# taz.de -- Geldbuße gegen Internetkonzern: EU bestraft Google – ein bisschen
> Der US-Konzern Google muss eine Milliarde Dollar Strafe zahlen, weil er
> gegen EU-Gesetze verstoßen hat. Das Strafmaß ist mild – um Trump nicht zu
> verärgern?
IMG Bild: Brüssel versucht, Härte zu zeigen: EU-Kommissionssprecher Thomas Regnier verkündet am Donnerstag in Brüssel das Strafmaß gegen Google
Diese Entscheidung dürfte US-Präsident Donald Trump nicht erfreuen: Die
EU-Kommission hat gegen den amerikanischen Internetkonzern Google zwei
Geldbußen von insgesamt einer Milliarde US-Dollar (890 Millionen Euro)
verhängt.
Der weltweit führende Suchmaschinen-Anbieter habe gegen das [1][Gesetz über
digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA]) verstoßen und eigene Angebote
bei der Internetsuche bevorzugt, teilte die Brüsseler Behörde mit.
Damit würden die User in ihrer Wahlfreiheit eingeschränkt, wenn sie im
Internet shoppen und nach Hotels oder Sportergebnissen suchen. Außerdem
würden fremde App-Entwickler im Google-Play-Store benachteiligt.
## Das Prinzip des besseren Produkts
Das will die EU nicht länger dulden. „Die besten Produkte sollten
erfolgreich sein, weil sie besser sind – nicht, weil sie dem Unternehmen
gehören, das die Suchmaschine betreibt“, sagte Wettbewerbskommissarin
Teresa Ribera.
Doch weder Ribera noch ihre fürs Digitale zuständige Kollegin Henna
Virkkunen waren bereit, ihre Entscheidung vor laufenden Kameras zu
begründen. Auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen duckt sich weg.
Dabei wirft die Entscheidung viele Fragen auf: Warum hat die EU-Kommission
so lange gezögert? Die Prüfung des Google-Falls sollte ursprünglich nur ein
Jahr dauern. Die Strafe kommt nun aber erst nach rund zwei Jahren.
Verkündet wurde das Urteil kurz nach dem Jahrestag des umstrittenen
Handelsdeals mit Trump. Hat die EU-Kommission etwa Rücksicht auf den
US-Präsidenten genommen? Trump hatte wiederholt mit Vergeltung gedroht.
## Strafmaß im unteren Bereich
Auch die Höhe des Strafmaßes wirft Fragen auf. Sie liegt im unteren Bereich
dessen, was nach Gesetzeslage möglich wäre. Den US-Konzern Apple hatte die
EU-Kommission 2025 in einer Einzelfallentscheidung härter bestraft.
Unklar ist auch, ob die Strafe mit der Trump-Administration abgesprochen
war. Brüssel unterhält mit Washington einen „digitalen Dialog“. Worüber man
dabei spricht, wollte die EU-Kommission aber nicht verraten.
„Unsere Digitalgesetzgebung steht nicht zur Disposition“, betonte ein
Sprecher. „Sie wird auf alle gleich angewendet.“ Beim zugrunde liegenden
Digital Services Act gehe es um den Zugang zum lukrativen europäischen
Markt, der sei auch für Google wichtig.
## Google hat jetzt 60 Tage Zeit
Das US-Unternehmen muss seine Angebote jetzt an die Forderungen der
EU-Kommission anpassen. Google hat dafür 60 Tage Zeit. Ansonsten drohen
regelmäßige Strafen von bis zu fünf Prozent des weltweiten Konzernumsatzes.
Google kritisierte, die Auflagen würden das digitale Angebot
verschlechtern. „Um die Vorgaben zu erfüllen, müssen wir
Echtzeit-Suchfunktionen entfernen, die die Europäer schätzen, wie sofortige
Preisangebote und direkte Verfügbarkeit von Hotels, Flügen und
Restaurants“.
Bei Google Play müssten zudem Sicherheitsfunktionen abgebaut werden, warnt
der US-Konzern, wenn man fremde Anbieter mit umfänglichen Rechten in den
Play Store lasse. Die Leidtragenden wären demnach europäische Unternehmen
und Verbraucher. „Regulierung sollte Produkte verbessern und sie nicht
schlechter machen“, hieß es bei Google weiter.
Ganz anders fielen die Reaktionen aus Europa aus. „Die Millionenstrafe
gegen Google ist richtig und längst überfällig“, sagte Max Bank,
Wettbewerbsexperte bei der NGO Rebalance Now. Die EU müsse diesen Kurs
fortsetzen.
„Die späte Strafe gegen Google zeigt einen problematischen Umgang mit den
EU-Digitalregeln“, meint dagegen Felix Duffy von Lobbycontrol. „Statt ihre
eigenen Regeln zeitnah durchzusetzen, lässt sich die EU offenbar aus den
USA unter Druck setzen.“
Ähnlich äußerte sich die grüne Europaabgeordnete Alexandra Geese. Die EU
müsse härter gegen Google durchgreifen, meint die Digitalpolitikerin. „Die
Höhe der Strafe ist enttäuschend und steht in keinem Verhältnis zu dem
Schaden, den Google der europäischen Wirtschaft zugefügt hat.“
## Angst vor der Retourkutsche aus den USA
Vor einer Retourkutsche aus Washington warnt der SPD-Europaabgeordnete
Bernd Lange. Die Google-Strafe dürfe kein Vorwand für eine Vergeltung mit
neuen US-Zöllen sein, sagte der Chef des Handelsausschusses. „Eine solche
Verknüpfung wäre unberechtigt und gefährlich.“
Hintergrund ist die Sorge, dass US-Präsident Trump die Google-Strafe zum
Vorwand nehmen könnte, um den Handelsdeal mit der EU infrage zu stellen und
neue Forderungen zu erheben. [2][Am Freitag läuft eine Frist aus, mit der
Trump Ende Februar weltweit Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Exporte in
die USA erhoben hatte.]
Droht nun eine Eskalation im Handelsstreit mit den USA, wird Trump eine
neue Front bei den Digitalgesetzen aufmachen? Auch das wurde die
EU-Kommission in Brüssel gefragt. Die Antwort war ausweichend: „Wir haben
das souveräne Recht, Digitalgesetze zu machen“, so ein Sprecher.
Das klingt selbstbewusst, verrät aber auch eine gewisse Nervosität. Die EU
will ihre Digitalgesetze durchsetzen, ohne Trump zu provozieren – ein
politischer Drahtseilakt. Ob er gelingt, könnte sich schon am Freitag
zeigen.
23 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://digital-markets-act.ec.europa.eu/index_en
DIR [2] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zollkonflikt-ende-von-trumps-weltweiten-zollen-wann-kommen-die-nachsten-15868687.html
## AUTOREN
DIR Eric Bonse
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