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       # taz.de -- Verbotene Reichsbürger-Gruppe: Anklage gegen mutmaßliche Köpfe des „Königreichs Deutschland“
       
       > Das Fantasie-Königreich von Peter Fitzek galt als bundesweit größter
       > Reichsbürger-Verein. Die Bundesanwaltschaft will seine Rädelsführer jetzt
       > vor Gericht stellen.
       
   IMG Bild: Peter Fitzek in einem Gerichtssaal in Dessau-Roßlau im Juli 2024
       
       dpa/taz | Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen vier mutmaßliche Köpfe
       der „Reichsbürger“-Gruppe „Königreich Deutschland“ (KRD) erhoben. Die
       oberste deutsche Anklagebehörde wirft ihnen vor, sich als Rädelsführer in
       einer kriminellen Vereinigung mitgliedschaftlich betätigt zu haben.
       
       Dem Gründer Peter Fitzek werden zudem unter anderem der Betrieb eines
       unerlaubten Versicherungsgeschäfts und zahlreiche Fälle von
       Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Der Staatsschutzsenat des
       Oberlandesgerichts Düsseldorf muss nun entscheiden, ob er die Anklage
       zulässt und wann es zum Prozess kommt.
       
       Am 13. Mai 2025 hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) [1][die
       zu der Zeit größte Gruppierung sogenannter Reichsbürger und Selbstverwalter
       verboten]. Nach eigenen Angaben hatte das KRD damals 6.000 Anhänger, die
       Sicherheitsbehörden gingen allerdings eher von 1.000 Anhängern aus.
       
       Am selben Tag ließ die Bundesanwaltschaft bundesweit Gebäude durchsuchen
       und vier mutmaßliche Rädelsführer in Rheinland-Pfalz, Sachsen und
       Brandenburg festnehmen. Sie sind seitdem in Untersuchungshaft.
       
       ## Fitzek: Vom Koch zum „obersten Souverän“
       
       Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz wurde das KRD 2012 in
       Wittenberg in Sachsen-Anhalt gegründet. Der Verein sah sich demnach als
       eigenen Staat mit einer eigenen Verfassung, Währung und Ausweisdokumenten
       und war von einem Personenkult um seinen „obersten Souverän“ Peter Fitzek
       geprägt. Ziel sei es gewesen, „die gültige Rechtsordnung der Bundesrepublik
       Deutschland außer Kraft zu setzen und durch ein eigenes System zu
       ersetzen“.
       
       Bis zur Bildung eines in der KRD-„Verfassung“ vorgesehenen „Staatsrates“
       und [2][zur Wahl eines ersten Königs] sollte der in Halle (Saale) geborene
       Gründer Fitzek treuhänderisch alle Aufgaben übernehmen. Als „oberster
       Souverän“ hatte der gelernte Koch laut Bundesanwaltschaft „die Kontrolle
       und Entscheidungsgewalt in allen wesentlichen Bereichen“ und bestimmte so
       etwa die ideologische Ausrichtung.
       
       Zu den Mitbeschuldigten zählen seine zwei mutmaßlichen Stellvertreter und
       ein Mann, der für die Finanzen zuständig gewesen sein soll.
       
       ## Währungsumtausch in „E-Mark“
       
       Das „Königreich“ finanzierte sich nach früheren Angaben der Behörden vor
       allem über verbotene Bank- und Einlagengeschäfte sowie über Spenden und
       Einnahmen von Seminaren. Mitglieder sollten von der Steuer- und
       Sozialabgabepflicht befreit sein. Das KRD soll auch für den Umtausch von
       Euro in seine eigene Währung geworben haben. Eine sogenannte „E-Mark“ (für
       digitale Zahlungen) oder „Neue Deutsche Mark“ (für Barzahlungen) entsprach
       demnach 1,10 Euro.
       
       „Anhänger des KRD riskierten dabei große finanzielle Schäden, da das KRD
       nach eigenen Angaben keinen Rückzahlungsanspruch und keine Möglichkeit zum
       Rücktausch der ‚E-Mark‘ einräumte“, schreibt das Bundesamt für
       Verfassungsschutz auf seiner Internetseite. „Trotzdem erhielt das KRD von
       seinen Anhängern immer wieder beträchtliche Großspenden in bis zu
       fünfstelliger Höhe und Vermögenswerte“.
       
       Eine große Bedeutung spielte demnach auch der Erwerb von Immobilien und
       Grundstücken, durch die das „Staatsgebiet“ des „Königreichs“ ausgeweitet
       werden sollte. Die Liegenschaften seien zu Wohn- und Siedlungszwecken sowie
       für geschäftliche Aktivitäten wie zum Beispiel „Systemausstiegsseminare“
       genutzt worden. Im Jahr 2022 soll das KRD mehrere Immobilien in
       Niedersachsen, Thüringen und Sachsen erworben haben.
       
       Sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter erkennen die Bundesrepublik
       Deutschland nicht als Staat an. Sie [3][lehnen demokratische und
       rechtsstaatliche Strukturen wie Parlament, Gesetze oder Gerichte ab]. Der
       Verfassungsschutz geht von rund 30 solcher länderübergreifend aktiven
       Gruppen aus. Der Szene gehörten im Jahr 2024 demnach etwa 26.000 Personen
       an.
       
       22 Jul 2026
       
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