# taz.de -- Atomdeal zwischen USA und Saudi-Arabien: „Unverantwortlich und gefährlich“
> US-Politiker der Demokratischen Partei kritisieren den Deal über
> Urananreicherung mit Saudi-Arabien. Er würde ein Abkommen mit Iran noch
> mehr erschweren.
IMG Bild: Der saudische Kronprinz und Machhaber Mohammed bin Salman trifft US-Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus im November 2025
Das zivile Atomenergieabkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien, das am
Mittwoch Ortszeit in Washington unterzeichnet wurde und von dem viele
Details nicht bekannt sind, bedarf noch der Zustimmung vom des
US-Kongresses. Kritiker bezeichnen das Abkommen als gefährlich. Denn es
würde Saudi-Arabien erlauben, Uran selbst anzureichern, was ein erster
Schritt zur Entwicklung einer Atombombe sein könnte.
„Die Heuchelei von (US-Präsident Donald) Trump und (Außenminister Marc)
Rubio wird nur noch von ihrer Rücksichtslosigkeit übertroffen. Sie lassen
zu, dass Saudi-Arabien – ein kriegerischer und autoritärer Staat –
Technologien für Atomwaffen entwickelt, während sie unter dem Vorwand, eine
iranische Atombombe verhindern zu wollen, einen Krieg gegen Iran anzetteln.
Dieses Abkommen würde uns alle weniger sicher machen. Wir müssen die
Verbreitung von Atomwaffen stoppen“, sagte der Senator Ed Markey
(Demokraten). Er ist Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Atomwaffen und
Rüstungskontrolle im Kongress.
Andere Kritiker fürchten, das Abkommen könnte ein Wettrüsten im Nahen Osten
einleiten. Markey nennt den Nukleardeal mit Saudi-Arabien „unverantwortlich
und gefährlich“.
Das US-Energieministerium erklärte, das Atom-Abkommen werde amerikanischen
Unternehmen Zugang zum künftigen saudi-arabischen Kernenergieprogramm
garantieren. Davon würden amerikanische Arbeitnehmer, Konzerne und
Lieferketten profitieren.
## Offenbar fehlende Überwachung durch die IAEA
„Dank Präsident Trump ist die amerikanische Nuklear-Renaissance in vollem
Gange; sie wird der amerikanischen und der saudi-arabischen Bevölkerung
langfristige Vorteile bringen“, erklärte US-Energieminister Chris Wright.
Über das Abkommen muss der Kongress in den nächsten 90 Tagen abstimmen.
Sowohl aufseiten der Demokraten wie der Republikaner Seite gibt es Fragen
zum Deal. Ein zentraler Punkt dürfte die offenbar fehlende Überwachung
durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) sein.
Diese Überwachung war beim Atom-Abkommen zwischen den USA und den
Vereinigten Arabischen Emiraten (VaE) im Jahr 2009 ein entscheidender
Punkt. Auch dass die VAE damals freiwillig darauf verzichtet hatte, Uran
selbst anzureichern, reduzierte die Kritik. Der Vertrag mit den VAE wird
deshalb auch als „Goldstandard“ bezeichnet.
Ohne technologisches Know-how und technische Ausstattung, Uran
anzureichern, ist der Weg hin zu einer Atombombe deutlich schwerer. Der
Senator Chris Murphy (Demokraten) erklärte gegenüber der
Nachrichtenplattform [1][Semafor], das saudische Atom-Abkommen habe das
Potenzial, „die Region erheblich zu destabilisieren“ und den USA eine
dauerhafte nukleare Einigung mit Iran zu erschweren.
## Grotesker Doppelstandard der Trump-Regierung
Für viele Demokraten ist es geradezu grotesk, dass die Trump-Regierung
einem Land in der Region die technologischen Fähigkeiten zur Entwicklung
einer Atombombe gegen Geld zur Verfügung stellt, zugleich aber unter dem
Vorwand der Bedrohung der nationalen Sicherheit gegen ein anderes Land
Krieg führt, um es davon abzuhalten, Atomwaffen zu entwickeln.
„Wenn wir den Saudis Fähigkeiten zur Urananreicherung zugestehen,
verschaffen wir ihnen ein mächtiges Druckmittel, um sich künftig
US-Sicherheitsgarantien zu sichern – indem sie damit drohen, sich
Atomwaffen zu beschaffen. […] Dieses Abkommen kommt einer
Sicherheitsgarantie für Saudi-Arabien durch die Hintertür gleich“, erklärte
die Direktorin des Nahostprogramms beim Thinktank Defense Priorities,
Rosemary Kelanic. Andere Nationen wie Südkorea und Westdeutschland hätten
ihre nuklearen Ambitionen erst auf Eis gelegt, nachdem die USA jeweils
militärische Sicherheitsgarantien ausgesprochen hatten.
Im Rahmen des auf 30 Jahre angelegten Abkommens sollen Berichten zufolge
US-Unternehmen wie Westinghouse Electric eingebunden werden, um
Saudi-Arabien mit Reaktoren und anderer Technologie zu beliefern.
Saudi-Arabien strebt schon lange ein Abkommen zur zivilen Nutzung der
Kernenergie mit den USA an. Die vorherige US-Regierung von Joe Biden wollte
Verhandlungen über ein Abkommen, das auch eine Normalisierung der
Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel vorsah.
## Zustimmung des Kongresses wahrscheinlich
Die Aussichten darauf rückten jedoch nach dem Terrorangriff der Hamas auf
Israel vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg im Gazastreifen in den
Hintergrund. Die unter Biden angestrebte Normalisierung zwischen Israel und
Saudi-Arabien als Teil des Deals wurde unter Trump nicht weiterverfolgt.
Trotz der kritischen Stimmen zum Abkommen ist jetzt davon auszugehen, dass
der republikanische geführte Kongress den Deal letztendlich absegnen wird.
23 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.semafor.com/article/07/22/2026/democrats-prepare-to-resist-saudi-nuclear-deal
## AUTOREN
DIR Hansjürgen Mai
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