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       # taz.de -- Berentzen macht kaum Plus: Der Schnaps braucht eine Zukunft
       
       > Der börsennotierte Getränkehersteller Berentzen muss seine
       > Gewinnerwartung korrigieren. Schuld hat der Verbraucher, nicht das
       > Produkt oder seine Qualität.
       
   IMG Bild: Boshafte nennen den süßlichen Geruch müllig: Berentzen-Likorfläschchen auf dem Boden
       
       Bei uns hieß er immer nur Abfallkorn. Aber das sind halt so jugendliche
       Sauferfahrungen, die nichts mit der Realität gemein haben. In Wirklichkeit
       hat der 1758 im emsländischen Haselünne gegründete Fuselbrenner Berentzen –
       das ist keine Beschimpfung, das ist die historisch korrekte Benennung – gut
       220 Jahre später mit der Parfümierung des Korns mit zuckrigem Apfelextrakt
       den Spirituosenmarkt revolutioniert.
       
       Denn damit war der zum Likör downgegradete Schnaps plötzlich [1][etwas für
       die hoffnungslose Jugend] geworden. Und wer sich an die
       Herstellerempfehlung hält, den Absacker „gut gekühlt als Kurzen“ zu
       kredenzen, der hat auch nicht das Problem mit dem süßlichen Geruch, der
       boshaft mitunter als müllig beschrieben wird.
       
       Mit der Qualität der Kernprodukte kann es also nichts zu tun haben, dass
       der börsennotierte Getränkehersteller ins Schwanken gerät: Schuld ist das
       gewachsene Gesundheitsbewusstsein. Mitfühlende Regionalfernsehsender
       beklagen, dass er unter einer allgemeinen [2][Konsumflaute leide].
       
       Dass weniger gesoffen wird, entspricht einem langjährigen Trend. Den hatte
       auch das Fuselbrennermanagement bereits bemerkt: „Die Dynamik der
       Marktentwicklungen ist aber deutlich ausgeprägter als erwartet“, sagte
       Berentzen-Vorstandschef Oliver Schwegmann der Deutschen Presse-Agentur bei
       einer Preview auf die Halbjahreszahlen, die Mitte August präsentiert
       werden. Demnach ist der Umsatz um mehr als elf Prozent auf 71 Millionen
       Euro geschrumpft, der Betriebsgewinn sogar um 80 Prozent auf gerade einmal
       600.000 Euro eingebrochen.
       
       Auch die Aktie, die vor zehn Jahren noch mit 12,50 Euro gehandelt wurde,
       torkelt gegenwärtig irgendwo zwischen 3,20 und 3,05 herum. Selbst die
       Korrektur der Jahresprognose von erwarteten siebeneinhalb bis neun
       Millionen auf dreieinhalb bis fünf Millionen Euro Profit vor Steuern wirkt
       da noch immer, als hätte sie sich jemand schöngesoffen.
       
       Sofern man es nicht vergessen hat, ließe sich auch fragen, ob man sich mit
       der Festlegung der Dividende im Frühjahr auf elf Cent pro Aktie nicht sich
       und den seinen ein allzu billiges Rauschmittel eingeschenkt hat.
       Andererseits ist das ja offenbar die deutsche Managementschule, VW verfährt
       ja in größerem Maßstab ähnlich, und die machen immer alles richtig.
       
       ## Kampf gegen die Konsumenten
       
       „Berentzen [3][kämpft mit Absatzflaute“], heißt es beim NDR über die
       Bemühungen des Traditionsunternehmens, und die Vokabel stimmt: Nicht das
       Produkt ist falsch. Sondern die Konsumenten, die sich ihm verweigern, gilt
       es zu besiegen. Ähnlich wie die Urabeños in Kolumbien gegen den Minustrend
       auf dem Koksmarkt, wenn auch nicht so brachial, geht daher die Leitung des
       operativen Geschäfts in Haselünne gegen das schwindende [4][Interesse am
       Erwerb von Alkoholismus vor].
       
       Das zeigt sich durch verheißungsvolle Produktentwicklungen, die bald zu
       einer Renaissance der Freude am Besinnungslossaufen führen müssen. So sind
       neu im Sortiment „echte Hingucker“ wie der mit 20 schnapsgefüllten
       Fläschchen bestückte Berentzen-Party-Hosenträger und der einem Patronengurt
       nachempfundene Berentzen-Party-Gürtel mit 24 Shots à 0,02 Liter.
       
       Damit belegt die Marke Berentzen, dass sie weiterhin „Geselligkeit und
       Lebensfreude“ hochhält. Dass man mit ihr „nach Lust und Laune losfeiern“
       kann, was doch [5][gerade junge Menschen begeistern] sollte. Auch hält sie
       die Werte des Miteinanders und des Teilens hoch. Und das ist doch allemal
       wichtiger, als irgendwelche Qualitätsfragen. Das muss einfach Erfolg haben.
       Sonst wäre das alles einfach nur zum Kotzen.
       
       21 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kampftrinken-ist-ein-richtiger-Trend/!304218&s=Berentzen/
   DIR [2] https://www.sat1regional.de/artikel/berentzen-leidet-unter-konsumflaute-gewinnziel-gekappt
   DIR [3] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/haseluenne-berentzen-kaempft-mit-absatzflaute,berentzen-106.html
   DIR [4] /Trinken-in-Norddeutschland/!5526612
   DIR [5] /WDR-Hoerspiel-Forever-Club/!5913738
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Benno Schirrmeister
       
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