# taz.de -- Pressefreiheit in der Türkei: Deutsche-Welle-Korrespondent erneut verhaftet
> Zum zweiten Mal in einem Jahr wird Alican Uludağ festgenommen. Ob er ein
> weiteres Mal den Kampf gegen Präsident Erdoğan gewinnt, ist unklar.
IMG Bild: Journalisten protestieren gegen Verletzungen der Pressefreiheit und Verhaftungen in der Türkei am 29. März 2026
Der langjährige Korrespondent der Deutschen Welle (DW), Alican Uludağ, ist
zum zweiten Mal festgenommen worden. Erst im Mai war er nach knapp 3
Monaten in U-Haft [1][entlassen worden], nun wird er in einem weiteren
Verfahren angeklagt.
Im Februar dieses Jahres war [2][Alican Uludağ] erstmals festgenommen und
anschließend in U-Haft in den berüchtigten Knast von Silivri gesteckt
worden. Die Anklage wirft ihm vor, im Internet Präsident Erdoğan und die
Justiz beleidigt und verleumdet zu haben. Nachdem er, nicht zuletzt
aufgrund massiver Proteste, im Mai aus der U-Haft entlassen wurde, hat die
Staatsanwaltschaft ihn am Dienstag wegen neuerlicher Vorwürfe wieder
festnehmen lassen. Es geht erneut um angebliche Falschaussagen gegen die
Justiz und daraus resultierend um angebliche Aufstachelung des Volkes.
Ob er erneut in U-Haft muss, wird in den kommenden Tagen ein Haftrichter
entscheiden, es spricht allerdings alles dafür. Somit ist Alican Uludağ
jetzt in zwei Verfahren angeklagt. Sein erster Prozesstag in dem ersten
Verfahren soll am 18. September stattfinden.
Uludağ ist einer der bekanntesten türkischen Gerichtsreporter der seit
Jahren erlebt, wie die türkische Justiz immer mehr politisch
instrumentalisiert wird. Er hat diese Entwicklung im Internet, meist auf X,
immer wieder kritisiert, weshalb er nun mundtot gemacht werden soll.
## Deutsche Welle setzt sich ein für Freilassung
Weil er unter anderem auch für die Deutsche Welle schreibt, hat sich deren
Intendantin Barbara Massing nach seiner ersten Verhaftung intensiv um seine
Freilassung bemüht, genauso wie verschiedene deutsche Politiker. Auch jetzt
hat Frau Massing sich geäußert und die erneute Festnahme von Uludağ als
„zutiefst besorgniserregend“ kritisiert. Sie schrieb, sie hoffe dennoch auf
ein faires, rechtsstaatliches Verfahren für den Reporter.
Das aber steht nicht zu erwarten, da die Justiz ja quasi in eigener Sache
ermittelt. Weil Uludağs Kritik an der mangelnden Unabhängigkeit der Justiz
genau ins Schwarze trifft, reagieren die Staatsanwaltschaft und die
Gerichte eben genauso voreingenommen, wie er es selbst zuvor kritisiert
hat.
Dabei ist Uludağ nicht der Einzige, der verfolgt wird, weil er die fehlende
Unabhängigkeit von Präsident Erdoğans Justiz kritisiert. Vor allem seit der
Präsident den vormaligen Istanbuler Generalstaatsanwalt Akın Gürlek Anfang
dieses Jahres zum neuen Justizminister gemacht hat, hagelt es Anklagen
gegenüber Journalisten, Oppositionspolitiker und jedwede Kritiker der
Regierung.
## Fehlende Solidarität
Gürlek, der reihenweise CHP-Politiker wegen angeblicher Korruption anklagen
lässt, reagierte auf Enthüllungen über seinen ausgedehnten Immobilienbesitz
nicht etwa damit, dass er versuchte die Vorwürfe zu entkräften, sondern mit
Anklagen gegen die Kritiker und Entlassungen von Beamten diverser
Liegenschaftsämter, die er verdächtigt, die Informationen zusammengestellt
zu haben.
Ob es dieses Mal noch einmal zu einer größeren Solidaritätskampagne für
Uludağ reicht, ist fraglich. Es ist Ferienzeit und auch die Gerichte machen
bis Mitte September Pause. Außerdem geht sein Fall in der Masse der
Verfahren, die Gürlek in den letzten Monaten gegen Oppositionelle hat
einleiten lassen, etwas unter. Helfen würde wohl nur erneuter Druck aus
Deutschland.
Doch wie man rund um den Nato-Gipfel Anfang des Monats in Ankara gesehen
hat, will es sich die Bundesregierung mit Erdoğan auf keinen Fall
verderben. In Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten waren die
Massenverhaftungen der Oppositionspolitiker kein Thema. Diese neue
politische Konjunktur wird wohl auch Alican Uludağ zu spüren bekommen.
22 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Wolf Wittenfeld
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