# taz.de -- Enteignung von PCK Raffinerie in Schwedt: Die Linke geht auf Konfrontationskurs mit Russland
> Ein Abgeordneter der Partei fordert die Enteignung der deutschen
> Rosneft-Tochter. Das soll die Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt
> sichern.
IMG Bild: Die Beschäftigten der PCK-Raffinerie in Schwedt sind seit 2022 in ständiger Unsicherheit
„Eine Verstaatlichung ist überfällig“, meint der Brandenburger
Bundestagsabgeordnete Christian Görke (Die Linke) und zielt damit auf den
Mehrheitsanteil an der PCK-Raffinerie in Schwedt. Und damit fordert der
frühere brandenburgische Vizeministerpräsident, den Deutschlandableger des
größten, mehrheitlich staatlich kontrollierten Ölkonzerns Rosneft zu
enteignen.
Im September 2022 – sieben Monate nach der russischen Vollinvasion in der
Ukraine – stellte die damalige Bundesregierung Rosneft Deutschland und die
Rosneft-Tochter RN Refining & Marketing unter Treuhandverwaltung der
Bundesnetzagentur. Noch die Ampelkoalition bewilligte 400 Millionen Euro,
[1][um die Ölpipeline vom Hafen Rostock zur Raffinerie im uckermärkischen
Schwedt zu ertüchtigen] und ihre Kapazität von derzeit 5,5 auf 9 Millionen
Tonnen Rohöl pro Jahr zu erweitern.
Allerdings hat die EU-Kommission dieser Beihilfe noch nicht zugestimmt und
wird dies wohl auch künftig nicht tun. Denn: „Die Bundesregierung und die
Europäische Kommission waren und sind sich einig, dass das russische
Unternehmen Rosneft [2][nicht von einer Förderung begünstigt werden soll].“
Das teilte die Bundesregierung auf eine Anfrage Görkes mit. Der
Förderantrag ruhe in Brüssel, so die Bundesregierung.
„Die jahrelang verschleppte Pipelineertüchtigung ist nun also abgesagt“,
meint Görke und sieht die 3.000 direkt und indirekt bei PCK Beschäftigten
„in der Sackgasse“ wegen des „[3][energiepolitischen Dilettantismus]“ von
Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katerina Reiche.
## Unklar, woher das Öl kommen soll
Seit 1. Mai musste Kasachstan, das als alternativer Lieferant von Rohöl
eingesprungen war seit der Sperrung russischer Öllieferungen, seine
Lieferungen nach Schwedt einstellen. Denn Russland behauptet seither, die
Druschba-Pipeline müsse repariert werden. Durch die Sperre der auf Deutsch
Freundschaft heißenden Leitung fallen zwei Millionen Tonnen kasachisches
Rohöl für Schwedt weg.
Und PCK muss alternative Lieferungen bekommen, um die Auslastung der für
die Versorgung ganz Nordostdeutschlands, Berlins und Westpolens
verantwortlichen Raffinerie mit Benzin, Diesel und Kerosin sicherzustellen.
Doch das gestalte sich schwierig, heißt es. Die Pipeline von Rostock ist
völlig ausgelastet, alternative Lieferungen müssten über eine Pipeline aus
dem polnischen Danzig kommen.
„Polen sagt ganz klar: Rosneft bekommt nichts aus Polen, egal ob es unter
Treuhandverwaltung steht“, behauptet Görke. Also müsse der 54-prozentige
Rosneft-Anteil bei PCK von der Bundesregierung oder der Landesregierung
Brandenburg zur Sicherung der Versorgungssicherheit verstaatlicht werden.
Rosneft klagt bereits gegen die Treuhandverwaltung, will seinen Anteil
zurückhaben.
Das Bundeswirtschafts- und Energieministerium (BMWE) sieht die Dramatik der
Lage nicht: „Die Auslastung der PCK ist weiter stabil und liegt bei 85 bis
90 Prozent“, sagte die Sprecherin des BMWE der taz. Es gebe „keine
Anzeichen von einer Unterbrechung der Versorgung oder ähnlichem. Die
Versorgungssicherheit ist weiter gewährleistet.“
## Görke beschwert sich über Ungleichbehandlung
Das ebenfalls CDU-geführte Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz
und Europa des Landes Brandenburg „begrüßt natürlich, dass die
Versorgungssicherheit der PCK wiederhergestellt ist und bedankt sich bei
der Bundesregierung für die erfolgreichen Verhandlungen“, erklärte ein
Ministeriumssprecher der taz.
Rosneft hat in der Vergangenheit sechs Milliarden Dollar für seinen Anteil
verlangt. „Das ist völlig absurd“, erwidert Görke. Die BP-Raffinerie in
Gelsenkirchen sei kürzlich so veräußert worden, dass die Käuferin sogar
noch Geld bekommen habe. „Stünde die Raffinerie im Westen, wäre sie längst
verstaatlicht, siehe Meyer Werft“, beklagt Görke die Ungleichbehandlung.
Der in Schieflage geratene Kreuzfahrtschiffbauer wurde 2024 vom Bund und
dem Land Niedersachsen zur Sicherung der Arbeitsplätze verstaatlicht.
22 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Mathias Brüggmann
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