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       # taz.de -- Nach tagelangen Protesten in der Ukraine: Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj
       
       > Nach Verteidigungsminister Fedorow entlässt Selenskyj auch den
       > umstrittenen Olexander Syrskyj. Und hat mit Mychajlo Drapatyj schon einen
       > neuen Oberbefehlshaber.
       
   IMG Bild: Selenskyj ernennt den neuen Armeechef Mychajlo Drapatyj
       
       ap | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Oberbefehlshaber
       der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, entlassen. Zuvor hatte
       die Entscheidung Selenskyjs, den beliebten Verteidigungsminister Mychajlo
       Fedorow abzusetzen, der sich mit Syrskyj überworfen hatte, in der Ukraine
       [1][zu einer innenpolitischen Krise und tagelangen Straßenprotesten
       geführt]. Demonstranten hatten dabei auch die Ablösung Syrskyjs gefordert.
       
       Neuer Armeechef soll Mychajlo Drapatyj werden, wie Selenskyj am Dienstag in
       sozialen Medien mitteilte. „Unser gemeinsamer Wunsch ist einer: der Sieg
       über den Feind und Bedingungen an der Front sowie Druck auf Russland, die
       Russland zum Frieden zwingen würden“, schrieb Selenskyj. Der ukrainische
       Präsident erklärte, er habe die Entscheidung nach einer Reihe von
       Gesprächen mit Militärkommandeuren getroffen.
       
       ## Kritik an Syrskyj hatte zugenommen
       
       Der Streit zwischen Syrskyj, der seine Militärkarriere noch in der
       Sowjetunion begann, und dem früheren Verteidigungsminister Fedorow hat
       [2][tiefe Spannungen zwischen der alten Garde des Militärs und jungen
       Innovationstreibern] offengelegt.
       
       Syrskyj wird seit Langem mit einer sowjetisch geprägten, stark
       hierarchischen Führungskultur in Verbindung gebracht. Viele Demonstranten
       forderten eine neue Generation von Generälen, die stärker auf den Schutz
       von Soldatenleben achten solle.
       
       Innerhalb des Militärs erhielt Syrskyj den umstrittenen Spitznamen
       „Fleischer“, der sich insbesondere während seiner Führung der Verteidigung
       von Bachmut verbreitete – einer der längsten und verlustreichsten
       Schlachten des Krieges.
       
       Sein ohnehin schwieriger Ruf in der Öffentlichkeit wurde weiter beschädigt,
       als das ukrainische Medium „Babel“ im Juni eine Recherche über Vorwürfe von
       Misshandlungen innerhalb des Sturmregiments Skelja veröffentlichte. Die
       Einheit steht in enger Verbindung zu Syrskyj und soll überdurchschnittlich
       hohe Verluste erlitten haben. Die Untersuchung dokumentierte Dutzende
       Todesfälle unter Rekruten.
       
       ## Fedorow stellte sich öffentlich gegen Syrskyj
       
       Vor seiner Entlassung hatte Fedorow Syrskyj öffentlich kritisiert. Er warf
       ihm vor, Reformen zu blockieren, und erklärte, ein Wechsel an der Spitze
       sei notwendig, damit die Ukraine ihren [3][Widerstand gegen Russland]
       fortsetzen könne.
       
       Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind überzeugt, dass Fedorow der Ukraine
       durch die Förderung innovativer Drohnentechnologie in seiner nur
       sechsmonatigen Amtszeit Vorteile auf dem Schlachtfeld verschafft hat. Aus
       Sicht von Beobachtern ging er zudem gegen Korruption innerhalb des Militärs
       vor.
       
       ## Selenskyj fordert neue Verteidigungsstrategie von Drapatyj
       
       Selenskyj erklärte, Drapatyj und andere Kommandeure müssten eine
       aktualisierte Verteidigungsstrategie vorlegen. Dazu gehörten eine weitere
       Reform des Korpssystems, schnellere Lieferungen von Waffen und Drohnen,
       eine stärkere Luftabwehr gegen russische Angriffe sowie ein klarerer
       Mobilisierungsplan.
       
       Drapatyj schrieb auf Facebook, der Dienst für die Ukraine sei für ihn
       „immer eine Ehre gewesen und bedeute in diesem Krieg um die Unabhängigkeit
       absolute Verantwortung“. Er dankte Syrskyj für dessen kontinuierliche
       Arbeit zur Stärkung des ukrainischen Militärs.
       
       „Ich bin darin aufgewachsen“, schrieb Drapatyj mit Blick auf die Armee.
       „Ich werde verantwortungsvoll, konzentriert und mit Respekt für die
       Menschen arbeiten, die unseren Staat heute verteidigen.“
       
       ## Zukunft des früheren Verteidigungsministers bleibt offen
       
       Selenskyj traf sich am Dienstag zudem separat mit Fedorow und bot ihm nach
       eigenen Angaben eine angesehene Position in der Regierung an, die den
       Technologiesektor des Landes zusammenführen solle. Unklar blieb, ob Fedorow
       das Angebot annahm und ob die Maßnahmen die Proteste beenden können.
       
       Fedorow gratulierte Drapatyj und bezeichnete dessen Ernennung als „neue
       Hoffnung im Kampf freier Menschen für Freiheit und Gerechtigkeit“ sowie als
       „Stimme für Veränderung, die nicht ungehört bleiben konnte“.
       
       22 Jul 2026
       
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