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       # taz.de -- Thorsten Frei folgt auf Jens Spahn: Wenn er scheitert, scheitert auch Merz
       
       > Kanzleramtschef Thorsten Frei soll auf Jens Spahn als Fraktionschef
       > folgen. Damit räumt Merz Probleme aus dem Weg – und schafft neue.
       
   IMG Bild: Merz setzt auf Vertrauten Thorsten Frei
       
       Diese Personalie ist so naheliegend wie erwartbar: Indem Friedrich Merz und
       CSU-Chef Markus Söder den aktuellen Kanzleramtschef [1][Thorsten Frei als
       Nachfolger von Jens Spahn als Unionsfraktionschef] vorschlagen, löst Merz
       gleich zwei Dinge auf einmal: Frei ist Merz hundertfünfzigprozentig
       ergeben, und der Kanzler hätte seinen treuen Staatsminister auf
       gesichtswahrende Weise aus dem Kanzleramt wegbefördert. Denn Freis Bilanz
       im Maschinenraum der Macht kann man zusammenfassend bewerten mit: „Er hat
       sich stets bemüht.“
       
       Damit sind auch gleich die Risiken angedeutet, die mit der scheinbar
       eleganten Lösung verbunden sind. Dass Frei, der für einige Beinah-Crashs
       der schwarz-roten Koalition, etwa die [2][Verfassungsrichter:innenwahl,]
       mitverantwortlich ist, zum wichtigsten Unionsmann hinter dem Kanzler
       aufsteigen soll, erinnert ans Peter-Prinzip: Führungskräfte bis zur
       absoluten Inkompetenz wegloben und befördern. Ein [3][mutiger Umbau hätte
       anders ausgesehen,] dafür hätte sich Merz dazu durchringen müssen, den
       hermetischen Zirkel konservativ tickender Männer um ihn aufzubrechen. Was
       dem Kanzler wiederum geholfen hätte, den eigenen Erfahrungshorizont zu
       weiten und Kritik früher wahrzunehmen.
       
       Doch ein solcher Radikalumbau ist wohl nicht zu erwarten. Zudem der noch
       offene Posten der Kanzleramtsminister:in qua Jobbeschreibung totale
       Unterordnung unter die Belange von Kanzler und Koalition verlangt. Eine
       andere Gefahr ist Merz’ Sehnsucht nach einem loyalen Fraktionschef. Das ist
       aber nicht deckungsgleich mit dem Wunsch vieler Parlamentarier:innen, als
       selbstbewusste Fraktion wahrgenommen zu werden. Die Abgeordneten wollen
       komplexe Reformen nicht nur abnicken, sondern auch mitreden.
       
       Als Fraktionschef darf Frei nicht der verlängerte Arm des Kanzleramts sein,
       er muss auch gegenhalten können. Ob ihm dieser Rollenwechsel gelingt, wird
       in der Union mit Spannung verfolgt. Und dabei muss er auch noch die
       verschiedenen Strömungen der Fraktion zusammenhalten und einen guten Draht
       zum Koalitionspartner SPD haben. Das wird ein echter Spagat zwischen
       Stabilität und Selbstbewusstsein, Moderation und Entscheidungsmacht.
       
       Die Einarbeitungszeit ist kurz, nach der Sommerpause warten harte Debatten:
       Der Bundestag muss den Haushalt mit teils brutalen Kürzungen verhandeln,
       die Rentenreform und die Beschlüsse des Koalitionsausschusses mit der
       Krankschreibung am ersten Tag ausdiskutieren und alles beschließen. Und
       dann sind da noch scheinbare Nebenschauplätze, die sich als
       Sollbruchstellen entpuppen könnten, etwa die Wahlrechtsreform und die
       Reform der Schuldenbremse. Sollte sich die Union darüber intern oder mit
       der SPD zerlegen, wäre nicht nur Frei, sondern auch Merz gescheitert.
       
       22 Jul 2026
       
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