# taz.de -- Auf Druck der Bauernlobby: Frankreich erlaubt umstrittene Pestizide vorerst
> Mit einem Dringlichkeitsgesetz lässt Frankreich „ausnahmsweise“ die
> Verwendung von verbotenen Pestiziden zu. Die Agrarlobby hatte dafür Druck
> gemacht.
IMG Bild: Eine Haselnussplantage in Encausse-les-Thermes im Südwesten Frankreichs
Trotz der Opposition der linken Fraktionen und eines starken Widerstands
haben beide Kammern des französischen Parlaments eine
Dringlichkeitsgesetzgebung für die Landwirtschaft definitiv verabschiedet.
Diese soll auf die wichtigsten Krisen mehrerer Zweige der für Frankreich
ökonomisch bedeutsamen Landwirtschaft antworten.
Die verschiedenen Verbände der Landwirte hatten mit Kundgebungen und
Blockaden massiv Druck auf die Regierung ausgeübt und mit weiteren
Protesten gedroht. Namentlich die mit der extremen Rechten verbundenen
Gelbmützen der Coordination rurale waren dabei in den Vordergrund gerückt.
Die wesentlichen Vorschläge der Vorlage waren – wie eine Textanalyse der
Gegner belegt – vom sehr einflussreichen Großbauernverband FNSEA diktiert
worden.
Umstritten war vor allem die zeitlich befristete [1][Verwendung bestimmter
Pestizide], die wegen ihrer bekannten neurotoxischen Schäden in Frankreich
bereits verboten, [2][von der EU aber bisher noch zugelassen sind]. Es
handelt sich beispielsweise um die bei den Bienenzüchtern berüchtigten
Neonicotinoide, die sie kurzerhand als „Bienenkiller“ bezeichnen.
Die Haselnussproduzenten sagen, ohne diese Gifte könnten sie nicht mehr
überleben, denn sie [3][konkurrierten mit Nachbarländern]. Unter gewissen
Bedingungen und für eine befristete Periode sollen sie Neonicotinoide
verwenden dürfen. Eine ähnliche Ausnahmeregelung erhalten die Rübenbauern.
Dies entgegen den Warnungen von Ärzten und Umweltverbänden, die auf die von
Studien belegten gesundheitlichen und ökologischen Folgen hinwiesen.
## Gesetz möglicherweise verfassungswidrig
Der zweite Streitpunkt betrifft die riesigen Wasserbecken, die zur
Bewässerung in Dürreperioden ausgehoben werden sollen. Für Kritiker stellen
sie eine Art Privatisierung des zunehmend knappen Wassers für die
Landwirtschaft dar. Auch seien sie aus ökologischer Sicht Unsinn, denn es
sei gescheiter, wenn sich die Landwirte mit dem Anbau von Pflanzen mit
weniger Wasserbedarf anpassen.
Eine erste Variante des Gesetzes war in den wesentlichen Punkten vom
obersten Verfassungsgericht zurückgewiesen worden. Ob die letzte Version,
die den Einwänden der Verfassungsrichter Rechnung tragen soll, der Prüfung
Stand hält, ist ungewiss
22 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Forderung-von-Aktivisten-zu-Pestiziden/!6177040
DIR [2] /Umstrittener-Vorschlag-der-EU-Kommission/!6176326
DIR [3] /Bundesagrarminister-Alois-Rainer/!6139615
## AUTOREN
DIR Rudolf Balmer
## TAGS
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Schwerpunkt Frankreich
DIR Insektizide
DIR Agrarpolitik
DIR Schwerpunkt Pestizide
DIR Schwerpunkt Glyphosat
DIR Argentinien
DIR Schwerpunkt Pestizide
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Trotz Sieg vor höchstem US-Gericht: Viele Glyphosat-Klagen gegen Bayer laufen weiter
Fehlende Warnhinweise des Chemiekonzerns sind zwar jetzt als Klagegrund
ausgeschlossen – nicht aber andere Ansprüche wegen Krebs durch das
Pestizid.
DIR Landwirtschaft in Argentinien: Prozess wegen rechtswidrigen Einsatzes von Pestiziden
Ein Gericht spricht zwar 7 von 9 Angeklagten frei, verurteilt aber
städtische Angestellte wegen Pflichtverletzung. Diese Perspektive ist neu.
DIR Studie zu Pestiziden: Gift in der Kaffeetasse
Wer konventionellen Kaffee kauft, muss mit Pestizidrückständen rechnen, die
in der EU verboten sind. Die schlimmsten Folgen erleiden die Bäuer*innen.