# taz.de -- Kinofilm „Toy Story 5“: Die Screens haben gewonnen
> In der fünften „Toy Story“ müssen sich die Spielzeuge gegen die Übermacht
> von Social Media im Kinderzimmer wehren. Das hat immer noch Witz und
> Charme.
IMG Bild: In „Toy Story 5“ bekommen die Spielzeuge Konkurrenz durch Bildschirme
Es geht um die Frage, wer man ist ohne Familie und Kinder, um die Sorge
darüber, dass die eigene Ära zu Ende geht, und um die Abenteuer einer
turbulenten, von Hindernissen geprägten Heimfahrt. Die Rede ist hier nicht
von der [1][„Odyssee“], sondern von „Toy Story 5“.
Tatsächlich wundert man sich, dass die antiwoke Rechte sich in den USA auf
Christopher Nolan stürzte und nicht auf den dort bereits vor Wochen
gestarteten neuesten Animationshit aus dem Hause Pixar. Denn obwohl Filme
mit Pixar-Logo seit jeher eine Tendenz zu so „linksliberalen“ Ideen wie
Gleichberechtigung und Respekt vor Minderheiten an den Tag legen, hat der
vertraute „Toy Story“-Plot hier noch mal ein quasifeministisches Make-over
erhalten.
Im Zentrum der Spielzeugwelt steht nun endgültig nicht mehr der
John-Wayne-hafte weise Cowboy Woody oder sein angeberischer Kumpelastronaut
Buzz Lightyear, sondern das taffe – was sonst – Cowgirl Jessie, dessen
„Lebenstrauma“ daraus bestand, einst von „ihrem Kind“ Emily verlassen,
beziehungsweise gespendet worden zu sein.
Auch die Kinderfigur, um die herum sich das Tun der Spielzeuge diesmal
konzentriert, ist ein Mädchen, die achtjährige Bonnie. Und wenn sie spielt,
verheiratet sie gern den zu „Forky“ umgestalteten Plastiklöffel mit
„Karen“, dem verunstalteten Plastikmesser. Aber sie ist emanzipiert genug,
um den Dino dabei wegen vergifteter Hochzeitstorte ohnmächtig werden zu
lassen, woraufhin Cowgirl Jessie den Wiederbelebungsversuch startet – bevor
Angeber Buzz herbeigeflogen kommt.
## Ein technisches Update, um Freunde zu finden
So actionreich und frech ihre Spielzeuginszenierung ist, so schüchtern ist
Bonnie im richtigen Leben. Zu den gerade gegenüber eingezogenen
Jungszwillingen Kontakt aufzunehmen traut sie sich nicht. Ihre Eltern
fragen sich besorgt, ob das kleine Mädchen je Freunde finden wird – und
entschließen sich schweren Herzens zu einem technischen Update, das Abhilfe
verspricht.
Ein sogenanntes „Lilypad“ hält Einzug im Hause Bonnie; ein iPad, das mit
seinen Möglichkeiten der sozialen Vernetzung prompt die erwünschte Wirkung
zeigt. Bonnie chattet und postet bald den ganzen Tag mit virtuellen
Freunden. Was allerdings zwei erhebliche Nachteile hat: Sie lässt die
Spielzeuge links liegen und schaut von früh bis spät nur noch ins iPad –
und sie erfährt dort ebenfalls sehr bald, dass man virtuell auf noch viel
schlimmere Weise ausgelacht werden kann als im richtigen Leben.
Jessie ist dementsprechend entsetzt und bekümmert sowohl über das Wohl von
Bonnie als auch über die Frage der eigenen Überflüssigkeit. Ein Trip aufs
Dach mit Blick über die Nachbarschaft enthüllt: Überall sitzen die Kinder
nur noch vor ihren Geräten. Die Screens haben übernommen!
## Auch Disney und Pixar haben Schuld
Dass „Toy Story 5“ damit zum Thema macht, was gerade großes Debattenthema
ist, unter anderem bei der Frage, ob es eine [2][Altersbeschränkung für
Social Media] geben sollte, wirkt, wenn nicht gar heuchlerisch, dann doch
zumindest wie Selbsttäuschung. Daran, dass Kinder heutzutage Screens aller
Art so gern haben, haben schließlich Disney und Pixar durchaus auch ein
bisschen Schuld.
Natürlich ist „Toy Story 5“ fortschrittlich genug, um nicht einfach alles
Technische abzulehnen und das Spielen mit „fantasievollen“ Spielzeugen wie
Cowgirl und Kartoffelmann – der leider nur ein kurzes Cameo hat – zum
Nonplusultra zu erklären.
Ein hübscher Einfall ist zum Beispiel, dass Jessie auf ihrer Mission, ihre
Bonnie vor den Übeln der neuen Technik zu retten, auf einem Bauernhof
landet und dort in einer alten Kiste das abgelegte Technospielzeug des
Mädchens Blaze findet: ein elektronisches Töpfchentrainingsspielzeug namens
„Schlaumeier“, eine Spielzeugkamera namens Schnappi und ein
Nilpferdkopf/GPS-Spielzeug, das Atlas gerufen wird. Die „obsolete“ Technik
darf im Kampf für Bonnies Glück noch einmal glänzen, auch wenn deutlich
wird, dass sie in Wahrheit noch mehr aus der Mode gekommen sind als Cowgirl
und Co.
Rückblickend war die größte Stärke der „[3][Toy Story“-Erzählungen] immer,
dass ihre Geschichten stark von Persönlichkeiten getrieben waren, die über
die relative Simplizität der Hauptmetapher – bei der die Spielzeuge die
Elternstelle einnehmen, die melancholisch das Erwachsenwerden ihrer Kinder
beobachten, die sie nicht mehr brauchen – hinwegtäuschten. „Toy Story 5“
ist immer noch ein Animationsfilm voll Charme und Witz, der Kinder und
Erwachsenen etwas geben kann. Aber anders als seine Vorläufer kommt sein
Plot nahezu ohne Überraschungen aus.
Mit Melancholie nimmt man wahr, dass die Spielzeuge selbst erstaunlich
wenig zur Geltung kommen. Auf die Frage, wie man denn nun mit iPads und
i-Konsorten verfahren soll, gibt es nur eine Standardantwort: Auch bei
Freundschaften im digitalen Raum sei darauf zu achten, immer man selbst zu
bleiben. Dass das nicht alles sein kann, dafür liefert „Toy Story 5“ den
Beweis, denn vor lauter Treue zum Franchiserezept traut sich der Film zu
wenig Neues.
22 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Barbara Schweizerhof
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