen „Angebote“ Trumps, mit US-Truppen
in Mexiko gegen die Mafia vorzugehen. Und last not least verurteilte ein
US-Gericht just am Montag den [2][Mafia-Chef Ismael „El Mayo“ Zambada] zu
einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das könnte Sheinbaum eigentlich
gutheißen. Aber El Mayo ist wegen einer Kooperation zwischen Kartellbossen
und US-Geheimdienstlern auf mexikanischem Boden in die Hände der US-Fahnder
geraten. Insgesamt also wenig gute Gründe für Mexikos Präsidentin, mit
Familie Trump das WM-Finale zu feiern.
## Verschwindenlassen von Menschen
Und zu Hause, dem „besten Austragungsort des Wettbewerbs“, wie Sheinbaum
kundtat? Für jene, die zu Beginn der Meisterschaft mit Blockaden, Demos und
Plakaten weltweit auf die fürchterlichen Menschenrechtsverhältnisse in
Mexiko aufmerksam machten, hat sich das Rad aber schlicht weitergedreht.
Auch Sheinbaum weiß: Die Zahl der Verschwundenen ist seither weiter
angestiegen und erreicht bald 135.000. Und allein in den wenigen Wochen der
Meisterschaft wurden in ihrem Land drei Journalist*innen ermordet:
Roxana Guzmán im Bundesstaat Veracruz, Josué Martínez in Puebla und Alex
Serna in Guerrero.
Das massive Verschwindenlassen von Menschen und die anhaltenden teilweise
tödlichen Angriffe auf Medienschaffende sind zwei der eklatantesten
Verbrechen, die den Zustand der mexikanischen Gesellschaft auf den Punkt
bringen. In beiden Fällen zeigen sich die Behörden bestenfalls unfähig, die
potenziell Betroffenen zu schützen beziehungsweise die Verbrechen
aufzuklären. Häufig sind Beamte selbst involviert. Dass Sheinbaums
Regierung diesen korrupten Verhältnissen den Kampf angesagt hat, konnte
bisher wenig ändern, zumal viele ihre Parteifreund*innen selbst in
solche Geschäfte verstrickt sind.
Vier der acht Verdächtigen, die wegen der Ermordung der Reporterin Guzmán
festgenommen wurden, waren Polizisten. Über einen Monat verging zwischen
der Entführung und dem Zeitpunkt, an dem die Leiche der Journalistin
gefunden wurde. Doch obwohl die Spezialeinheiten der Sicherheitsbehörden in
die Suche eingebunden waren und sich Sheinbaum selbst um den Fall kümmerte,
konnte Guzmán nicht gerettet werden.
Wie ihre Kollegen Martínez und Serna publizierte sie lokale Nachrichten in
sozialen Netzwerken – und wurde so zur Zielscheibe lokaler Akteure, die
ihre Interessen mit allen Mitteln durchsetzen. Nicht selten kennen sich
Opfer und Täter seit dem Kindergarten. Der Journalist Serna musste wohl
sterben, weil er über [3][das umweltschädigende Verhalten eines
Unternehmens] recherchierte, das vermutlich von korrupten Beamten gedeckt
wurde.
Es sind diese Niederungen des Alltags, die die sich links verstehende
Regierung ebenso wenig in den Griff bekommt wie ihre konservativen und
wirtschaftsliberalen Vorgängerinnen. Und dann steht die Präsidentin neben
einem wildgewordenen Rechtsextremen, der mit unsinnigen Militäreinsätzen
droht und illegale Geheimdienstaktionen durchführen lässt, die rein gar
nichts mit der Lösung des sogenannten Drogenproblems zu tun haben. Nein,
man will wirklich nicht mit ihr tauschen.
21 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Wolf-Dieter Vogel
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