# taz.de -- Neue AfD-Büros in Berlin-Mitte: Unerwünschter Nachbar
> Weil ihre Parteizentrale im Berliner Norden bald futsch ist, will die
> Bundes-AfD Büros in Mitte beziehen. Andere Mieter des Gebäudes sind
> entsetzt.
IMG Bild: Hier soll bald die AfD einziehen: Geschäftshaus in Berlin-Mitte
Sie wollen die AfD nicht als Nachbarn haben: In Berlin-Mitte regt sich
Widerstand gegen den Einzug des AfD-Bundesverbands in Büroräume nahe dem
U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Man sei „überrascht und besorgt“, schreibt
etwa die Hilfsorganisation Oxfam Deutschland am Mittwoch auf taz-Anfrage.
Die AfD stehe den eigenen Werten diametral entgegen. „Wir sind in Sorge um
unsere Mitarbeiter*innen, unseren Kiez und unsere freie, demokratische und
weltoffene Gesellschaft.“
Auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und die Psychologische Hochschule
Berlin (PHB), die beide ebenfalls dort ansässig sind, haben sich kritisch
zu Wort gemeldet. Die PHB betreibt in dem Haus unter anderem eine
Beratungsstelle für Geflüchtete. „Unsere Räume sollen ein Ort sein, an dem
sich unsere Studierenden, Patient:innen und Klient:innen unabhängig
von Herkunft, Lebensweise, Weltanschauung oder persönlichen Erfahrungen
sicher und respektiert fühlen können“, heißt es [1][in einem aktuellen
Statement].
Anfang Juli war bekanntgeworden, dass [2][der AfD-Bundesverband]
Büroflächen an der Adresse Am Köllnischen Park 1 angemietet hat. Dort
sitzen neben Oxfam, ASB und PHB noch eine Sprachschule sowie die Berliner
Stadtwerke.
Ganz oben, im 5. Stock, soll demnach die AfD residieren. Für 1.600
Quadratmeter bezahlt die Partei Berichten zufolge 32.000 Euro im Monat. Ein
Parteisprecher bestätigte die Anmietung der Büros, erklärte aber, dass dort
nicht die offizielle Bundeszentrale einziehen solle. Auch der
Bundesvorstand werde dort wohl nicht tagen.
## AfD sucht dringend eine neue Bleibe
Ob das wirklich so bleibt, ist fraglich. Schließlich muss die AfD bis zum
30. September ihre Geschäftsstelle in Wittenau größtenteils räumen. Bis zum
Jahresende muss der Bundesverband dann [3][komplett aus dem Gebäude im
Berliner Norden ausgezogen sein], das auch einen Veranstaltungsraum und
Stellplätze in einer Tiefgarage umfasst.
Grund dafür ist ein Rechtsstreit mit dem dortigen Vermieter, einer
österreichischen Eigentümergesellschaft. Die wollte die AfD rausschmeißen,
nachdem die Partei dort ohne Genehmigung ihre Wahlparty zur Bundestagswahl
2025 abgehalten hatte. Eine fristlose Kündigung kassierte ein Gericht zwar,
die Sonderkündigung zum Herbst dieses Jahres hat jedoch Bestand.
Deshalb dürfte die AfD derzeit noch dringender als ohnehin schon auf der
Suche nach einer neuen Bleibe sein. Die künftige Zentrale soll laut
Ex-Parteivize Kay Gottschalk in einem Radius von drei bis dreieinhalb
Kilometer zum Bundestag liegen. Seit Jahren [4][bemüht sich die AfD, einen
solchen großen, repräsentativen Sitz zu kaufen].
## Strohfirmen sollen es richten
Doch da die AfD oft nicht einmal externe Räume für Parteitage oder
Wahlpartys kriegt, gestaltet sich dieses Vorhaben offenbar besonders
schwierig. Dabei hat die Partei sogar extra Firmen wie die „Alternita GmbH“
gegründet, um [5][die eigene Identität zu verschleiern].
Auch im Fall der Büros in Mitte heißt es, dass eine solche Strohfirma mit
unverfänglichem Namen die Räume angemietet habe. Versuche der taz, die
Eigentümerin des Hauses Am Köllnischen Park 1 – eine Gesellschaft mit Sitz
in Berlin-Dahlem – zu erreichen, blieben am Mittwoch erfolglos.
Derweil haben sich der ASB und andere Mieter*innen an die Vermieterin
gewandt und um ein Gespräch gebeten. Zudem gab es am Sonntag eine
Kiezversammlung, bei der Beschäftigte aus dem Haus und Anwohner*innen
zusammenkamen. Mit dabei war auch die Bezirksbürgermeisterin von Mitte,
Stefanie Remlinger (Grüne). Weitere Treffen sollen folgen.
„Ich fühle mich nicht wohl mit der Vorstellung, dass die AfD hier
einzieht“, sagt ein Mitarbeiter einer dort ansässigen Einrichtung am
Mittwoch zur taz. Das Haus sei ein Safe Space, unter anderem für
Geflüchtete. „Und bald sollen hier Leute ein und aus gehen, die Geflüchtete
nicht im Land haben wollen.“
## Was macht die Berliner AfD?
Unterdessen wirft der mögliche Umzug der Bundes-AfD in die Büros in Mitte
auch Fragen für die Berliner AfD auf. Bislang sitzt der Landesverband
gemeinsam mit der Bundespartei in Wittenau – und darf dort auch über das
Jahresende hinaus bleiben. Denn man hat einen separaten Mietvertrag, der
von dem Rechtsstreit nicht betroffen ist.
Allerdings ist die Berliner AfD dem Vernehmen nach daran interessiert,
weiterhin Räume mit dem Bundesverband zu teilen – allein um Kosten zu
sparen, etwa für Wachschutz. Einen Umzug in die Büros Am Köllnischen Park
plane man aber derzeit nicht, heißt es aus der Landespartei.
22 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://psychologische-hochschule.de/news/stellungnahme-zum-moeglichen-einzug-der-afd-am-koellnischen-park-1/
DIR [2] /Schwerpunkt-AfD/!t5495296
DIR [3] /Streit-um-AfD-Parteizentrale/!6114595
DIR [4] /Bundesgeschaeftsstelle-der-AfD/!5949425
DIR [5] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2026/02/11/die-immobilien-deals-der-afd-tarnfirmen-erpressungsvorwuerfe-und-eine-erfundene-adelige-hans-holger-malcomess-carsten-huetter/
## AUTOREN
DIR Hanno Fleckenstein
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