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       # taz.de -- Queeres Theater in der Kirche: Die Kirche sagt Sorry
       
       > Queer, bunt, musikalisch: Das Theaterstück „Queeratorio“ in der
       > Neuköllner Genezarethkirche lädt dazu ein, über Gemeinschaft und Glauben
       > nachzudenken.
       
   IMG Bild: Der Cast von „Queeratorio“ muss nicht alleine agieren: Auch das Publikum ist eingeladen, mitzusingen
       
       Die Genezarethkirche am Herrfurthplatz in Neukölln ist am
       Mittwochnachmittag Ort einer besonderen Veranstaltung: Hier bereiten sich
       die Mitwirkenden des Theaterstücks „Queeratorio“ auf ihre Aufführung vor.
       Premiere hatte das Stück bereits am 1. Juni, zwei weitere Vorstellungen
       finden an diesem Donnerstag und Freitag statt.
       
       Im Inneren der Kirche fehlen die Sitzbänke. Stattdessen ist ein
       rosafarbener Teppich ausgelegt, bunte Sitzkissen liegen verstreut herum.
       Überhaupt erinnert wenig an eine Kirche. Nur der Altar mit Bibel,
       brennenden Kerzen und hölzernem Kreuz deutet darauf hin, dass es hier
       zumindest sonntags heilig zugeht.
       
       Auf dem Teppich hüpft das Ensemble auf und ab, Arme und Beine werden
       geschüttelt, mit den Lippen geprustet. Alle tragen bequeme, bunte Kleidung.
       Unter ihnen ist Pfarrerin Anja Siebert-Bright. Sie ist Teil des
       evangelischen Kirchenkreises Neukölln und auch der Show: Im Laufe des
       Abends wird sie einen Ausschnitt aus der offiziellen Entschuldigung der
       EKBO – der Evangelischen Landeskirche – für das Unrecht, das die Kirche
       queeren Menschen angetan hat, verlesen. Ein kleiner Schritt in die richtige
       Richtung – Papst Leo dagegen möchte schwule Paare ja nicht einmal segnen.
       
       Künstler*in Fifi Rutkowski hat das Theaterstück auf die Beine gestellt.
       „Die Idee für „Queeratorio“ hatten wir schon vor Jahren“, sagt Rutkowski.
       „Viele queere Menschen haben eine schwierige Beziehung zu Christentum. Das
       wollten wir aufgreifen, zum einen durch das Entschuldigen, aber auch, indem
       wir durch Musik und Spaß zueinander finden.“ Wichtig war auch, dass das
       Team um „Queeratorio“ möglichst divers sei: Die Mitwirkenden kommen von
       überall aus der Welt, sind lesbisch, schwul, nichtbinär und trans.
       
       ## Kirche für alle
       
       Danilo Timm war auch an der Gründung des Projekts beteiligt und ist für die
       Musik zuständig. Weil Timm den Chor „Heart Chore“ leitet, der dort schon
       seit zwei Jahren probt, gab es überhaupt den Zugang zur Kirche. „Die Kirche
       sollte ein gemeinschaftlicher Ort sein, der für alle offen ist, damit sie
       hierherkommen, Kontakte knüpfen und Zeit miteinander verbringen können“,
       sagt Timm. Dazu zählt auch, dass das „Queeratorio“ für möglichst viele
       Menschen zugänglich ist: Die Veranstaltung ist auf Englisch und der
       Eintritt wird nicht verwehrt, wenn man sich das Ticket nicht leisten kann.
       
       „Es wird kirchlich“, sagt Rutkowski und lacht. „Aber wir nennen das dann
       Queerstentum“. An den Gottesdienst soll auch gemeinschaftliches Singen
       erinnern. Explizit ist auch das Publikum mitgemeint. Aber kein Kyrie wird
       am Donnerstag- und Freitagabend erklingen, sondern Madonna, Björk, Britney
       Spears und Pink Floyd. „Musik, mit der wir alle aufgewachsen sind“, so
       Rutkowski.
       
       Auch gemeinschaftliches Beten steht auf dem Programm. „Dabei kann sich
       jeder aussuchen, an wen sich das Gebet richtet“, sagt Rutkowski. Der Abend
       sei nicht exklusiv an ein westliches oder christliches Publikum gerichtet.
       Die Pfarrerin ergänzt: „Das Gebet bringt die Menschen schon zum Weinen.“
       
       Nach den Tonleitern zum Aufwärmen der Stimme klatscht Rutkowski in die
       Hände. „Okay, lasst uns das noch einmal proben. Ich muss mir nur noch meine
       Schuhe anziehen“. Das Lied beginnt mit Gesang auf Latein – bis ein Beat
       einsetzt und sie unterbricht. Schlagartig reihen sie sich hintereinander
       ein, beginnen zu voguen. Rutkowski trägt jetzt kniehohe Stiefel mit Absatz,
       die grün-metallisch schimmern. Im Sprechgesang zählt das Ensemble
       nacheinander queere Ikonen auf, die vor ihnen kamen: „Magnus Hirschfeld,
       walk with me! Audre Lorde, walk with me!“.
       
       Bartosz Żurowski, ebenfalls Teil der Gründer*innen, verrät: „Am Ende gibt
       es eine Überraschung“. Wer wissen möchte, was die ist, muss selbst zur
       queeren Messe vorbeischauen. Los geht es an beiden Tagen 19.30 Uhr, Tickets
       können [1][hier] bestellt werden.
       
       23 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.eventbrite.com/e/queeratorio-tickets-1991557929378?aff=ebdssbdestsearch
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ann Toma-Toader
       
       ## TAGS
       
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