# taz.de -- Als erstes EU-Land: Frankreich verbietet soziale Medien für unter 15-Jährige
> Nach langem Ringen beschließt Frankreich ein Social-Media-Verbot für
> unter 15-Jährige. Auch andere EU-Länder denken über ähnliche Schritte
> nach.
IMG Bild: So hat die Nationalversammlung abgestimmt
afp | Als erstes EU-Land hat Frankreich ein [1][Social-Media-Verbot für
Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren] beschlossen. Der französische Senat
und die Nationalversammlung in Paris stimmten am Dienstag mit breiter
Mehrheit für ein entsprechendes Gesetz. Auf Wunsch von Präsident Emmanuel
Macron soll das neue Verbot bereits nach den Sommerferien in Kraft treten.
Der Senat sprach sich am Nachmittag mit 243 zu zwei Stimmen für den Entwurf
aus. Die Nationalversammlung stimmte dann am Abend mit 279 zu 81 Stimmen
für das Verbot.
Präsident Macron sprach nach der Verabschiedung des Gesetzes von einem
„großen Fortschritt“. „Frankreich öffnet in Europa den Weg für den Schutz
unserer Kinder, unserer Jugendlichen“, sagte er in einem Onlinevideo.
Macron, der bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 nicht mehr
antreten darf, hatte das Gesetz zu einer Priorität seiner in weniger als
einem Jahr endenden Präsidentschaft erklärt.
## Schutz der mentalen Gesundheit von Jugendlichen
Für neue Social-Media-Konten soll das Gesetz ab dem 1. September gelten,
für bestehende Konten soll es eine Übergangsfrist von vier Monaten bis zum
1. Januar 2027 geben. In dieser Zeit „werden wir die schon existierenden
Konten von unter 15-Jährigen schließen“, hatte Macron vergangenen Monat
gesagt.
Zudem sieht das Gesetz eine Ausweitung des Verbots von Mobiltelefonen in
Schulen von der Grund- und Mittelstufe auch auf die Oberstufe vor.
Ausnahmeregelungen sind aber erlaubt.
Ziel des Gesetzes ist es, gesundheitsschädliche Auswirkungen der
Onlinenetzwerke auf Heranwachsende zu vermeiden. Laut einem Bericht der
nationalen Gesundheitsbehörde schadet die Nutzung der mentalen Gesundheit
von Jugendlichen erheblich.
Zu den Risiken zählen etwa Cybermobbing, das ständige Vergleichen mit
anderen oder mit teils unrealistischen Vorbildern sowie brutale Inhalte.
Zudem saugen die Algorithmen laut der Studie die Aufmerksamkeit junger
Menschen ein und bringen sie häufig um ihren Schlaf.
## Zur Umsetzung sind die Plattformen gefragt
Strafmaßnahmen für Kinder und Eltern sind in dem Gesetzentwurf nicht
vorgesehen. Stattdessen wird es Aufgabe der Plattformen sein, ein System
zur Altersüberprüfung einzurichten – gegebenenfalls mehrere parallel, um
den Nutzerinnen und Nutzern eine Wahl zu lassen.
Neben privaten Anbietern hat auch die EU-Kommission eine App entwickelt,
die das Alter auf dem Smartphone speichern und alle verbotenen Apps
automatisch sperren soll. Der französische Gesetzentwurf sieht einige
Ausnahmen vor, etwa für „Online-Lexika“ und „digitale Projekte für
Bildungszwecke“.
Die EU-Kommission hatte Frankreich vor zwei Wochen aufgefordert, es müsse
sein Gesetz für ein Social-Media-Verbot nachbessern. Der bis dahin
vorliegende Entwurf des Senats sei nicht vollständig mit EU-Recht
vereinbar, weil er in Kompetenzen der Brüsseler Kommission eingreife.
Vergangene Woche sprach sich zudem ein europäisches Expertengremium für ein
Social-Media-Verbot in der EU für Kinder unter 13 Jahren aus. Darüber
hinaus seien in den Mitgliedsländern Beschränkungen für ältere Jugendliche
denkbar, solange Onlinedienste sie nicht vor Suchtgefahren,
Gewaltdarstellungen und Hassrede schützten.
Als erstes Land weltweit hatte [2][Australien im vergangenen Dezember ein
Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft
gesetzt]. Eine im Juni veröffentlichte Studie zeigte aber, dass das Verbot
wenig Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten von Teenagern bei Angeboten
wie Instagram, Facebook und Tiktok hatte. Minderjährige Nutzer umgehen
demnach die per Gesetz erlassenen Beschränkungen, indem sie beispielsweise
Fake-Accounts erstellen oder Konten nutzen, die auf ältere Personen
registriert sind.
In vielen anderen Ländern wird inzwischen über Beschränkungen von
Onlineplattformen für Kinder und Jugendliche [3][bis hin zu Verboten
debattiert – auch in Deutschland].
22 Jul 2026
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