# taz.de -- Atomdeal zwischen USA und Saudi-Arabien: Neuer Sprengstoff für den Nahen Osten
> Die USA und Saudi-Arabien schließen ein Abkommen über Urananreicherung
> zur zivilen Nutzung. Das könnte ein nukleares Wettrüsten provozieren.
IMG Bild: Verstehen sich blendend: US-Präsident Trump und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman am 18. 11. 2025 in Washington
Es ist ein kontroverser Deal, den die USA und Saudi-Arabien unterschrieben
haben, denn er könnte ein nukleares Wettrennen im Nahen Osten auslösen. In
der Nacht zum Donnerstag unterzeichneten beide Länder ein Abkommen, das es
Saudi-Arabien ermöglichen soll, mit US-Hilfe Atomreaktoren zu bauen und das
dafür benötigte Uran in Saudi-Arabien anzureichern und radioaktive Abfälle
wieder aufzubereiten. So zumindest berichten es US-Medien, denn die Details
des Multi-Milliarden-Deals sind nicht öffentlich.
Das Programm ist explizit auf eine zivile Nutzung ausgelegt, aber stimmen
die Berichte, könnten beide Verfahren es Saudi-Arabien theoretisch
ermöglichen, das nötige Material für Atomwaffen herzustellen.
Die US-Energiebehörde spricht von einer „Atom-Kooperation zur friedlichen
Nutzung“, das US-Firmen Zugang zum saudischen Nuklearenergie-Programm gäbe.
Doch das Programm gibt, laut Medienberichten, Saudi-Arabien auch die
Möglichkeit, auf seinem Boden Uran anzureichern – unter US-Aufsicht. Dazu
wurde laut US-Energiebehörde auch ein „bilaterales Sicherungsabkommen“
abgeschlossen, das ausschließen soll, dass das Programm zur Herstellung von
Atomwaffen missbraucht wird. Gemeinsam bildeten beide die rechtliche
Grundlage für eine jahrzehntelange Partnerschaft im Milliardenumfang.
Kritiker befürchten dennoch, dass das Abkommen zur Verbreitung von
Atomwaffen in einer ohnehin instabilen Region führen kann. Israel besitzt
seit Jahrzehnten Nuklearwaffen, Iran reichert ebenfalls Uran an, und dem
Land wird vorgeworfen, damit sein eigenes Atomwaffenprogramm aufbauen zu
wollen. Etwas, das die iranische Führung bestreitet.
Es ist eine Befürchtung, die US-Energieminister Chris Wright wegwischt:
„Seien Sie versichert, dass diese Vereinbarungen die höchsten Standards für
nukleare Sicherheit und Nichtverbreitung einhalten und dabei auf die
weltweit beste Nukleartechnologie und die besten Wissenschaftler setzen,
die genau hier in den USA entwickelt wurden“, sagte er in einer
Stellungnahme.
Das Abkommen fördere sowohl die „US-amerikanische als auch die regionale
Sicherheit“ und werde „hohe Standards für nukleare Sicherheit, Schutz und
Nichtverbreitung“ wahren sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten im Bereich ziviler Nukleartechnologie stärken.
## Der US-Kongress muss zustimmen
Der Deal muss nun zur Prüfung dem US-Kongress vorgelegt werden. Es wird
erwartet, dass es dort in beiden Parteien auch Widerstand dagegen geben
wird. US-Außenminister Marco Rubio hat bereits für diesen Deal geworben.
„Die USA werden mit keinem Land der Welt eine Vereinbarung treffen, die ein
Atomwaffen-Verbreitungs-Risiko beinhaltet“, erklärte er während einer Reise
auf die Philippinen, ohne über die Details des Abkommens zu sprechen.
Über einen möglichen Nuklear-Deal zwischen den USA und dem ölreichen
Saudi-Arabien wurde bereits viele Jahre verhandelt, nachdem der saudische
Kronprinz Mohammed bin Salman immer wieder das Interesse seines Landes an
nuklearer Energie verkündet hat, um, so heißt es offiziell, seine
Energiewirtschaft weg vom Öl zu diversifizieren. Aber bin Salam hat auch
immer wieder betont, dass sein Land Zugriff auf Nuklearwaffen will, wenn
Iran welche besitzt.
## Schon die Biden-Regierung verhandelte über Nuklear-Deal
Verhandelt wurde bereits mit der ehemaligen US-Regierung, aber damals kam
man nicht zu einer Einigung. Die Biden-Regierung hatte damals versucht, den
Nuklear-Deal damit zu verbinden, dass Saudi-Arabien in den [1][sogenannten
Abrahams-Abkommen Israel] diplomatisch anerkennt, ähnlich wie die
Arabischen Emirate. Doch dazu ist es nie gekommen. Der Gazakrieg hat die
Verhandlungen dann endgültig beendet.
Die USA hatten ebenfalls bereits [2][2009 ein Nuklear-Abkommen mit den
Emiraten] abgeschlossen, allerdings unter wesentlich strikteren
Bedingungen. Die Emirate dürfen keinen Brennstoff selbst produzieren und es
gelten zahlreiche andere Einschränkungen. Mit der Möglichkeit, dass
Saudi-Arabien nun auf eigenem Boden, wenngleich unter US-Aufsicht, Uran
anreichern könnte, scheint dieser neue Deal wesentlich weitgehender.
Der Grund ist wahrscheinlich die US-Sorge, dass Saudi-Arabien einen solchen
Deal mit einem anderen Land wie China oder Russland hätte abschließen
können. Vor allem seit dem US-israelischen Angriff auf Iran und dem Krieg
am Golf, der scheinbar kein Ende findet, haben die Golfstaaten begonnen,
ihre Abhängigkeit von den USA zu hinterfragen.
## Weniger Abhängigkeit von den USA
Saudi-Arabien hatte immer vor einem Angriff auf Iran gewarnt. Eine Warnung,
die von US-Präsident Donald Trump ignoriert wurde. Der Krieg hat den
Golfstaaten auch gezeigt, dass die Präsenz von US-Stützpunkten in ihren
Ländern sie nicht schützt, sondern verwundbarer macht. Das Ergebnis war
eine Diskussion über eine neue diversifizierte Sicherheitsarchitektur und
weniger US-Abhängigkeit.
Mit dem neuen saudischen Nuklear-Deal hofft Washington offensichtlich, das
wieder etwas einfangen zu können und die Golfstaaten von einer Hinwendung
in Richtung China oder Russland abzubringen. Gleichzeitig schwächt der neue
Deal aber auch die US-Verhandlungsposition mit Iran. Es dürfte schwer sein,
die iranische Führung davon zu überzeugen, ihr Atomprogramm aufzugeben,
während die USA gleichzeitig zumindest theoretisch ein mögliches Tor für
Saudi-Arabien öffnen, sich nuklear zu bewaffnen.
23 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Verhandlungen-im-Iran-Krieg-Trumps-Fantasien-und-die-iranische-Wirklichkeit/!6182508
DIR [2] /Abkommen-zwischen-Iran-und-USA/!6188375
## AUTOREN
DIR Karim El-Gawhary
## TAGS
DIR Saudi-Arabien
DIR Atomwaffen
DIR Schwerpunkt Iran-Krieg
DIR GNS
DIR Reden wir darüber
DIR Schwerpunkt Iran-Krieg
DIR Saudi-Arabien
DIR Saudi-Arabien
DIR Saudi-Arabien
DIR Schwerpunkt Iran-Krieg
DIR Rüstungsrausch
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Krieg in Iran: Washington will Mullahs für Schäden zur Kasse bitten
Die USA setzen Teheran mit neuen Bombardements und finanziellen Forderungen
unter Druck. Das Mullahregime will von neuer Waffenruhe nichts wissen.
DIR Atomwaffenforscher zum US-Deal: „Hier werden Atomwaffenkontrollen ausgehebelt“
Das Abkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien wäre verheerend für die
ganze Region, warnt Sicherheitsexperte Ulrich Kühn. Iran hätte mit dem Deal
zusätzliche Argumente zur Hand.
DIR Abkommen zwischen USA und Saudi-Arabien: Trump stellt Atom-Deal mit Riad schon wieder infrage
Am Mittwoch verkünden die USA einen Atomdeal mit Saudi-Arabien. Nun will
der US-Präsident, dass Riad zuerst seine Beziehungen zu Israel
normalisiert.
DIR Jemen im Krieg zwischen Iran und USA: Nach der Straße von Hormus fällt die nächste Meerenge
Die Huthi-Miliz will den Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab vor Jemens
Küste einschränken. Der Konflikt mit Jemens Regierung spitzt sich zu.
DIR +++ Nachrichten im Nahostkrieg +++: Hegseth schätzt Kriegskosten auf 37,5 Milliarden Dollar
Das US-Militär fliegt neue Angriffe, auch wieder auf die Hauptstadt
Teheran. Verteidigungsminister Hegseth beantragt im Kongress weitere
Kriegsmittel.
DIR SPD-Außenpolitiker über Rüstung: „Warum dürfen Europäer mit Putin nicht über Atomwaffen reden?“
Rolf Mützenich will, dass mehr über Rüstung debattiert wird. Mit der taz
spricht der SPD-Politiker über Russland, die Nato und Gastgeschenke an
Trump.