# taz.de -- Reichtum und Verbrechen: Diebe machen Gelegenheiten
> Beim kleinen Diebstahl folgen Polizei, Urteil, Strafe. Der große
> Diebstahl dagegen wird meist nicht mal so genannt. Manchmal ist er sogar
> legal.
IMG Bild: Was hat die Aufregung über die Enthüllungen gebracht?
Das Teuerste an meinem Fahrrad ist das Schloss. Es ist auch das schwerste,
deswegen lasse ich es meistens zu Hause. Gelegenheit macht Diebe, heißt es
ja, aber mein Fahrrad wollte in 10 Jahren noch niemand haben. Dabei könnte
ich sogar verstehen, wenn jemand es stiehlt, weil sie gerade wirklich
dringend ein Fahrrad braucht, er schnell irgendwohin muss – die U-Bahn ist
blockiert, das Geld knapp wegen Mietwucher.
Andersherum kann ich weniger Sympathie aufbringen, etwa wenn Großinvestoren
für noch größere Gewinnmagen bezahlbaren Wohnraum stehlen. Während kleine
Diebstähle oft aus der Not heraus geschehen, folgt der große Diebstahl
anderen Regeln. Meistens wird er dann nicht mal so genannt. Manchmal ist er
sogar legal.
Als ich im April 2016 ein Praktikum bei der taz machte, gingen weltweit die
Panama Papers durch die Schlagzeilen. Mehr als Hundert Medienhäuser
berichteten zeitgleich über die Methode der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca
in Panama. Sie hatte zahlreichen Überreichen dabei geholfen, Geld vorbei am
Staatsfiskus in Offshore-Firmen zu verstecken.
Der Nachklang war für ein journalistisches Projekt einzigartig, überall
wurden Ermittlungen eingeleitet, die Empörung war groß. Der Whistleblower
„Don Joe“, der 2,6 Terabyte interne Daten der Kanzlei Mossack an
Journalist*innen leakte, erklärte in einem Manifest, er tat es aus
Protest gegen die wachsende Ungleichheit, gegen die immer tiefere Kluft
zwischen Arm und Reich.
Die Panama Papers brachten zwar einige Politiker zu Fall – aber die
landeten meistens weich. Der damalige isländische Ministerpräsident
Sigmundur Davíð Gunnlaugsson trat nach Protesten zu den Enthüllungen zurück
und kehrte ein Jahr später als Abgeordneter seiner neu gegründeten Partei
wieder im Parlament ein.
Der pakistanische Premier Nawaz Sharif wurde 2017 wegen Korruption zu 10
Jahren Haft und einer Millionenstrafe verurteilt. Im Gefängnis saß er
allerdings weniger als 1 Jahr, dann schaffte er es nach London ins Exil.
Seit 2 Jahren ist er wieder Premier von Pakistan.
Und die beiden Geschäftsführer von Mossack Fonseca? Nach 8 Jahren Prozess
wurden sie in Panama City freigesprochen. Jetzt zum 10-jährigen Jubiläum
der Panama Papers wirkt das Ergebnis ernüchternd.
Bezeichnend dafür ist auch der Prozess von Christoph Z. am Landgericht
Köln, der vor Kurzem zu Ende ging. Christoph Z. war Miteigentümer der
Anwaltskanzlei Mossack und hatte geholfen, den deutschen Staat um 13
Millionen Euro zu betrügen. 10 Jahre später wurde er nun zu 2 Jahren Haft
verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung auf 3 Jahre, und 200.000 Euro.
Von den Deutschen, die ihr Geld am Staat vorbei in Panama versteckt hatten,
ist wenig bekannt. Viele zahlten die Differenz und gut war. Etwa 160
Millionen Euro trieben Behörden über Nachforderungen und Strafgelder ein.
Und auch Banken haben an dem Betrug verdient. Während in Deutschland
Menschen im Gefängnis sitzen, weil sie die Strafe fürs Fahren ohne Ticket
nicht bezahlt haben, ist Steuerbetrug in Millionenhöhe ein Kavaliersdelikt.
Was hat die Aufregung über die Enthüllungen gebracht? Sie hat gezeigt, wie
das System funktioniert, für die, die es sich leisten können. Mag sein,
dass Gelegenheit Diebe macht – die großen Diebe aber machen sich ihre
Gelegenheiten selbst.
Tranzparenzhinweis: In einer früheren Version stand, dass Christoph Z. zu 3
Jahren Bewährung und 100.000 Euro Strafe verurteilt wurde. Die Redaktion
23 Jul 2026
## AUTOREN
DIR Leila van Rinsum
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DIR Kolumne Vermögen und Verbrechen
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DIR Christoph Butterwegge
DIR Schwerpunkt Klimawandel
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