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       # taz.de -- Gentest für Tennisprofis: Feindbild Transfrau
       
       > Tennisprofis sollen künftig ihr Geschlecht per Gentest beweisen. Dabei
       > geht es nicht um „fairen Wettbewerb“, sondern um transfeindliche
       > Symbolpolitik.
       
       Profi-Tennisspielerinnen müssen in Zukunft für die Teilnahme bei Turnieren
       einen Gentest absolvieren, um zu beweisen, dass sie auch wirklich Frauen
       sind. Das bestätigte die Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen
       Women’s Tennis Association (WTA) der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.
       Die Entscheidung der [1][WTA geht auf Druck der USA zurück]. Internationale
       Sportverbände folgen so dem Trump’schen Vorbild und stürzen sich wieder
       einmal auf eine der vulnerabelsten Gruppen: trans Menschen.
       
       Der Versuch, die Kategorie Frau so weit zu verengen, dass nur noch das
       heteronormative Idealbild übrig bleibt, ist dabei weit von der biologischen
       Realität und gelebter Inklusion entfernt. Bisher durften trans Frauen an
       WTA-Turnieren teilnehmen, wenn sie ihr Geschlecht als weiblich angegeben
       hatten und einen niedrigen Testosteronspiegel nachweisen konnten. Mit der
       Änderung der Richtlinien werden sie allerdings faktisch ausgeschlossen.
       Damit reiht sich der internationale Tennissport bei den Sportarten
       Leichtathletik und Boxen ein, die in den vergangenen Jahren bereits
       ähnliche Regelungen verabschiedet haben.
       
       Da empfiehlt sich ein Realitätscheck: Nur ein kleiner Anteil der
       internationalen Profi-Sportler*innen ist trans. Beim Tennis ist
       beispielsweise keine einzige trans Frau bekannt, die gerade an
       WTA-Turnieren teilnimmt.
       
       Auch die Ergebnisse von trans Athlet*innen fallen genauso aus wie die
       ihrer cisgeschlechtlichen Mitstreiter*innen: Mal gewinnen sie, mal
       verlieren sie. Nur: Wenn sie verlieren, ist das mediale Interesse gleich
       null. Erst kürzlich erschien eine [2][Metaanalyse], die 50 Studien heranzog
       und zu dem Schluss kam, dass trans Frauen keinen sportlichen Vorteil
       gegenüber cis Frauen haben.
       
       ## Gentests sind verkürzt
       
       Das Argument des unfairen Wettbewerbs ist also mehr Schauergeschichte als
       ein reales Problem. Allerdings hält sich die Debatte über womögliche
       körperliche Vorteile von trans Menschen gegenüber cis Menschen hartnäckig.
       
       Solche Maßnahmen werden dazu beitragen, dass es so bleibt: Der SRY-Gentest,
       der von der WTA jetzt wieder herangezogen wird, wurde in den 90er-Jahren
       bereits im Profisport genutzt, aber dann abgeschafft. Selbst der
       [3][Wissenschaftler], der das entsprechende Gen entdeckte und bis heute
       daran forscht, nennt den Test zu verkürzt, um jemanden als „biologische
       Frau“ zu kategorisieren. Er würde nichts darüber aussagen, ob das Gen auch
       funktioniere, ob sich Hoden gebildet haben und ob mehr Testosteron
       produziert werde oder nicht.
       
       Außerdem wird bei der Debatte verkannt, dass es – auch biologisch gesehen –
       nicht nur zwei Geschlechter gibt. Wir haben zwar zwei
       Geschlechterkategorien, die aus dem Mittelwert vieler Daten ermittelt
       wurden. Aber neben Frauen mit hohem Testosteronwert gibt es eben auch
       Männer mit einem schmalen Knochenbau und Frauen, die XY-Chromosomen
       aufweisen.
       
       Jeder Körper ist individuell und bringt in jeder Sportart seine eigenen
       Vor- und Nachteile mit sich. Dass Sportverbände und die Politik aber
       weiterhin auf einen vermeintlichen Standard pochen, den es in der Realität
       nicht gibt, zeigt vielleicht eher, wie sie an die Grenzen des
       gesellschaftlich binären Geschlechtersystems stoßen.
       
       ## „Schutz“ durch Drangsalierung
       
       Um die Einführung von Gentests und das transfeindliche Vorgehen zu
       rechtfertigen, wird nur allzu gern das Argument herangezogen, Frauen,
       beziehungsweise den Frauensport „schützen“ zu wollen. Dass aber gerade
       dieses Vorgehen in der Vergangenheit dazu geführt hat, dass Menschen
       erniedrigende Prozeduren durchmachen mussten, um ihr Geschlecht zu
       „beweisen“, ihnen eine Hormontherapie angedreht wurde oder Frauen anhand
       ihres Erscheinungsbilds ihr Frausein abgesprochen wurde, wird dabei gern
       vergessen.
       
       Die WTA schreibt, dass sie sich dessen bewusst sei, dass es sich um ein
       sensibles und komplexes Thema handele. Und dass sie sich dazu verpflichte,
       alle Spielerinnen mit Würde und Respekt zu behandeln. Aktuell ist davon
       wenig zu sehen.
       
       22 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Geschlechtstest-im-Tennis/!6197895
   DIR [2] https://bjsm.bmj.com/content/60/3/198
   DIR [3] https://www.quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/sry-gentest-leichtathletik-geschlecht-frauen/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Selina Hellfritsch
       
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