# taz.de -- Trotz Verbot: Israels Minister Ben-Gvir provoziert mit Gebet auf Tempelberg
> Sicherheitsminister Ben-Gvir betet mit über 1.000 Gläubigen auf dem
> Tempelberg in Jerusalem – trotz Verbot. Es ist nicht die erste
> Provokation dieser Art.
IMG Bild: Den Muslim:innen heilig und heiß umkämpft: der Felsendom in Jerusalem. Blick vom Ölberg auf die Altstadt, 23. Juli 2026
Am Donnerstag begehen religiöse Jüd:innen Tisha B’Av, den jährlichen
Fastentag. Es ist ein Tag der Trauer, der an die Zerstörung der jüdischen
Tempel in der Geschichte erinnert; Bars, Restaurants und
Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen. Und jedes Jahr aufs Neue
versuchen Gruppen von ultraorthodoxen Siedler:innen, auf den Tempelberg zu
gelangen, um dort zu beten.
Das ist allerdings verboten. Unter dem sogenannten Status quo, ein Abkommen
nach dem Ende des [1][Sechstagekriegs 1967], dürfen nur muslimische
Gläubige auf dem im von Israel annektierten Ostjerusalem gelegenen
Tempelberg beten. Jüd:innen dürfen die heilige Stätte, auf der sich seit
Jahrhunderten der Felsendom mit seinem berühmten goldfarbenen Kuppeldach
und die Al-Aksa-Moschee befinden, nur besuchen. Jüdische Andachten sind
indes an der Klagemauer erlaubt.
Seit 2018 hat die israelische Polizei jedoch stilles Beten ohne sichtbare
religiöse Symbole zunehmend erlaubt. Und Anfang des Jahres hat sie sogar
die Mitnahme von religiösen Schriften gestattet. Das hat radikale
Siedlergruppen noch stärker ermuntert, das Gebetsverbot zu umgehen.
An diesem Tisha B’Av hat der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar
Ben-Gvir zusammen mit mehr als 1.000 Siedler:innen den Tempelberg
gestürmt. Die Menschenmasse wurde von Polizist:innen begleitet. Videos
und Bilder zeigen sie etwa beim Gebet vor der Kulisse des Felsendoms.
Ben-Gvir plädiert schon länger für jüdische Gebete auf dem Tempelberg. „An
Tisha B’Av gedenken wir der Zerstörung. Doch wir sehen auch enorme
Fortschritte auf dem Tempelberg. Seht, was hier geschieht – Juden beten und
fühlen sich wie die Besitzer dieses Ortes. So etwas hat es noch nie
gegeben“, sagte er am Donnerstag in einem Video.
## Ideologischer Kampf um die heiligen Stätten
Das Vorgehen erhitzt die Gemüter in den arabischen Nachbarländern.
Jordaniens Außenministerium verurteilt das Vorgehen scharf. Die Behörde
nannte das Vorgehen einen „eklatanten Verstoß gegen den historischen und
rechtlichen Status quo, eine Schändung der Heiligkeit der Moschee, eine
verurteilenswerte Eskalation, ein barbarisches Verhalten und eine
inakzeptable Provokation“. Jordanien ist – trotz seiner Niederlage im Krieg
1967 – der Hüter der dortigen heiligen Stätten und finanziert die
Jerusalemer Waqf-Behörde, die die Aufsicht über die Moschee und den
Felsendom hat. Jordaniens „besondere Rolle“ bei der Pflege der muslimischen
Stätten in Jerusalem ist [2][im Friedensabkommen der beiden Staaten von
1994] festgehalten.
Die Palästinensische Autonomiebehörde hat den Besuch in ähnlicher Weise
kritisiert. [3][Die Terrorgruppe Hamas im Gazastreifen] hat den Vorfall
ebenfalls verurteilt und verkündet: „Unser Volk und unser Widerstand werden
angesichts der Schändung unserer heiligen Stätten nicht tatenlos zusehen.“
[4][Der Tempelberg ist der heiligste Ort im Judentum und der drittheiligste
im Islam.] Sicherheitsexpert:innen plädieren gegen eine jüdische
Übernahme – auch da dies ein hohes Risiko birgt, Gewalt gegen Israelis in
der arabischen Welt hervorzurufen. Einige radikale Ultraorthodoxe möchten
den dritten Tempel aber genau dort errichten. Denn laut jüdischer Tradition
sollen die ersten beiden Tempel auf eben jenem Tempelberg gestanden haben.
Dafür müsste der Felsendom weichen. Genau das fürchten Muslim*innen
weltweit.
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat seinerseits mehrfach
wiederholt, am Status quo werde nicht gerüttelt. [5][Die israelische
Menschenrechtsorganisation Peace Now] erklärte wiederum am Donnerstag:
„Eine direkte Linie verbindet den zunehmenden Siedlerterror, den der
Premierminister selbst als Krebsgeschwür bezeichnete, mit der Gruppe von
Brandstiftern, die versuchen, einen Religionskrieg zu entfachen.“
23 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Die-Folgen-des-Sechstagekriegs/!5411542
DIR [2] https://peacemaker.un.org/sites/default/files/document/files/2024/05/il20jo941026peacetreatyisraeljordan.pdf
DIR [3] /Die-Hamas-ist-wieder-Ordnungsmacht-in-Gaza/!6188162
DIR [4] /Der-Tempelberg-in-Jerusalem/!5846846
DIR [5] /EU-Sanktionen-gegen-israelische-Siedler/!6178562
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