# taz.de -- Tödliche Polizeigewalt in Italien: Bitter notwendiger Protest
> Nach dem Tod eines Migranten bei einer Festnahme in Bologna legitimiert
> die Rechte die Gewalt – nicht zum ersten Mal. Doch Italiens
> Zivilgesellschaft lebt.
IMG Bild: Diese Italiener erheben sich gegen die Polizei: Protest in Bologna
Zu Tausenden strömten am Montagabend die Bürger*innen in Bologna
zusammen, um eines Polizeiopfers zu gedenken. Der 43-jährige Abderrahim
Fakir hatte am Vortag seine Festnahme durch zwei Polizisten nicht überlebt.
Bologna und andere Städte reagierten mit Entsetzen, Anteilnahme und
Solidarität für die Familie, die Aufklärung fordert.
Dies zeigt: Italiens Zivilgesellschaft lebt, auch unter der Regierung
[1][der Postfaschistin Giorgia Meloni]. Zugleich zeigen die Reaktionen aus
dem politischen Raum, wie bitter notwendig dieser Protest ist. Kaum machte
die Meldung vom Tod Fakirs die Runde, schon dekretierte Galeazzo Bignami,
Fraktionsvorsitzender der Meloni-Partei Fratelli d’Italia im
Abgeordnetenhaus, der Polizeieinsatz sei „völlig professionell“ abgelaufen.
Bignami forderte dann auch gleich noch den Rücktritt des linken
Bürgermeisters von Bologna, weil der zu der Trauerkundgebung aufgerufen
hatte. Und Vize-Ministerpräsident [2][Matteo Salvini von der Lega] schmähte
den Protest von Bologna als „anti-italienisch“.
Ein zweiter Fall, der in diesen Tagen Italien bewegt, zeigt, dass die
Rechten Gewalt immer dann legitimieren, wenn sie in ihren Augen die
„Richtigen“ trifft. Am vergangenen Freitag musste ein Juwelier die Haft
antreten, verurteilt zu 14 Jahren wegen Totschlags, weil er zwei Raubtäter
erschossen hatte, nicht in Notwehr, sondern als Exekution, als sie schon
flohen. Doch Italiens gesamtes Regierungslager schreit auf, erklärt den
Juwelier zum Opfer, fordert seine sofortige Begnadigung durch den
Staatspräsidenten.
Beide Fälle eint die Gleichgültigkeit gegen Recht und Gesetz, beide Male
maßt sich die (rechte) Politik an, Freisprüche im Schnellverfahren zu
formulieren, für die Polizisten von Bologna genauso wie für den Juwelier.
Mitleid gebührt in dieser Logik den Polizisten, dem Juwelier – nicht den
Toten, auch wenn Abderrahim Fakirs einzige Schuld darin bestand, [3][sich
in einem psychischen Ausnahmezustand zu befinden]. Umso wichtiger ist es,
dass die Menschen in Bologna mit ihrem Protest so deutlich reagieren.
21 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Michael Braun
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